Mehrere Schwerter bangen um ihren Urlaub - Mutter-Tochter-Trip fällt ins Wasser

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Wenn ein Reiseanbieter wie Thomas Cook pleite geht, schlägt das hohe Wellen. Bis nach Schwerte - eine Mutter muss den Urlaub mit der Tochter absagen, ein junges Paar verliert viel Geld.

Schwerte

, 25.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mutter-Tochter-Urlaub in Ibiza muss wohl ausfallen: Raffaela Leonetti und ihre achtjährige Tochter bekommen die Pleite des Tourismuskonzerns Thomas Cook direkt zu spüren. Am 14. Oktober sollte es losgehen, zum Herbsturlaub ins Warme, nach Ibiza.

Über das Tochterunternehmen Neckermann hatte Raffaela Leonetti die Pauschalreise gebucht - und dann in den Medien von der Pleite erfahren. „Von den Unternehmen selbst haben wir nichts gehört - und hören auch nach wie vor nichts. Bei Neckermann oder Thomas Cook hänge ich am Telefon ewig in der Warteschleife. Es ist alles noch sehr ungewiss.“

Auch im Ausland hat die Pleite drastische Auswirkungen: An vielen Urlaubsorten in aller Welt stehen Kunden von Thomas Cook vor einem Problem. Ihre Rückflüge wurden bis mindestens Donnerstag (26. September) gestrichen und ihre gebuchten Hotels akzeptieren sie nicht mehr als Gäste. Sie sitzen fest. Informationen über Schwerter, die im Ausland gestrandet sind, gibt es bislang nicht.

Bei Eurowings von der Passagierliste gestrichen

Auch Raffaela Leonetti hat Kontakt mit dem gebuchten Hotel in Ibiza aufgenommen: „Wir müssten noch einmal komplett neu bezahlen. Und bei Eurowings stehen wir nicht mehr auf der Passagierliste, man würde uns gar nicht mitnehmen“, hat die alleinerziehende Mutter von der Fluggesellschaft erfahren.

Vor allem ihre achtjährige Tochter ist enttäuscht. Und negative Erfahrungen habe die 48-jährige Mutter mit Thomas Cook auch noch nicht gemacht.

Die Hoffnungen auf den gemeinsamen Urlaub mit der Tochter sind dahin - „schön wäre es, wenn ich wenigstens das Geld zurück bekommen würde“, so Leonetti.

Und seit Mittwochmittag stehen die Chancen auch gut, denn auch Thomas Cook Deutschland hat nun Insolvenz angemeldet. Die Versicherungen zahlen also für Flüge und Unterkunft bei Pauschalurlauben.

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Junges Paar verliert wohl 1782 Euro

Raffaela Leonetti will nun schauen, ob sie die Reisekosten von der Versicherung erstattet bekommt und eventuell einen neuen Urlaub mit ihrer Tochter buchen.

Weitaus weniger Hoffnung, sein Geld jemals wieder zu sehen, macht sich der Schwerter Sebastian Vogt. Vom 13. bis 27. Oktober wollte er gemeinsam mit seiner Partnerin eigentlich einen Lanzarote-Urlaub genießen. Anstatt einer Pauschalreise entschied sich das Paar jedoch dafür, Flug und Hotelübernachtungen bei unterschiedlichen Anbietern zu buchen. „Für die Übernachtungen, die wir über Thomas Cook buchten, haben wir insgesamt 1782 Euro bezahlt“, sagt Sebastian Vogt. Eine telefonische Anfrag beim Hotel habe zwar ergeben, dass die Buchung weiterhin noch dort verzeichnet sei, aber so recht will Vogt dem Braten nicht trauen.

„Pauschalurlauber haben mit dem Sicherungsschein gute Aussichten, ihr Geld zurückzubekommen, aber in unserem Fall sehe ich da schwarz“, so der Schwerter. Seit Montag verfolgten seine Freundin und er die News-Ticker im Internet, hätten bis zuletzt Hoffnung gehabt, dass die deutsche Thomas-Cook-Tochter von der Insolvenz verschont bliebe. Mittlerweile herrsche Ratlosigkeit bei dem Paar, wie Sebastian Vogt anmerkt: „Ist das Geld weg und wir buchen jetzt ein neues Hotel, dann wird's finanziell bei uns eng.“ Eigentlich hätte man geplant gehabt, die Insel mit einem Mietwagen zu erkunden. Daraus wird wohl nichts mehr.

Erst einmal die Entwicklung abwarten

Die meisten Reisebüros in Schwerte empfehlen übereinstimmend: Wer nicht innerhalb der nächsten beiden Tage eine gebuchte Reise antreten wollte, sollte erst einmal die Entwicklungen abwarten.

Eine dieser Entwicklungen betrifft die Fluggesellschaft Condor. Die Flugzeuge fliegen zwar noch, doch um Liquiditäts-Probleme zu vermeiden, hat das Unternehmen des Antrag auf einen staatlichen Übergangs-Kredit gestellt. „Das wird wahrscheinlich genehmigt“, heißt es im First Reisebüro: „Auch Air Berlin hat einen gekriegt, trotz schlechterer Zahlen.“ Stimmt das deutsche Wirtschaftsministerium zu, sind Condor-Flüge weiterhin gesichert.

Immer auf die E-Mails achten

Deshalb können die Reisefachleute ihre Kunden nur eingeschränkt beraten. „Wir schauen dauernd auf die E-Mail und hoffen auf neue Informationen“, berichtet einer der Schwerter Experten.

Der englische Reisekonzern Thomas Cook hatte am Montag den Betrieb eingestellt. Zuvor waren Verhandlungen mit Investoren gescheitert. Der Rückgang der Reise-Buchungen im englischen Markt, vermutlich verursacht durch die Brexit-Unsicherheit der Briten, hatte dem hoch verschuldete Konzern stark zugesetzt.

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