Wer - wie hier in Selm - mit dem Bus im Kreis Unna unterwegs sein wollte, hatte ein Problem. © Daniel Claeßen
VKU

Ausfall im Schneechaos: Wie Busunternehmen entscheiden, ob sie fahren

Frühestens ab Dienstagmittag fahren wieder Busse im Kreis Unna. Doch wie entscheiden Busunternehmen eigentlich, ob sie fahren oder nicht und sind Busse früher noch öfter gefahren?

Fährt ein Bus, oder fährt er nicht? Für den Montag hat die Verkehrsgesellschaft VKU diese Frage eindeutig mit nein beantwortet. Immer wieder hatte die Verkehrsgesellschaft einen möglichen Start für ihre Busflotte nach hinten verschoben, um dann gegen Mittag zu verkünden, dass im Kreis Unna kein Bus mehr fahren würde.

Für den Dienstag hat das Unternehmen bereits mitgeteilt, dass es frühestens ab 13 Uhr wieder fahren würde. Für das Münsterland hatte die RVM die gleiche Entscheidung getroffen.

Verkehrsmeister machen sich ein Bild von den Straßen

Doch worauf basiert solch eine Entscheidung eigentlich? „Unsere Verkehrsmeister waren seit 3.30 Uhr in der Nacht unterwegs und machen sich ein Bild von den Straßen gemacht“, erklärt VKU-Sprecherin Felicitas Bachmann am Montag.

Die Straßenmeister geben dann ihre Einschätzung ab, ob es möglich ist, den Busverkehr aufzunehmen. Zunächst seien am frühen Morgen Haupt- und Nebenstraßen nicht frei gewesen, später hatte es dann auch noch angefangen zu schneien und die Situation weiter verschlechtert.

„Die Fahrten würden eine Gefahr für Leib und Leben darstellen“, sagt Felicitas Bachmann – für die Busfahrerinnen und -fahrer, aber auch für die Passagiere. „Wir können die Sicherheit nicht gewährleisten“, so die Sprecherin.

„Das war der stärkste Wintereinbruch seit 10 Jahren“, sagt Bachmann, darauf seien die Winterdienste auch eingestellt gewesen. Nicht aber unbedingt auf die dicke Eisschicht, die mitunter unter dem Schnee lag und das Fahren teilweise unmöglich machte.

Stimmt denn der Eindruck, dass früher Busse noch öfter gefahren sind, als Autos? Dazu kann Felicitas Bachmann nichts sagen, sie kann sich aber vorstellen, dass die Sensibilisierung heute größer ist und man Busfahrten dann lieber absagt, um niemanden zu gefährden.

Keine Beweglichkeit dazu gewonnen bei Schnee und Eis

„Das Absagen der Busfahrten könnte auf der einen Seite darauf beruhen, dass sich bei Bussen in den letzten 40 Jahren nicht viel an ihrer Beweglichkeit bei Eis und Schnee geändert hat“, sagt Tobias Scheffel vom ADAC Westfalen, an der Form der Busse habe sich nicht viel geändert.

Auch die Fahrassistenzsysteme reagierten bei Bussen weniger effektiv als bei Autos. Auch Scheffel kann sich vorstellen, dass bei Verkehrsgesellschaften eine größere Sensibilität für die Gefährdung der Gäste besteht, als das in früheren Jahren der Fall gewesen sein mag.

Hinzu kommt: „Heute kriegt man über die sozialen Medien schnell mit, wenn Busse ausfallen, früher ist man zur Bushaltestelle gegangen und hat nur registriert, dass ein einzelner Bus nicht gekommen ist.“

ADAC: Wochenende war große Herausforderung

Aber nicht nur für Busse waren die letzten Tage eine Herausforderung. „Das Wetter ist schon extrem“, sagt Tobias Scheffel. „Wir hatten über das Wochenende 875 Einsätze im Bereich Westfalen, das ist weit über dem normalen Niveau.“ Anders als in der Region Köln, Bonn, wo es fast keine Einsätze gab, waren Ruhrgebiet und Münsterland stark betroffen. Viele Autofahrer waren im Schnee stecken geblieben. Einen Vergleich mit früheren Wetterlagen könne man aber nicht ziehen, schließlich habe es beim letzten Super-Schnee-Winter vor zehn Jahren auch deutlich weniger Fahrzeuge auf den Straßen gegeben.

Auch die Polizei Unna berichtet am Montag von vielen Fahrzeugen, die im Schnee steckengeblieben sind, im gesamten Kreisgebiet, wie Polizeisprecher Christian Stein sagt.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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