Der Kreis Unna will auch weiterhin keine Informationen zum Infektionsgeschehen in den Kreisstädten veröffentlichen. © Foto: Dominik Möller
Meinung

Corona-Infos: Hält der Kreis Unna seine Bürger für zu dumm?

Anfang November hat der Kreis Unna aufgehört, die Infektionshintergründe im Kreis zu kommunizieren. Und das will der Kreis auch nicht ändern. Ein Unding, meint unsere Redakteurin.

Anfang November 2020, als die zweite Coronawelle schon ordentlich Fahrt aufgenommen hatte, verkündete der Kreis Unna auf seiner Internetseite, dass das Infektionsgeschehen so diffus sei, dass man die Hintergründe nicht mehr länger aufschlüsseln werde. Und auf Nachfrage hieß es, auch das Gesundheitsamt des Kreises Unna sei ausgelastet, diese Informationen aufzuarbeiten, bündele Zeit.

Auf die Nachfrage in dieser Woche, ob der Kreis an diesem Vorgehen festhalte, jetzt wo die Lage sich langsam wieder entspanne, hieß es dann: Ja. Und: Es habe nie ein Kapazitätsproblem gegeben, wegen dem man derartige Hintergründe nicht kommuniziert habe.

Nun lautet die Begründung: „Wir können mit den Informationen, die wir der Öffentlichkeit anbieten können, den Bürger*innen keine größere Sicherheit im Umgang mit Corona bieten.“ Man werde zu den Infektionshintergründen keine Informationen liefern, um keine falsche Sicherheit zu erzeugen. Nach dem Prinzip: Wenn ich weiß, ein Seniorenheim ist betroffen, dann muss ich ja nur dieses Seniorenheim meiden und alles ist gut.

Das sehen viele Bürger anders: Eine Wernerin hatte uns diese Woche angeschrieben, weil sie derzeit überlegt, in den Kreis Coesfeld zum Einkaufen zu fahren. Der Grund: Ihr fehlen die Informationen über das Infektionsgeschehen im Kreis und auch die Informationen seitens des Kreises Unna. „Gewöhnungsbedürftig“, nennt sie die Erklärung des Kreises. Auch wenn die Begründung des Kreises auf den zweiten Blick nachvollziehbar erscheinen mag: Ich finde es unverantwortlich, dass eine Behörde selbst darüber entscheidet, welche Informationen sie ihren Bürgern zur Verfügung stellt und welche nicht. Zumal diese da sind.

Die Bürgerinnen und Bürger besitzen immer noch eigenen Menschenverstand und ihnen sollte durchaus zugetraut werden, Informationen selber zu verarbeiten und daraus Schlüsse für ihr Verhalten zu ziehen. Und die offensichtliche Annahme der Kreisverwaltung, die Bürger würden sich fahrlässiger verhalten, würden sie die Infektionshintergründe kennen, halte ich gerade heraus für Quatsch.

Meiner Meinung nach führt mehr Information zu einem größeren Sicherheitsgefühl und weniger Angst. Wenn ich etwas Bedrohliches nicht verstehe, macht es mir Angst. Und es macht sehr wohl einen Unterschied, ob 16 Neuinfektionen in Werne ausschließlich auf Schulen, Kitas, Seniorenheime oder sonstige Einrichtungen zurückzuführen sind oder auf diffuse Einzelinfektionen.

Die Bürger können immer noch für sich selber denken!

Ja, die Coronainformationen sind stellenweise sensibel. Aber selbst wenn man kommunizieren würde, dass es sich um eine Familie in Werne handelt, in der sich 2 weitere Personen infiziert haben und 2 weitere schon in Quarantäne waren (Beispiel frei erfunden), wäre diese Familie wohl kaum identifizierbar noch bestünde Gefahr für deren Persönlichkeitsrechte.

Mehr Informationen würden dazu führen, das Virus und seine Ausbreitung besser zu verstehen und dem Bürger bei Ausbrüchen in Büros, Schulen und Kitas wohl eher noch als Wachrüttelsignal hier und da verdeutlichen: Achtung, wiege dich nicht in falscher Sicherheit! Es ist noch nicht vorbei.

Vielmehr bin ich der Ansicht: Gibt es keine Informationen zu Infektionshintergründen, schafft das mehr falsche Sicherheit, als wenn der Kreis die Bürgerinnen und Bürger über die tatsächlichen Infektionshintergründe informieren würde. Denn die jetzige Corona-Informationspolitik des Kreises, so meine Vermutung, lässt die Bürger wohl eher denken: Alles halb so schlimm!

Wir alle sind innerhalb von einem Jahr zu Hobbymedizinern geworden, kennen die unterschiede in den Herstellungsweisen verschiedener Impfstoffe, wissen, was eine FFP2- von einer OP-Maske unterscheidet. Auch darüber können die Bürger mit eigenem Menschenverstand entscheiden. Also, lieber Kreis Unna, lass deine Bürger doch bitte auch selbst entscheiden, was sie mit den Informationen zum Infektionsgeschehen machen.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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