Bekommt die Schwerter Fußgängerzone bald ein neues Café auf zwei Etagen?

dzGastronomie statt Einzelhandel

Noch steht das Ladenlokal an der Hüsingstraße leer. Lange war dort der Herrenausstatter Fischer zu finden, zuletzt ein Brillengeschäft. Jetzt bringt der Vermieter eine neue Option ins Spiel.

Schwerte

, 05.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein neues Café oder Restaurant im Herzen der Fußgängerzone? Gemütlich zusammensitzen ließe sich bestimmt in den Räumen, in denen jahrzehntelang Herrenanzüge und später Brillen über den Tisch gingen.

Für den Hausbesitzer, die Immobiliengruppe Zumwinkel (Moers), ist diese Idee jedenfalls eine Option und Alternative zur Einzelhandelsnutzung in dem leerstehenden Ladenlokal Hüsingstraße 6. „Ich kann mir dort auch gut Gastronomie vorstellen“, sagt Marie Hinz, die das Objekt betreut.

Zumal dort sogar zwei Ebenen von je 140 Quadratmetern zur Verfügung stehen, von denen man das Treiben in der Einkaufsmeile im Blick hat. Aus anderen Städten kennt Marie Hinz in solchen Lagen individuell eingerichtete Cafés, die gut laufen.

Jahrzehntelang Stammhaus des Herrenausstatters Fischer

Einer, der die Räume am besten kennt, ist der Schwerter Nachtwächter Ferdinand Ziese. Er war viele Jahre stellvertretender Verkaufsleiter im Herrenhaus Fischer, dessen Schriftzug immer noch oben an einer Giebelwand zu finden ist. Hinter den derzeit leeren Schaufenstern lockten damals teure Anzüge, Fuchsmäntel und Hirschlederjacken.

Unter dem Titel „Fischer-Weltklasse“ wollte das Unternehmen hochwertige Bekleidung für den Mann von Welt bieten - von der Socke bis zum Hut und dem „Strunztuch“, dem Einstecktuch für die Brusttasche.

Bekommt die Schwerter Fußgängerzone bald ein neues Café auf zwei Etagen?

So präsentierte sich das Herrenhaus Fischer nach einem Umbau im Oktober 1970 - noch mit Schwenktür am Eingang. © E.A. Schmidt

Das Herrenhaus in der Hüsingstraße war die Keimzelle für eine Kette, die auch am Westenhellweg in Dortmund und in Iserlohn zu finden war. 1937 hatten die Brüder Leonard und Bernhard Fischer in Schwerte ihr Fachgeschäft für Herrenkleidung eröffnet.

Zum Flaggschiff wurde zwar später die Dortmunder Filiale, aber auch das Schwerter Stammhaus wurde stetig modernisiert. Das Objekt brachte großstädtisches Flair in die Ruhrstadt - samt automatischer Eingangstür, die von der Schwerter Zeitung 1970 als „Miniatur-Dortmund“ bejubelte wurde.

Immobilienmakler vor Ort eingeschaltet

Dass Fischer sich gegen den aufkommenden Trend zur Jeans wehrte, bezeichnet Ferdinand Ziese als Gerücht. Man habe alle großen Marken im Angebot gehabt, dank betuchter Stammkunden aus dem Dortmunder Süden gute Umsätze erzielt.

Trotzdem musste die Geschäftsführung Anfang 2002 die Insolvenz beantragen, weil Herrenausstattern der Wind ins Gesicht wehte. Der Laden in Schwerte wurde verkauft. Zuletzt war dort die Filiale von Apollo-Optik zu finden, die im Juni ins Nachbarhaus umzog. Mit der Neuvermietung hat Marie Hinz jetzt den Schwerter Makler Dieckmann Immobilien beauftragt. Denn Unternehmen vor Ort hätten oft vorgemerkte Suchkunden in ihrer Kartei. Jetzt können die Interessenten ja auch aus der Gastronomie kommen.

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Fußgängerzone Schwerte
„In der Innenstadt ist es schwierig“ – Blumen Risse schließt Laden in der Fußgängerzone