Fritzi Bimberg-Nolte bei einer Lesung aus ihrem Buch „Dahinten wird es schon wieder hell“ im Opel-Haus in Westhofen. Jetzt starb die Unternehmerin im Alter von 90 Jahren. © Bodo Brauer
Nachruf

Autopionierin und Unternehmerin: Fritzi Bimberg-Nolte ist tot

Als Frau in einer Männerbranche setzte sich Fritzi Bimberg-Nolte in den 50er-Jahren durch. Sie baute das Familienunternehmen aus und arbeitete bis ins hohe Alter. Jetzt starb die Unternehmerin.

Als Fritzi Bimberg Nolte 1951 in das Geschäft ihr Vaters einstieg, da waren Frauen an der Spitze eines Unternehmens eine Seltenheit. An der Spitze einer Firma, die sich mit dem Verkauf und der Reparatur von Autos beschäftigte, war sie aber eine echte Ausnahme. Nach der Lehrzeit bei Opel Dello in Hamburg und ein paar Wochen Studium an der VWL in Freiburg konzentrierte sie sich, damals gerade 20 Jahre alt, auf das Kaufmännische im Betrieb ihres Vaters. Und das in einer Branche, die von Männern beherrscht war.

Als Krankenschwester zum Opel-Kongress

Wie man sich damals als Frau durchsetzen musste, erzählt eine Anekdote aus der Firmengeschichte: Auch als designierte Unternehmensnachfolgerin durfte sie als Frau Anfang der 50er-Jahre nicht an der Opel-Geschäftstagung teilnehmen.

Das wollte Vater Fritz Nolte aber nicht gelten lassen und hat am Eingang zu der Veranstaltung kurzerhand eine Rot-Kreuz-Schwester dazu überredet, mit Fritzi die Kleidung zu tauschen. Danach musste die Krankenschwester draußen warten, während die Unternehmensnachfolgerin in deren Uniform im Eingangsbereich der Tagung folgte.

Noch unter der Betriebsleitung ihre Vaters kümmerte sie sich vier Jahre später um die Expansion nach Schwerte. „Mein Vater sagte, du gehst jetzt jeden Tag zum Landesbauamt, bis wir am Ostentor bauen dürfen“, erzählte sie immer wieder gerne in Interviews. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. 1955 eröffnete Gebrüder Nolte den ersten Betrieb außerhalb von Iserlohn. Am Ostentor in Schwerte entstanden ein Opel-Handel, eine Werkstatt und eine BP-Tankstelle. Ihr Vater, der Autopionier Fritz Nolte, sollte das nicht mehr erleben.

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Bilder aus der Geschichte von Nolte

Er starb mit 61 Jahren unerwartet. Seiner Tochter hinterließ er zwei Autohäuser und seine christlichen Überzeugungen. Die begleiteten auch Fritzi Bimberg-Nolte ihr Leben lang. Nicht umsonst lautete der Titel ihrer 2017 erschienenen Autobiografie „Ein halber Segen reicht für ein ganzes Leben.“

Mit christlicher Überzeugung und christlichen Werten führte sie auch das Unternehmen, immer begleitet von ihrer Familie, denn die war auch wichtig für die junge Unternehmerin. Zunächst stand ihr ihre Schwester, Dr. Martha Nolte, zur Seite, später auch ihr Ehemann, Dr. Peter Bimberg. Und seit 1993 arbeitet auch ihre Tochter Petra im Familienbetrieb mit.

Viele Marken, viele Betriebe

Der wird unter ihrer Leitung erweitert, an moderne Zeiten angepasst. In sechs Städten gibt es Autohäuser von Nolte und zu der Marke Opel gesellten sich Hyundai, Volkswagen und Honda. Bei allem wirtschaftlichen Erfolg hatte die Unternehmerin auch stets die Menschen im Blick. Die Kunden, aber auch die Beschäftigten, für die sie die Verantwortung trug. Eine Haltung, die sie an ihre Tochter weitergab.

Als die 2004 schwer erkrankte über nahm Fritzi Bimberg-Nolte im Familienunternehmen noch einmal mehr Verantwortung. Und so ganz hatte sie die Leitung der Firma nie aus dem Blick verloren. Bis im vergangenen Jahr erschien sie noch täglich im Büro.

Fritzi Bimberg-Nolte starb am 21. April kurz vor ihrem 90. Geburtstag.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer
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