Christopher Wartenberg über den Wandel im Ehrenamt und wie er Engagement unterstützen will

dzInterview

Christopher Wartenberg koordiniert seit dem 1. April im Rathaus die neue Ehrenamtsstelle der Stadt. Sein Auftrag: Das Ehrenamt fördern und unterstützen. Wie - das erklärt er im Interview.

Schwerte

, 15.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Herr Wartenberg, die neue Stelle scheint auf Sie zugeschnitten...

Absolut. Vorweg: Für mich als Geisteswissenschaftler ist eine unbefristete Stelle im öffentlichen Dienst ein Sechser im Lotto. Aber tatsächlich lief mein Werdegang schnurstracks darauf zu. Meine Magisterarbeit habe ich über die Strukturen und soziale Funktion des Schwerter Schichtwesens geschrieben. Der damalige Oberschichtmeister Ernst Kunert nahm mich für die Recherche an die Hand und stellte mich überall vor. So rutschte ich ins Oberschicht hinein, war dann vier Jahre Oberschichtmeister. Ich absolvierte ein Praktikum im Stadtarchiv und fand mich als Öffentlichkeitsbeauftragter des Fördervereins des Ruhrtalmuseums wieder. Dort organisierte ich dann fünf Jahre die Vortragsreihe „Montags im Museum“. Dann sah mich Uwe Fuhrmann und fand, der Typ sieht aus wie Hofrat Bährens. Und so wurde ich ehrenamtlicher Stadtführer. Ich war auch Mitglied der Entwicklungsgruppe Bürgerkommune, des Arbeitskreises Engagierte Stadt und der Initiative für Kultur, Bildung und Bürgerschaftliches Engagement...


...das klingt, als wären Sie in viele Ämter so reingerutscht.
Ich kann tatsächlich schlecht Nein sagen. Ich sage meist: Das ist eine schöne Aufgabe, die ich gerne übernehme. Das ist dann aber auch ehrlich so gemeint. Ich habe nie ein Ehrenamt übernommen, an dem ich keinen Spaß gehabt hätte.

Am 20. Mai wurden Sie den Ehrenamtlichen und Engagierten der Stadt in Ihrem neuen Amt vorgestellt. Die Resonanz war groß ...

Ja, und durchweg positiv. Es waren 35 Stühle aufgestellt, 75 Menschen waren gekommen. Viele bekannte Gesichter. Es gab viele konkrete Fragen zu meiner Stelle und wie ich unterstützen kann.

Woran fehlt es den Ehrenamtlern in Schwerte denn?

Bürokratie stört sie. Sie wünschen sich Erleichterung bei der Beantragung von Förderungen oder Genehmigungen. Und sie möchten, dass ihr Ehrenamt sichtbar gemacht wird, weil der Nachwuchs fehlt - egal ob im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich.


Warum ist das so? Sind die Menschen von heute weniger engagiert?

Nein, es gibt Studien, die belegen, dass die Quote des Engagierens gleich geblieben ist. Aber früher war das traditionelle Engagement eben der Posten im Verein. Heute möchten die Menschen sich eher frei, ohne Bindung an einen Verein und vor allem zeitlich befristet einbringen.

Und wie kommen Sie da als Koordinierungsstelle Ehrenamt ins Spiel? Es gibt ja auch bereits das Freiwilligenzentrum „Die Börse“, dessen 2. Vorsitzender Sie auch bis April 2018 waren.

Die Börse und die Koordinierungsstelle Ehrenamt ergänzen sich. Wer sich engagieren möchte, aber noch nicht weiß, wofür, geht zur Börse. Die vermittelt ihn dann an einen Verein oder eine Initiative. Wer bereits eine Idee hat, die er umsetzen

Kontakt

So erreichen Sie Christopher Wartenberg

E-Mail: Christopher.Wartenberg@stadt-schwerte.de Tel. 02304 / 104-267
möchte, kommt zu mir. Das kann ein Verein, eine Gruppe oder auch eine Einzelperson sein. Ich bin die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Engagement, ebne dem Ehrenamt den Weg. Ich weiß, wo es Räume gibt, wie man Info-Flyer erstellt oder an Fördertöpfe kommt. Und kann entsprechend beraten und unterstützen. Dabei mische ich mich aber nicht ungefragt ins Vereinsgeschehen. Aber meine Dienstleistung kann kostenlos von den Vereinen abgerufen werden.

Die ersten acht Wochen in ihrem Job liegen hinter Ihnen. Wie sind die gelaufen und was ist das erste große Projekt auf Ihrem Schreibtisch?

Zunächst ging es jetzt darum, die neue Stelle überall in der Stadt bekannt zu machen. Das nächste große Projekt ist die Einführung der Ehrenamtskarte als fünfte Kommune im Kreis Unna, die vom Rat 2018 beschlossen worden ist. Mit ihr erhalten Ehrenamtliche in ganz Nordrhein-Westfalen in teilnehmenden Städten Vergünstigungen, wie ermäßigte Theatereintritte oder Rabatte in Geschäften. Meine Aufgabe ist es nun, teilnehmende Institutionen und Geschäfte hierfür zu gewinnen. Das Ehrenamt zu fördern ist für sie ja auch eine Form von Imagekampagne und Werbung.

Das Ehrenamt soll also aufgewertet werden?

Ja, das ist ein wichtiges Anliegen von Bürgermeister Dimitrios Axourgos. Auch möchten wir den Engagementnachweis im Ehrenamt wiederbeleben. Die Stadt kann ihn den Ehrenamtlichen ausstellen, die nicht bei einem Trägerverein engagiert sind, der berechtigt ist, ihn auszustellen. Das ist für Berufseinsteiger oder die Bewerbungsmappe interessant. Außerdem planen Anke Skupin vom Bereich der Bürgerbeteiligung der Stadt und ich die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Bürgerbeteiligung und -engagement, um uns noch enger zu vernetzen.

Klingt, als hätten Sie keine lange Einarbeitung gebraucht.

Ich hatte ja quasi neun Jahre Einarbeitung. Ich weiß, wer wo was macht. Hätte es diese Stelle nicht in Schwerte gegeben, hätte ich mich in einer anderen Kommune beworben. Aber das wäre eben nicht so schön wie in Schwerte. Schwerte hat dorfähnliche Strukturen, man kennt zwar nicht jeden, aber man hat zumeist gemeinsame Bekannte. Schwerte bedeutet für mich Vertrautheit.

Die Ehrenamtskarte

Was sie ist und wer sie erhält

Mit der landesweit gültigen Ehrenamtskarte will das Land NRW bürgerschaftliches Engagement würdigen. Städte, Kreise und Gemeinden des Landes haben eine landesweit gültige Ehrenamtskarte eingeführt. Mit der Ehrenamtskarte können Angebote in verschiedenen Landes- und kommunalen Einrichtungen vergünstigt wahrgenommen werden, sie gilt aber auch für Angebote von Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Sport. Voraussetzung ist ein ehrenamtliches oder bürgerschaftliches Engagement von durchschnittlich wenigstens fünf Stunden pro Woche bzw. 250 Stunden im Jahr, zum Beispiel in einem Verein, in einer sozialen Einrichtung oder freien Vereinigung.
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