Flüchtlingsunterkunft eingezäunt: „Hol uns aus dem Gefängnis!“

dzCorona-Ausbruch in Geisecke

Bis zum 19. August dürfen die Bewohner das Flüchtlingsheim Zwischen den Wegen nicht verlassen, nachdem dort vier Fälle von Corona festgestellt worden sind. Die Stadt überwacht das streng.

Geisecke

, 07.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Tor sieht man nicht. Vier Felder eines Bauzauns sperren knapp hinter dem Bürgersteig den Zugang zur Flüchtlingsunterkunft Zwischen den Wegen. Daneben stemmt - unter einem schattenspendenden roten Pavillondach mit dem Logo der Stadt Schwerte - der schwarzgekleidete Mann eines Sicherheitsdienstes seine Beine auf das Pflaster.

Die Stadt hat strenge Maßnahmen eingeleitet, um die Einhaltung der Quarantäne-Anordnung zu gewährleisten, nachdem es in dem Heim am Einkaufszentrum Zwischen den Wegen zu einem Corona-Ausbruch gekommen war.

Bis zum 19. August ist Ausgangssperre angeordnet

Bis zum 19. August dürfen die Bewohner das Haus nicht verlassen, wie Stadt-Pressesprecher Ingo Rous am Freitag mitteilte. Der Securitydienst sei zur Unterstützung engagiert worden. Er werde das Gelände rund um die Uhr beobachten. Der Kommunale Ordnungsdienst, der zuvor für diese Aufgabe zuständig war, werde die Firma aber weiter unterstützen.

Den Bewohnern bleibt wenig Platz an der frischen Luft

„Hol uns raus aus dem Gefängnis“, ruft ein Junge aus einem Fenster. An den meisten sind aber - wohl auch zum Schutz vor der brütenden Sonnenhitze, die Rolladen heruntergelassen.

Auf dem Pflaster des schmalen gepflasterten Vorhofs, der hinter der provisorischen Absperrung geblieben ist, schlagen ein paar junge Männer mit Fußballspielen die Zeit tot. Zwei Frauen sitzen, geschützt mit Mund-Nasen-Masken, auf einer Bank. Wenigstens mal kurz an die frische Luft, wenn der Bewegungsradius schon so arg eingeschränkt ist.

Ein wenig Abwechslung bringt ein Bote, der mit einem Auto vorfährt und einen Briefumschlag zwischen die Zaungitter steckt. Er ruft den Namen eines Mannes. In dem Kuvert stecke wohl das Testergebnis, heißt es laut vernehmlich.

Stadt: Sicherheit für die Bevölkerung und Schutz der Bewohner

Am Freitagmorgen waren auch schon Vertreter der Stadtspitze vor Ort gewesen. Die Beigeordnete Bettina Brennenstuhl, Sozialamtsleiterin Sandra Brinkmann und Ordnungsamtsleiterin Jenny Golombek wollten die Bewohner des Flüchtlingsheims persönlich über die Quarantäne und die damit verbundenen Maßnahmen informieren.

„Wir sind nach intensiven Beratungen und unter Abwägung der erheblichen Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte der Bewohner und Bewohnerinnen im Vergleich zum Schutz der Allgemeinheit zur Überzeugung gelangt, dass nur diese Maßnahme maximale Sicherheit für die Bevölkerung gewährleistet und gleichzeitig auch die Bewohner und Bewohnerinnen der Unterkunft schützt“, sagte Bettina Brennenstuhl.

Ausschließlich mit eigenen Kräften hätte man - so erklärte Jenny Golombek - diese Maßnahme nicht in dieser Form umsetzen können.

Immer wieder fahren städtische Fahrzeuge auf dem Kreisel vor der Flüchtlingsunterkunft in Geisecke vor.

Immer wieder fahren städtische Fahrzeuge auf dem Kreisel vor der Flüchtlingsunterkunft in Geisecke vor. © Reinhard Schmitz

Eine groß angelegte Desinfektion des Gebäudes durch Fachleute in Schutzkleidung ist derzeit nicht vorgesehen. „Die Bewohner sind mit Hand- und Flächendesinfektionsmitteln ausgestattet worden“, berichtet Sprecher Ingo Rous: „Ansonsten gelten die üblichen Regeln wie Abstand halten und Mundschutz.“

Ehrenamtliche erledigen die Einkäufe für die Bewohner

Auch wenn die Menschen die Flüchtlingsunterkunft jetzt nicht verlassen dürfen, ist ihre Versorgung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen sichergestellt. „Ehrenamtliche werden in der Zeit der Quarantäne die Einkäufe erledigen und haben mit dieser Aufgabe bereits begonnen“, erklärt Ingo Rous.

Zur Erfüllung individueller Bedürfnisse steht außerdem eine Vertrauensperson des Sozialamtes für die Bewohner bereit.

Vier Bewohner der Unterkunft waren positiv getestet worden

„Mit diesen Maßnahmen werden wir unserer Verantwortung gerecht“, sagte Bettina Brennenstuhl, nachdem vier Bewohner der Unterkunft in dieser Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Insgesamt hatte das Kreisgesundheitsamt 20 Personen untersucht und später mündlich die Quarantäne angeordnet, für deren Kontrolle die Stadt zuständig ist.

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