Petra Pientka von der Gebrüder Nolte GmbH & Co. KG ist Schwertes Unternehmerin des Jahres 2020. © Manuela Schwerte
Unternehmerin des Jahres

Autohaus-Chefin Petra Pientka ist Schwertes Unternehmerin des Jahres 2020

Frauen in Führungsetagen – bei Gebrüder Nolte hat das Tradition. Seit 1955 ist die Firma fest in weiblicher Hand. Chefin Petra Pientka ist Schwertes Unternehmerin des Jahres 2020. Wir blicken zurück in die Geschichte.

Ob in der Werkstatt oder beim Autoverkauf, im Großen und Ganzen ist die Kfz-Branche immer noch männerdominiert. Doch an der Spitze von Gebrüder Nolte steht eine Frau – und das in der zweiten Generation. Petra Pientka (51) leitet seit 27 Jahren das Unternehmen gemeinsam mit ihrer Mutter Fritzi Bimberg-Nolte (89), und beide haben die Firma seitdem kontinuierlich weiter ausgebaut.

Vom Pferdefuhrwerk zur Autodroschke

Vor 107 Jahren sah das noch anders aus: Da war auch bei Noltes alles in Männerhand. Die Gebrüder eben, Fritz und Alfred Nolte, hatten in Iserlohn auf Basis des Pferdefuhrwerkbetriebs ihres Vaters ein Autodroschkenunternehmen mit späterem Autohandel aufgebaut.

Fritzi Bimberg-Nolte und ihre Tochter Petra Pientka bei einer Familienfeier. Bis zum vergangenen Jahr ging die 89-jährige Fritzi Bimberg-Nolte noch täglich ins Büro.
Fritzi Bimberg-Nolte und ihre Tochter Petra Pientka bei einer Familienfeier. Bis zum vergangenen Jahr ging die 89-jährige Fritzi Bimberg-Nolte noch täglich ins Büro. © Privat © Privat

Knapp 40 Jahre später – nach dem Zweiten Weltkrieg – stand man vor der Entscheidung über Iserlohn hinaus zu erweitern. Und da setzte Fritz Nolte, sein Bruder war längst aus dem Geschäft ausgestiegen, auf seine jüngere Tochter. Die hieß – vielleicht auch, weil es keinen Sohn gab – ganz im Sinne der bislang männlichen Familientradition Fritzi.

„Mein Vater sagte, du gehst jetzt jeden Tag zum Landesstraßenbauamt, bis wir am Ostentor bauen dürfen“, erzählte die Seniorchefin einst in einem Interview. Das Konzept ging auf. 1955 eröffnete Gebrüder Nolte den ersten Betrieb außerhalb von Iserlohn, am Ostentor in Schwerte. Ein Opel-Handel, eine Werkstatt und eine BP-Tankstelle waren auf dem Gelände versammelt. Autopionier Fritz Nolte sollte das aber nicht mehr erleben. Er starb unerwartet mit 61 Jahren und hinterließ seiner 23-jährigen Tochter zwei Autohäuser und sein christliches, familiengeprägtes Wertesystem.

„Im Mittelpunkt steht bei uns der Mensch“

„Wir wollen den Menschen dienen – aus christlicher Überzeugung“, betont auch Petra Pientka, nach dem Firmen-Credo befragt. Die Menschen, das seien die Kunden, die Lieferanten, aber eben auch die Mitarbeiter. 200 sind es aktuell in neun Betrieben, darunter 35 Auszubildende.

Denn der Weg vom Azubi in die Führungsverantwortung hat bei Gebrüder Nolte auch Tradition. Viele der Betriebsleiter und Mitarbeiter haben bereits bei Gebrüder Nolte gelernt. Auch Geschäftsführer Jörg Hallmanns hat 1989 nach dem Abitur als kaufmännischer Lehrling bei Gebrüder Nolte angefangen. Heute unterstützt er die Unternehmensleitung für das gesamte Fahrzeuggeschäft mit allen vier vertretenen Marken.

Als der Opelhändler kein VW-Geschäft betreten durfte

Als Fritz Nolte starb und seine jüngere Tochter in der Firma weiterarbeitete, kam Fritzis Schwester, Dr. Martha Nolte, zur Unterstützung in den Betrieb. Die promovierte Tierärztin war vielen Kunden aus Schwerte persönlich bekannt. Später, mit Fritzis Verheiratung mit Dr. Peter Bimberg, ergänzte auch er – als promovierter Forstwissenschaftler – die Geschäftsleitung.

Als Familien-Trio arbeiteten sie jahrzehntelang am Ausbau des Opel Geschäftes, das sich neben Schwerte und Iserlohn auch nach Hemer und Schwerte-Westhofen ausbreitete. Und als 1993 die Tochter Petra ihre Ausbildung und ihre Studien (BWL und Theologie) in England abgeschlossen hat, stieg sie natürlich in den Familienbetrieb ein, weil sie sich als Christin in die Welt der Wirtschaft berufen fühlt und bewusst Verantwortung für den Erhalt der Arbeits- und Ausbildungsplätze im fundiert aufgebauten Familien-Unternehmen übernehmen will.

Fotostrecke

Bilder aus der Geschichte von Nolte

Gebrüder Nolte ist da längst kein kleines Unternehmen mehr, und Petras erste Aufgabe ist der Ausbau und die Ausweitung auf andere Marken neben Opel. „Das musste ich als Neugründerin machen, weil ein etablierter Opel-Händler damals noch nicht mal ein VW-Haus betreten durfte“, erzählt sie schmunzelnd. Auch Petra Pientkas Einsatz zeigte Erfolge: Heute sind in der Autohausgruppe Gebrüder Nolte Opel, Hyundai, Volkswagen und Honda mittlerweile in sechs Städten (Hagen, Lüdenscheid und Gevelsberg kamen als Opel-Standorte noch dazu) vereint. Die jüngste Marke Hyundai ist seit Februar 2020 in Hemer dabei und hat sich trotz Corona gut entwickelt.

Krankheit brachte Umdenken in der Unternehmensleitung

Zu den christlichen Werten von Gebrüder Nolte gehört auch der Blick für soziale Anliegen und gesellschaftliche Anlässe. Konzerte im Autohaus, Kaffeeklatsch für Oldtimerfreunde, Schultornister Sammelaktion für benachteiligte Kinder oder Lern-Kooperationen mit Schulen. Für in Not geratene Mitarbeiter gibt es einen Fonds aus privaten Mitteln der Unternehmerfamilie, der eingerichtet wurde, als ein Mitarbeiter unverschuldet ein Auge durch einen Silvesterknaller verloren hatte.

Der persönliche Glaube an Gott und der Zusammenhalt innerhalb der Gebrüder Nolte Familie halfen Petra Pientka auch in dem Moment, als sie selbst vom Schicksal getroffen wurde. 2004 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Zu einem Zeitpunkt, als die Kinder noch klein, ihre Mutter Fritzi Bimberg-Nolte aber schon in einem Alter war, in dem man normalerweise das Rentner-Dasein genießt.

Fotostrecke

Die Mitarbeiter von Gebrüder Nolte

„Damals habe ich mich am Ende der Therapie mit meinen Eltern und Führungskräften zusammengesetzt und gesagt, dass ich mein Leben neu ordnen möchte“, sagt Petra Pientka. Seitdem geht sie üblicherweise vormittags ins Büro und arbeitet nachmittags eher von zu Hause aus. Eine Alltagsstruktur, die sie auch nach der Genesung beibehalten hat. „Aus dieser persönlichen Krise habe ich erfahren, dass es immer nur eine Richtung gibt: nach vorn!“

Kopf, Seele und Gesicht der Firma

In der Situation habe sie auch erkannt, dass man vieles delegieren kann und sogar sollte: „Ich musste damals vor allem lernen, deutlich und klar zu kommunizieren.“ Denn das sei die Basis bei der Leitung eines Unternehmens. Kopf, Seele und Gesicht von Gebrüder Nolte wollte sie sein, beschloss die Unternehmerin damals. Als Kopf trifft sie weiterhin die strategischen Entscheidungen. Die Frage, ob man erweitert oder auch mal irgendwo einsparen muss, kann und will sie nicht abgeben, genauso wie die Seele des Unternehmens zu prägen. „Das kann auch kein Externer machen“, sagt sie.

Und nicht zuletzt will sie dem Unternehmen ein Gesicht geben. „Denn unser Autohaus ist ein menschenzugewandtes Unternehmen“, sagt sie. Und dass das deutlich wird, dafür fühlt sie sich als Spross der Gründerfamilie verantwortlich.

Das ist auch ihrer Mutter sehr wichtig. Bis vor kurzem kam auch noch die heute 89-jährige Fritzi Bimberg-Nolte täglich ins Büro. Derzeit unterstützt sie ihre Tochter und die Mitarbeiter mit Rat und Tat eher von zu Hause aus.

Automobile und Immobilien

Im vergangenen Jahr hat das Mutter-Tochter-Unternehmerinnen-Duo an der Stelle der Unternehmensgründung in Iserlohn das Fritz-Nolte-Haus errichtet, wo Menschen in 19 Barriere-armen Wohnung leben und es im Erdgeschoss den ambulanten Pflegedienst der Diakonie, eine Fußpflege und ein Bäckerei-Café gibt.

„So ist Gebrüder Nolte stabil für das Heute und Morgen vorbereitet“, sagt Petra Pientka, auch wenn sie wie ihr Großvater und Firmengründer Fritz Nolte im Kern vor allem auf die Erfüllung von Mobilitätswünschen setzt. Welcher Antrieb für den weiterhin benötigten Individualverkehr gewählt wird, ist dabei eher zweitrangig.

Unternehmer des Jahres

Preis wird zum 21. Mal in Schwerte verliehen

Einmal im Jahr wählt eine Jury aus Wirtschaftsexperten und Politikern einen Unternehmer oder eine Unternehmerin des Jahres für Schwerte. Der Preis, den die Ruhr Nachrichten initiiert haben und spenden, soll nicht nur unternehmerischen Erfolg, sondern auch das Engagement der Unternehmerpersönlichkeit darüber hinaus würdigen. Normalerweise fände Ende Januar, Anfang Februar die große Ehrung statt. In diesem Jahr muss die Veranstaltung coronabedingt ausfallen.

Das sind die Vorgänger von Petra Pientka:

  • 2000 Karl-Willi Demgen (Werkzeugbau)
  • 2001 Daniel Sheffer (EuroCoin Metallindustrie)
  • 2002 Josef Schlütz (HHKT – Einzelhandel) †
  • 2003 Heinz von Döllen (Quick Bauprodukte)
  • 2004 Wolf-Rüdiger Otte (Hövelmann und Lueg Stahl- Service)
  • 2005 Günter Becker (Bäckermeister) †
  • 2006 Dr. Lothar Birkhäuser, Dr. Gian Piero Borgonovo und Pierre Münch (Hoesch Schwerter Profile)
  • 2007 Dieter Bonacker (Bonacker Digital und Mehr)
  • 2008 Britta Hesselbach-Komander (Hörgeräte-Akustik)
  • 2009 Ralf Harry Pötschke (Garten-Center)
  • 2010 Egon Schrezenmaier (Schrezenmaier Kältetechnik)
  • 2011 Tina Risse (Blumen Risse GmbH und Co. KG)
  • 2012 Holger Hofer (Molco Folientechnik)
  • 2013 Michael Reuper (Möbelhaus Reuper)
  • 2014 Bernd Ostermann (Kuhbar)
  • 2015 Sandra und Björn Thiele (Tanzschule Thiele)
  • 2016 Emilie und Jörg Prüser (Freischütz)
  • 2017 Ulrich Behnke (WBG Blechverarbeitung)
  • 2018 Philipp und Thomas Halbach (Diagramm Halbach)
  • 2019 Armin Papenmeier (F.H. Papenmeier GmbH & Co. KG)
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
Zur Autorenseite
Heiko Mühlbauer

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.