Ein Relikt der großen Überschwemmung: Ein Autoreifen treibt auf das Stauwehr der Ruhr in Westhofen zu. © Reinhard Schmitz
Nach dem Hochwasser

Autoreifen und Bäume in der Ruhr: Wer muss das aus dem Wasser fischen?

Die Folgen des Hochwassers sind in der Ruhr immer noch zu beobachten. In der starken Strömung schwimmt jede Menge Treibgut. Meist müssen die Städte es herausholen – aber in Schwerte nicht.

Mal tanzt ein Autoreifen auf den Wellen. Mal schießt ein hölzerner Zaunpfahl oder ein dicker Ast am Ufer vorbei. Im Minutentakt schwemmt die Ruhr immer noch Treibgut mit, das nach den Überflutungen beim Regentief „Bernd“ vor anderthalb Wochen mitgerissen worden ist.

„Das sieht ja aus wie in Kanada“, berichtete ein Autofahrer noch am Freitag (23.7.) verwundert, nachdem er von der Ruhrbrücke Villigst aus zu dem Fluss heruntergeschaut hatte. Überall schwimme etwas herum. Es seien sogar ganze Baumstämme dabei.

Aus den Talsperren wird Wasser abgelassen: Strömung steigt

Der Autofahrer vermutete, dass die Öffnung von Stauwehren und Talsperren dazu beitrug, dass wieder so viel Unrat von der Ruhr mitgeführt werde. Tatsächlich wurde an der Möhne und anderen Sperrwerken Wasser abgelassen, um Stau-Reserven für mögliche weitere Starkregenereignisse zu schaffen.

Man gebe ein Vierfaches der Menge ab, die den künstlichen Seen zufließe, berichtete die Pressesprecherin des zuständigen Ruhrverbands, Britta Balt. Denn die seien – bis auf die Verse und Ennepe – zu mehr als 90 Prozent gefüllt: „Das ist für die Jahreszeit ein ungewöhnlich hoher Füllstand.“

Mit dem Ablassen schnellte auch die Strömung im Fluss an: Am Wehr in Villigst flossen am Freitag 41,26 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei – der mittlere Durchfluss liegt bei nur 28,0 Kubikmetern pro Sekunde.

Im Minutentakt schwimmt auf der Ruhr bei Westhofen Treibgut heran. Mal Zaunpfähle, mal Äste, manchmal auch Autoreifen. Nur die Wasservögel im Hintergrund freuen sich über die künstlichen Inseln, die auf diese Weise an manchen Ufern angespült werden.
Im Minutentakt schwimmt auf der Ruhr bei Westhofen Treibgut heran. Mal Zaunpfähle, mal Äste, manchmal auch Autoreifen. Nur die Wasservögel im Hintergrund freuen sich über die künstlichen Inseln, die auf diese Weise an manchen Ufern angespült werden. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die kräftigeren Wellen könnten mehr Treibgut mitschwemmen, das sich am Rand des Flusses abgelagert hatte. Teilweise sind dort – wie vor dem Stauwehr in Westhofen zu beobachten – aus Geäst und anderem Grünzeug kleine Inseln entstanden, auf denen sich Wasservögel wohl fühlen. Doch wer ist dafür zuständig, den ganzen Müll wieder aus dem Flussbett herauszufischen?

„Die Ruhr gehört dem Land NRW“, erklärte Britta Balt. Aber die Reinigung sei Sache der jeweiligen „Gewässerunterhaltungspflichtigen“. In der Regel seien das, je nach Gewässerabschnitt, die anliegenden Kommunen.

Die Bezirksregierung muss den Unrat aus der Ruhr herausfischen

Das ist in unserem Ruhrtal allerdings anders. „Die Stadt Schwerte ist es nicht“, wusste Tanja Vock, Pressesprecherin der Wasserwerke Westfalen: „In unserem Bezirk ist die Bezirksregierung Arnsberg zuständig.“

„Das ist tatsächlich so“, bestätigte Ursula Kissel, Sprecherin der Bezirksregierung. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz habe man für einen ordnungsgemäßen Wasserabfluss zu sorgen und die Ruhr als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu entwickeln.

Deshalb werde nicht alles aus dem Fluss entfernt: „Das eine oder andere lässt man drin als Lebensraum.“ Wenn allerdings vom Treibgut eine Gefahr ausgehe, erfordere das eine Beseitigung: „Dann wird geguckt und möglichst schnell reagiert.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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