Besuche in Seniorenheimen sind erlaubt, allerdings unter strengen Auflagen. Wie ist es in Schwerte geregelt und wird es wegen steigender Corona-Zahlen neue Beschränkungen geben?

Schwerte

, 01.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir sind froh, dass wir ein Konzept haben, das wir abarbeiten können", sagt Welf-Alexander Wemmer, Leiter des sozialen Dienstes im Pflegeheim Haus Schwerte Dr. Kneip. Angehörige oder Freunde, die Bewohner des Pflegeheims besuchen wollen, müssen sich vorher telefonisch beim sozialen Dienst anmelden und eine Zeit ausmachen. „Dabei achten wir darauf, dass wir die Tage nicht zu voll packen, um das Ganze zu entzerren", so Wemmer.

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Am Anfang der Corona-Pandemie sah das noch ganz anders aus. Lange gab es in Seniorenheimen ein Besuchsverbot, weil die Bewohner zur Hochrisikogruppe gehören. Damit ist seit dem Sommer Schluss, allerdings haben die Heime strenge Auflagen für ihre Besucher.

Nur mit Schutzkittel und FFP-2 Maske zu den Bewohnern

Wer zum Beispiel einen Bewohner des Hauses Schwerte besuchen möchte, der muss sich zunächst einem Kurzscreening unterziehen. „Da wird Fieber gemessen, die Personalien abgefragt, gefragt ob man zum Beispiel Husten oder Halsschmerzen hat, ob man in einem Corona-Risikogebiet war oder Kontakt mit einer an Corona erkrankten Person hatte und so weiter", erklärt Wemmer.

Wenn das alles in Ordnung ist, werden die Besucher mit Schutzkleidung ausgestattet. „Die Besucher bekommen einen Schutzkittel, eine FFP2-Maske, müssen sich die Hände desinfizieren und bekommen Handschuhe."

Auf den Bewohnerzimmern sei die Besucherzahl auf zwei begrenzt. Treffe man sich draußen, seien vier Besucher erlaubt. „Wir verweisen mittlerweile aber auch wieder häufiger auf unseren Besucherraum“, so Wemmer angesichts des anstehenden Winters. Dies ist ein Raum im Haus Schwerte, in dem die Bewohner hygienisch durch eine Plexiglaswand von den Besuchern getrennt sind.

Umarmungen nur mit Schutzkleidung auf beiden Seiten

Ein Bewohner im Haus Schwerte darf zweimal täglich Besuch empfangen. Umarmungen kann es aber nur geben, wenn nicht nur der Besucher sondern auch der Bewohner Schutzkleidung trägt, erklärt der Leiter des Sozialen Dienstes im Haus Schwerte. „Einige sagen, dass sie das gar nicht wollen, dann bleiben sie lieber auf Abstand", so Wemmer.

Das Johannes-Mergenthaler-Haus an der Liethstraße ist ein Seniorenheim der Diakonie Mark-Ruhr.

Das Johannes-Mergenthaler-Haus an der Liethstraße ist ein Seniorenheim der Diakonie Mark-Ruhr. © Reinhard Schmitz

Man sei sehr froh über das Konzept, sagt Wemmer. „Bis jetzt läuft es ganz gut und wir hoffen, dass das so bleibt." Wie dann die von Bund und Ländern versprochenen Testungen für Mitarbeiter, Bewohner und Besucher in den Ablauf eingebunden würden, bleibe abzuwarten, so Wemmer. Dann müsste wahrscheinlich auch wieder ein neues Konzept ausgearbeitet werden. Aber bis das so weit sei, bleibe erstmal alles so wie es ist.

Keine Änderungen im Klara-Röhrscheidt-Haus und Johannes-Mergenthaler-Haus

Ebenfalls keine Änderungen in der Besuchsregelung brauchen die Bewohner und ihre Angehörigen im Klara-Röhrscheidt-Haus an der Ostberger Straße und im Johannes-Mergenthaler-Haus an der Liethstraße aktuell zu befürchten. „Die soziale Teilhabe für unsere Bewohner ist uns sehr wichtig“, sagt Fabian Tigges, Sprecher des Trägers Diakonie Mark-Ruhr (Hagen): „Es läuft so weiter wie bisher.“

Denn es seien ja ohnehin schon immer besondere Schutzmaßnahmen gewahrt worden. Beispielsweise müssen sich Besucher in Listen eintragen, ihre Hände desinfizieren und eine Coronamaske aufsetzen. Auch hier wird am Eingang ihre Körpertemperatur gemessen, bevor sie dann vom Personal zu dem gewünschten Bewohner aufs Zimmer begleitet werden. „Solange wie es möglich ist“ - so der Sprecher weiter - wolle man an diesen Regelungen festhalten.

Besuchskonzept nach Vorgaben des RKI

„Die aktuelle Situation stellt einen schwierigen Balanceakt dar. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass unsere Bewohner für ihr Wohlbefinden soziale Kontakte zu Angehörigen und Freunden pflegen können; auf der anderen Seite steht der Schutz der Bewohner, die zur Hochrisikogruppe zählen, für Alloheim an oberster Stelle", schreibt eine Sprecherin der Alloheim Senioren-Residenzen SE, Träger des Hauses am Stadtpark.

Das Klara-Röhrscheidt-Haus an der Ostberger Straße wird von der Diakonie Mark-Ruhr betrieben.

Das Klara-Röhrscheidt-Haus an der Ostberger Straße wird von der Diakonie Mark-Ruhr betrieben. © Reinhard Schmitz

Auch hier sind Besuche im Rahmen eines strengen Hygienekonzeptes erlaubt. Dazu gehört ebenfalls ein Kurzscreening und eine Registrierung am Empfang, wo auch Fieber gemessen wird. „Sie erhalten von uns einen Mund-Nasen-Schutz. Alle Besucher erhalten Informationen zu Desinfektionsmaßnahmen und Hygienevorgaben, an die sie sich während des gesamten Besuches halten müssen", so die Sprecherin.

„Unser Besuchskonzept entspricht den Vorgaben und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Landes NRW." Man passe die Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen tagesaktuell an die Rahmenbedingungen an.

Soziales Leben erhalten

Auch im Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum der AWO setzt man alles daran, dass soziale Leben der Bewohner so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. „Unsere aktuellen Maßnahmen sehen vor, dass für Angehörige 2 Besuche von 2 Personen von mindestens 1 Stunde pro Tag möglich sind", teilt der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen auf Anfrage mit. "Die Besucher werden registriert, ihre Temperatur wird gemessen und natürlich besteht Maskenpflicht und auch die Hände müssen desinfiziert werden."

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Dazu kommt die sogenannte Kohortenbildung im AWO-Pflegeheim. „Bewohner verbringen dabei Alltag und Freizeit in festen Gruppen in den Wohnbereichen und werden, soweit dies möglich ist, von einem festen Stamm von Beschäftigten betreut. Soziales Leben bleibt so erhalten, gleichzeitig wird die Anzahl möglicher infizierender Kontakte sinnvoll begrenzt."

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