Bodenpreise für Schwerter Äcker im Steigflug

Landwirtschaftliche Flächen

Gewerbe- und Wohngebiete verdrängen die Bauern. Wiesen und Äcker werden zum knappen Gut. Das schlägt sich auf die Bodenpreise nieder. Um mehr als 40 Prozent teurer geworden sind seit 2010 die landwirtschaftlichen Flächen im Südkreis Unna, zu dem Schwerte zählt.

SCHWERTE

, 17.10.2016, 19:49 Uhr / Lesedauer: 1 min

Aktuell kostet der Quadratmeter 3,70 Euro, wie Martin Oschinski, Geschäftsführer des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Unna, mitteilt. Damit liegt Schwerte noch auf der günstigen Seite des Kreises. Denn je mehr er ans Münsterland heranrückt, umso teurer wird der Boden. In Selm und Werne müssen Bauern schon 5,90 Euro hinlegen.

Großer Flächenbedarf für viehhaltende Betriebe

Das liegt nicht daran, dass die Böden im Münsterland ertragreicher wären als im Ruhrtal in Schwerte. Vielmehr spiegelt sich darin – so Dr. Harald Lopotz von der Landwirtschaftskammer Unna – die Nähe zum Münsterland, dessen viehhaltende Betriebe großen Flächenbedarf haben.

Laut Baugesetz dürfe ein Landwirt seinen Betrieb nur dann vergrößern, wenn er die nötige Futtergrundlage nachweise – es also auf eigenem Land erzeugt.

Ausgleichsflächen ebenfalls auf Bauernland

„Fläche ist ein knapper Faktor für Betriebe“, erklärt der Kreisgeschäftsführer. Zumal in NRW täglich 15 bis 18 Hektar durch Bebauung verloren gingen. Und das oft doppelt, da die geforderten Ausgleichsflächen für den Umweltschutz ebenfalls auf Bauernland entstehen. 

Ob in Zeiten niedriger Zinsen Finanzinvestoren ihr Geld in Äckern anlegen, kann Dr. Lopotz nicht sagen. Die Verzinsung wäre aber gering. Über den Daumen gerechnet ist mit Verpachtung jährlich nur ein Prozent des Kaufpreises zu erzielen. Zudem schiebt das Grundstücks-Verkehrs-Gesetz manchen Nicht-Landwirten einen Riegel vor. Die Landwirtschaftskammer kann Verkäufe an sie versagen, wenn ein Landwirt auf die Fläche angewiesen ist.

Pachtpreis lässt Betriebsgewinn sinken 

„Ziel ist es, landwirtschaftliche Flächen in landwirtschaftlichen Betrieben zu halten“, so Dr. Lopotz. Die haben mittlerweile schon bis zum 70 Prozent ihrer Flächen zugepachtet, während sich früher Eigentum und Pachtland die Waage hielten. „Das ist kein Markt, wo Handel herrscht“, verdeutlicht Oschinski. Im Südkreis seien in den vergangenen drei Jahren lediglich 22 Flächen verkauft worden.

„Mit steigenden Pachtpreisen sinkt der Betriebsgewinn“, sagt Bernd Schulte, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Die anziehenden Grundstückspreise sieht er deshalb als „bedrückend bis bedrohlich“ an. 

Die Bodenrichtwerte für Landschaftliche Flächen ermittelt der Gutachterausschuss beim Kreis Unna. Nur Unna (und Lünen) haben eigene Ausschüsse.
Zugrunde liegen die Preise aus Kaufverträgen.
Wegen der geringen Zahl an Verkäufen wird jeweils der Durchschnittswert der vergangenen drei Jahre ermittelt.
Aus demselben Grund werden im Kreis mehrere Bereiche zusammengefasst, so dass es keine gesonderten Zahlen für Schwerte gibt.
Erfasst werden nur private Verkäufe von mehr als 2500 Quadratmetern.

 

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