Sebastian Rühling (2.v.l.), AfD-Ratsherr, war der Organisator der Veranstaltung, Artur Helios (M.), bundesweit bekannter Querdenker, tauchte als Gast auf. © Heiko Mühlbauer

Bei Mini-Demo auf dem Postplatz taucht Promi aus der Querdenkerszene auf

Eigentlich wollten Schwerter Eltern auf dem Postplatz gegen Corona-Tests protestieren. Doch dann taucht einer der umstrittensten prominenten Querdenker der Republik auf.

Am Ende war die Gruppe der Gegendemonstranten fast größer als die der Demonstranten. Eine Kundgebung von Eltern, die gegen die Corona-Schnelltest-Pflicht für Kinder sind, hatte der AfD-Ratsherr Sebastian Rühling angekündigt.

Um 16 Uhr versammelten sich exakt 15 Teilnehmer der Demonstration auf dem Postplatz. Begleitet von drei Polizisten, Mitarbeitern des Ordnungsamtes und beobachtet von einer kleinen Gruppe von Mitgliedern des Schwerter Bündnis gegen Rechts.

Begründung gab es schriftlich

Keine Querdenker, sondern besorgte Eltern, die ihn angesprochen hätten, hatte Rühling angekündigt. Und die trugen ihre Botschaften auf Plakaten. „Kinder sind keine Testobjekte“. Und: „Eltern sind die Hüter ihrer Kinder“. Warum man gegen die Tests sei? Eine Antwort in die Kamera wollte niemand geben. Nicht den Medien, nicht den Ruhr Nachrichten.

Ein laut Rühling unter den Teilnehmern abgestimmter Zettel vertritt Thesen wie „Die Zahl an ernsthaft erkrankten Kindern ist verschwindend gering“, „Niemand hat das Recht, gesunde Kinder unter Generalverdacht zu stellen“, oder: Die Konsequenzen aus einem (falsch) positiven Test seien für Kinder nur schwer zu bewältigen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung muss dann doch die Polizei einschreiten. Zwei der Demo-Teilnehmer weigerten sich, die angeordnete Maske aufzusetzen. Erst mit dem Vermerk, man habe ein Attest, dann mit der Begründung, die Frau sei schwanger und der Sauerstoffmangel schade dem Kind. Am Ende zogen die beiden dann aber ihre Masken auf, eher symbolisch über den Mund bei freier Nase.

Die Demo „besorgter Eltern
Die Demo „besorgter Eltern” fand auf dem Postplatz statt. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Ein Promi der Querdenkerszene als Gast

Korrekt mit Maske erschien dann aber ein Promi der Szene, der zudem vielen Schwertern nicht unbekannt ist. Artur Helios, einst Fußballer für den VfL-Schwerte, stieg in den vergangenen Monaten zu einem der prominenteren Querdenker auf. Helios ist auf vielen Veranstaltungen als Redner aufgetreten, ihm wird vorgeworfen, zu den Scharfmachern der Szene zu gehören. Gegen ihn wird ermittelt unter anderem in Sachsen. Dort soll er als Redner bei einer Querdenkerdemo in Dresden im Oktober vergangenen Jahres den Hitlergruß gezeigt haben.

Blödsinn sei das, sagt er. Er habe friedlich ins Publikum gewinkt. Die Staatsanwaltschaft in Sachsen ermittelt gegen ihn. Aber von der hält Helios genauso wenig wie von den Medien. Den Öffentlich-Rechtlichen und der schreibenden Zunft, wie er sagt.

„Kenne keinen Corona-Toten“

Und dann feuert er seine Argumente ab, wirft Zahlen schnell in die Runde, Bundesstatistik, die Lage in Südafrika („die kennen ihre Mutation gar nicht“), wie es in Neu Delhi ist und zieht Vergleiche mit Grippewellen. Assistiert wird er von zwei Demo-Teilnehmerinnen, von denen eine ältere Dame deutlich zu verstehen gibt, dass sie keine Angst vor Corona habe.

Und als eine Passantin erklärt, dass ihr Mann gestorben sei, weil es für ihn in der Corona-Zeit keinen Platz im Krankenhaus gab, erklärt Helios kurz: Das liege daran, dass so viele Intensivbetten abgebaut wurden. Auch dafür habe er Zahlen. Als die Frau entgegnet, dass dies im Kreis Unna nicht der Fall sei, entgegnet er knapp, aber anderswo. Immer wieder deutet er auf sein Handy am Selfie-Stick, auf dem alle Beweise drauf wären.

Maskenpflicht und Abstand wurden eingehalten

Auf der anderen Straßenseite stehen einige Gegendemonstranten oder zumindest Gegner der Aktion. Das Bündnis gegen Rechts hatte dazu aufgerufen. Grundsätzlich hielten sich aber sowohl die Demonstranten als auch ihre Gegner an Maskenpflicht und Abstandsgebot. Und weitgehend friedlich blieb es auch.

Für Samstag hat Sebastian Rühling („ich mache das hier nicht als AfD“) eine weitere Demo ab 13 Uhr an gleicher Stelle angekündigt.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer