Bierhof in Ergste bekommt seine eigene Briefmarke

Zum 700. Geburtstag

Der Name führt in die Irre, denn ein leckeres Pils wurde hinter den prächtigen Fachwerkwänden nie gebraut. „Der Bierhof hat seinen Namen von den früheren Besitzern“, berichtet der heutige Eigentümer des Ergster Hofes, Friedrich-Wilhelm Vogt. Er hat viel aus der Geschichte des Gebäudes recherchiert, das im nächsten Jahr 700 Jahre alt wird.

ERGSTE

, 01.12.2016, 05:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bierhof in Ergste bekommt seine eigene Briefmarke

Mit Schneehäubchen präsentiert sich der Bierhof in einem Winter der 1940er-Jahre.

Im Jahre 1317, am Tag nach Maria Himmelfahrt (15. August), wurde das Anwesen in einer Urkunde erstmals erwähnt. „Man rechnet ihn zu den ersten fünf Höfen, die es hier gab“, weiß Vogt. Bekannt ist auch, dass dort im Jahre 1610 eine Witwe Beerhof lebte. Deren Tochter Elske Bierhoff, die am 14. Januar 1667 starb, wandelte den Namen in die heutige Schreibweise.

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Der Ergster Bierhof bekommt eigene Briefmarke

Im Jahre 1317, am Tag nach Maria Himmelfahrt (15. August), wurde der Ergster Bierhof in einer Urkunde erstmals erwähnt. Anlässlich des 700. Jubiläums soll er auf einer Briefmarke verewigt werden.
30.11.2016
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Zur 700-Jahr-Feier des Bierhofs hat die Initiative "Ergste und wir" Sonderbriefmarken drucken lassen. Das Motiv zeichnete im Zweiten Weltkrieg ein verschleppter junger Russe als Dankeschön für die damaligen Bewohner, die ihm heimlich Lebensmittel zugesteckt hatten.© Foto: Reinhard Schmitz
Nach mehreren Bränden erhielt der Bierhof zu Anfang des 18. Jahrhunderts seine heutige Gestalt.© Foto: Reinhard Schmitz
Zur 700-Jahr-Feier des Bierhofs hat die Initiative "Ergste und wir" Sonderbriefmarken drucken lassen. Das Motiv zeichnete im Zweiten Weltkrieg ein verschleppter junger Russe als Dankeschön für die damaligen Bewohner, die ihm heimlich Lebensmittel zugesteckt hatten.© Foto: Reinhard Schmitz
Zu den ersten fünf Ergster Höfen gehörte der Bierhof an der Bierstraße, der im nächsten Jahr 700 Jahre alt wird.© Foto: Reinhard Schmitz
Nachträglich zur 900-Jahr-Feier Ergstes hat die Initiative "Ergste und wir" auch eine Sonderbriefmarke drucken lassen, die ihr Dorf um 1900 zeigt. Das Motiv stammt von dem Maler Günter Beil.© Foto: Reinhard Schmitz
Nachträglich zur 900-Jahr-Feier Ergstes hat die Initiative "Ergste und wir" auch eine Sonderbriefmarke drucken lassen, die ihr Dorf um 1900 zeigt. Das Motiv stammt von dem Maler Günter Beil.© Foto: Reinhard Schmitz
Als Ergste 1996 sein 900-jähriges Bestehen feierte, gab es keine Sonderbriefmarke zum Aufkleben, sondern aufgedruckt auf einem Umschlag.© Foto: Reinhard Schmitz
Mit Schneehäubchen präsentiert sich der Bierhof in einem Winter der 1940er-Jahre.© Foto: Reinhard Schmitz
In Alleinlage, umgeben von Wiesen und Feldern, präsentierte sich der Bierhof noch Anfang der 1980er-Jahre, bevor die Neubaugebiete immer näher heranrückten.© Foto: Reinhard Schmitz
Sechs Wohnungen befinden sich heute im historischen Bierhof an der Bierstraße. Zu einer weiteren mit 44 Quadratmeter wurde Anfang der 90er-Jahre das angrenzende Backhaus umgebaut.© Foto: Reinhard Schmitz
© Foto: Reinhard Schmitz
Zu Wohnungen umgebaut sind der historische Bierhof und das angrenzende Backhaus.© Foto: Reinhard Schmitz
"Frieden, Freiheit und Brot wachsen auf einem Halm" ist in einen Fachwerkbalken des Bierhofs eingraviert.© Foto: Reinhard Schmitz
Schlagworte Schwerte

Bis 1897 blieben das Gehöft und seine Ländereien im Familienbesitz. Dann kam der Besitz unter den Hammer. Den Zuschlag bei der Zwangsversteigerung habe ein Krämer Liesenhoff erhalten, erzählt Vogt. Nach dessen Tod sei das Anwesen 1919 an den Schnapsbrenner Hidding verkauft worden, der in den 1930er-Jahren die Scheune und eine kleinen Schmiedkotten abreißen ließ. Gleichzeitig wurde das Haupthaus umgebaut. Aus der großen Küche entstanden Schlafkammern.

Hof wechselte oft seine Besitzer

Einmal in Fahrt gekommen, drehte sich das Besitzer-Karussell immer schneller. Erst ging der Bierhof an einen Ergster Landwirt, dann in den Privatbesitz eines in Schwerte tätigen Großinvestors. Von dem hat es schließlich im Jahre 1985 Vogt übernommen. „Mein Ziel war es, auch den Eiskeller und den Brunnen zu erhalten“, berichtet er. Bis 1990 dauerte die Renovierung, bei der sechs Wohnungen im Hofgebäude entstanden. Anschließend wurde auch das benachbarte Backhaus zu Wohnraum.

Marken sind unverkäuflich
Die 70-Cent-Sonderbriefmarke hat „Ergste und wir“ bei der Deutschen Post drucken lassen. Verkauft werden kann sie nicht, weil die Herstellung in Kleinauflage wesentlich teurer ist als der Nennwert. Ins Angebot zurück kehrt dagegen als Neuauflage das Ergste-Buch des verstorbenen Heimatforschers Friedhelm Mann. Es soll heute vorgestellt werden.

 

 

 

 

Briefmarke zeigt Zeichnung aus dem zweiten Weltkrieg

Gleichzeitig fanden sich als lose Gruppierung die „Freunde des Bierhofs“ zusammen, aus denen sich die Initiative „Ergste und wir“ entwickelte. Seit rund 25 Jahren – so erklärt Vogt – werden auf diese Weise Spenden gesammelt, die Projekten im Ortsteil zugute kommen. Legendär sind auch die bis vor vier Jahren regelmäßigen Kartoffelfeste auf dem Bierhof.

Zum 700. Geburtstag schickt „Ergste und wir“ den Bierhof auf einer Sonderbriefmarke in alle Welt. Als Motiv diente eine Zeichnung, mit der sich ein russischer Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg bei den Bewohnern für Butterbrote und andere Zeichen der Menschlichkeit bedankte. Auch das gehört zur Geschichte des Hofes.

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