Michael Jüttendonk (Klavier) und Zelotes E. Toliver präsentierten Spirituals in der ausverkauften Rohrmeisterei. © Konzertgesellschaft
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Bei Spirituals sprang der Funke schnell über – Zelotes Toliver in der Rohrmeisterei

In Schwerte ist Zelotes Toliver wegen seine dynamischen Bassstimme ein gern gesehener Gast bei Konzerten. Nun war er als Solist in der Rohrmeisterei zu hören. So war das Konzert.

In der ausverkauften Halle III. der Schwerter Rohrmeisterei (wegen Corona auf nur 125 Besucher begrenzt) hatte die Konzertgesellschaft Schwerte zu einem Konzert mit afro-amerika­nischen Spirituals eingeladen.

Der Bass Zelotes E. Toliver, sonst auf den Opernbühnen Europas und der USA zu Hause, hatte zusammen mit seinem Klavierpartner Michael Jüttendonk ein Programm zusammengestellt, das neben ganz bekannten Stücken wie „Joshua Fit De Battle of Jericho“ oder „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ auch viele bei uns weniger bekannte Stücke umfasste.

Musikalisches Feuer sprang über

Auch wenn für das Duo Toliver/Jüttendonk das Konzert nach langer Corona-Unterbrechung erst wieder ein „Neuanfang“ war, so spürte das Publikum sofort, dass Sänger und Pianist schnell wieder eine musikalische Einheit mit blindem musikalischen Verstehen in Rhythmus, Dynamik, Modulation und Ausdruck bildeten.

Das musikalische Feuer der Stücke aus der Geschichte afrikanischer Sklaven in den USA sprang wie selbstverständlich über ins Publikum und man sah selbst viele ältere Konzertbesucher, die bei dieser Musik nicht länger still sitzen konnten.

Sänger stammt aus den USA

Natürlich ist das große positive Echo auf das Konzert vor allem der musikalischen Klasse von Zelotes Toliver geschuldet, dessen mächtige Bassstimme nicht nur die große Halle III. der Rohrmeisterei füllen konnte: Er hätte wohl auch die besungenen „Mauern von Jericho“ ins Wanken gebracht.

Nicht weniger überzeugend auch seine stimmliche Gestaltung in den sensiblen, leisen Passagen. Toliver, selbst gebürtiger Amerikaner aus New York und mit persönlicher Geschichte einer ehemaligen Sklavenfamilie, gelang es immer wieder, dem Publikum überzeugend die tiefe Verzweiflung und zugleich religiöse Hoffnungsfreude zu vermitteln, die allen Spirituals innewohnt.

Mahnmal für Rassismus

Die Geschichte der Spirituals, die vor etwa 250 Jahren in den Südstaaten der USA ihren Anfang genommen und in den 1830er-Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte, ist natürlich nicht allein die Geschichte der amerikanischen Sklaverei.

Vielmehr ist diese Musik zugleich ein permanentes Mahnmal für schlimmsten Rassismus, den wir bis heute fast überall auf der Welt beobachten können – und leider auch immer wieder bei uns in Deutschland.

So war das Konzert nicht nur ein besonderer musikalischer Höhepunkt der diesjährigen Sommerkonzerte der Konzertgesellschaft Schwerte. Bestimmt wurde dieses Konzerterlebnis auch von vielen der begeisterten Zuhörer verstanden als Zeichen gegen jede Form rassistischen Denkens und Handelns in unserer Gesellschaft.

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