Bestattungen Lategahn: 24-jähriger Schwerter tritt das Erbe seines Ur-Ur-Großvaters an

dzWirtschaft in Schwerte

Viele Handwerksbetriebe haben große Probleme, den Generationenwechsel in der Leitung zu schaffen. Bei einem Unternehmen in Schwerte ist das ganz anders. Da klappt das schon zum fünften Mal.

Schwerte

, 12.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Schritt und Tritt ein Leben mit dem Tod. Ist das was für mich? Diese Frage hat sich Alexander Lategahn immer wieder gestellt, als er seine berufliche Orientierung suchte. Sein Familienname steht für Bestattungen. Seit 126 Jahren.

Zunächst in Hörde, seit 1947 auch in Schwerte. Und so wird es bleiben. Denn der 24-Jährige wird die Tradition fortsetzen. Anfang Februar ist er in das Unternehmen an der Rathausstraße 14a eingetreten.

Sorgen über den Generationenwechsel, wie sie viele andere Handwerksbetriebe plagen, brauchten sich seine Eltern Alexander (72) und Susanne Lategahn (67) nicht zu machen.

Die fünfte Generation ist jetzt im Familienbetrieb tätig

„Mein Junior ist die fünfte Generation in unserem Hause“, sagt der Seniorchef nicht ohne berechtigten Stolz. Und seine Ehefrau fügt mit einem Seitenblick zum Sohn hinzu: „Wir haben dich nie gedrängt.“ Das war auch nicht nötig. Schon als 16-Jähriger half Alexander Lategahn in den Ferien im Betrieb mit. Später, als er Wirtschaft, Psychologie, Betriebswirtschaft (BWL) und Marketing studierte, arbeitete er dort während der Semesterferien als studentische Hilfskraft.

Dabei stellte er fest: „Es gibt viele Bereiche, die mich ansprechen und wo ich mich wohlfühle mit meiner Art.“ Einfühlsam sein, den richtigen Ton zu treffen, das ist für ihn ein Teil der Trauerbegleitung.

Alexander Lategahn (M.) unterstützt jetzt seine Eltern Susanne und Bernd Lategahn in dem traditionsreichen Bestattungshaus an der Rathausstraße 14a.

Alexander Lategahn (M.) unterstützt jetzt seine Eltern Susanne und Bernd Lategahn in dem traditionsreichen Bestattungshaus an der Rathausstraße 14a. © Reinhard Schmitz

„Ich habe die Vision, die Leute noch mehr aufzufangen“, sagt Alexander Lategahn. Er füllt eine Lücke in Zeiten, wo es immer weniger Priester gibt, die diese Aufgabe bei den Angehörigen übernehmen.

In ihrer schweren Stunde muss es dem Bestatter gelingen, nicht nur alle technischen Fragen zu klären, sondern sich auch ein gutes Bild von der fremden verstorbenen Person zu machen, um die Trauerrede vorzubereiten. „Egal, wer kommt und wie lange es dauert - immer freundlich und engagiert“, ist seine Maßgabe: „Wir wollen jeden Wunsch erfüllen.“

Exhumierung in Ägypten wurde anderthalb Jahre vorbereitet

Rund um die Uhr sind die zwölf Mitarbeiter des Bestattungshauses im Falle des Falles für ihre Kunden da. Im wochenweisen Wechsel legen sie sich das Bereitschafts-Handy neben das Kopfkissen. „Spätestens nach dem fünften Klingeln sind sie dran“, sagt Alexander Lategahn.

Manchmal ruft auch die Polizei an, wenn sie es mit einer Leiche zu tun hat. Der Beruf ist vielseitig: „Du weißt nie, was dich in zehn Minuten erreicht.“ Mehr als Beisetzungen und Trauerfeiern. Mit eigenem Leichenwagen wurden schon Tote aus Italien, Österreich und der Schweiz zur Beerdigung nach Schwerte geholt.

Sogar aus Australien musste eine Überführung organisiert werden. Und dann gab es noch eine Rücküberführung aus Ägypten. Der Tote war dort schon auf einem Friedhof begraben, musste erst exhumiert werden. Das Verfahren mit den Behörden kostete anderthalb Jahre und füllte etliche Aktenordner.

Module bereiten auf die Meisterprüfung vor

Die Erfahrungen aus dem Betrieb und sein BWL-Studium erlauben es Alexander Lategahn, die Bestatter-Lehre zu überspringen und sofort berufsbegleitend die Meister-Module seines Bundesverbandes zu belegen.

Die Meisterprüfung, zu der auch die Ausbilder-Eignung gehört, will er in anderthalb bis zwei Jahren in Düsseldorf ablegen. Im Büro hat der 24-Jährige erst einmal die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Marketing übernommen. Gleichzeitig versucht er, Schritt für Schritt ins Betriebswirtschaftliche einzusteigen: „Das wird ein Großteil meiner Aufgaben.“

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Seine Eltern sind ja auch noch da. „Wir bleiben erstmal im Betrieb“, sagen sie. Bestimmt noch drei bis vier Jahre: „Fließend werden wir uns dann mal rausmachen.“ Dann wird der Juniorchef irgendwann von seiner Mutter die Trauerbegleitung und die Trauerreden übernehmen, die ihn am Beruf besonders reizen: „Da sehe ich mich auf lange Sicht.“

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