Bärbel Vockelmann lebt 70 Jahre mit Hunden: Braucht das Rathaus da einen Sachkundeausweis?

dzVorschriften für Tierhalter

Von klein auf ist die Schwerterin mit Hunden vertraut. Vor allem mit Neufundländern kennt sie sich aus. Daggi ist ihr vierter. Bei der Anmeldung des Welpen erlebte sie eine Überraschung.

Schwerte

, 15.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ohne Hund sein - für Bärbel Vockelmann undenkbar. „Wenn man 70 Jahre die Leine in der Hand hat“, sagt die Schwerterin, als müsste sie ihre Tierliebe noch begründen. Auf Händen hebt sie die flauschige Neufundländer-Dame „Daggi“ aus ihrem gelben Bulli. Die 71-Jährige hat Erfahrung mit ihrer Lieblingsrasse. Die erst 15 Wochen alte Hündin ist der vierte Neufundländer in ihrem Leben. Umso verwunderter war sie, als ihr nach der Anmeldung zur Hundesteuer ein Brief aus dem Rathaus ins Haus flatterte: „Da wurde von mir ein Sachkundenachweis gefordert.“ Sollten die 70 Jahre, in denen sie seit Kindesbeinen mit Hunden zu tun hat, da nicht Nachweis genug sein?

Regelung gibt es schon seit Dezember 2002

Waren sie schließlich auch, als Bärbel Volkmann am Dienstagmittag das Rathaus verließ. Alle Aufregung war verpufft. „Der Sachbearbeiter im Ordnungsamt hat großzügig entschieden, dass ich nach so langer Hundehaltung keinen Sachkundenachweis brauche“, berichtete sie erfreut. Es reichte, Impfausweis, Chipnummer und den Nachweis über die Meldung bei der Versicherung vorzulegen - und eine Bearbeitungsgebühr von 25 Euro hinzublättern.

Der Sachkundenachweis für die Haltung von großen oder gefährlichen Hunden ist nichts Neues, wie Stadt-Pressesprecher Ingo Rous berichtete. Nach einer Gesetzesänderung werde er seit Dezember 2002 gefordert. Hunde, deren Rassen als gefährlich eingestuft sind, erhalten den sogenannten großen Nachweis nur beim Kreis-Veterinär. Dagegen kann den kleinen Nachweis für Hunde, die wie Daggi lediglich wegen ihrer Körpergröße unter die Regelung fallen, beispielsweise schon beim Tierarzt ausgestellt werden. Neben der Sachkunde wird die Zuverlässigkeit des Halters sowie Chip und Haftpflichtversicherung für das Tier geprüft.

Daggi soll niemals in ein Heim kommen

Früher hat das Amt gar nicht gemerkt, wenn Bärbel Volkmann sich als Nachfolger für einen gestorbenen Hund ein neues Tier angeschafft hat. „Da habe ich die Hunde einfach durchlaufen lassen“, sagt sie. Die Hundemarke wurde weitergegeben. Die paar Wochen Steuer für die haustierlose Zeit waren egal. Heute lassen Computerdaten das nicht mehr zu. Die zehnjährige Marie wurde deshalb im Bürgerservice im Rathaus abgemeldet, als sie wegen eines Tumors am Auge eingeschläfert und an der Ostsee begraben wurde.

Ihre Halterin überlegte kurz, ob sie noch einmal einen Neufundländer kaufen sollte. Doch dann kam Daggi, die eigentlich „Dance in the Wind von den Steller Buttjern“ heißt. Bärbel Volkmann hat vorgesorgt. Falls sie ihren Hund eines Tages nicht mehr versorgen könnte, würde ihn die Züchterin aus der Nähe von Hannover zurücknehmen. Ins Heim soll er nie.

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