Armbrust-Attacke auf Nachbarn – „Ich bringe dich um“

dzLandgericht Hagen

Ein Mann stürmt durchs Treppenhaus, zielt mit der Armbrust auf einen Nachbarn. Der wehrt sich mit einer Flasche und kann im letzten Moment den Kopf weggeziehen. Was war da passiert?

Iserlohn

, 14.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit fast einer halben Stunde Verspätung wurde der 49-jährige Angeklagte am Montag in den Schwurgerichtssaal 201 des Hagener Landgerichts gebracht. Der Staatsanwalt hatte die Beteiligten zuvor lange warten lassen. Und es sollte nicht wirklich besser werden.

Denn kaum war die Anklageschrift verlesen, sagte der Angeklagte mit leiser Stimme: „Ich will zu den Vorwürfen nichts sagen.“ Selbst will er also nicht zur Aufklärung des merkwürdigen Falles beitragen.

Tür eingetreten

Es geschah am Abend des 30. Dezember 2018. Laut Anklage soll der heute 49-Jährige damals mit lautem Karacho durch das Treppenhaus des von ihm bewohnten Mehrfamilienhauses in Iserlohn gepoltert sein, um schließlich vor der Tür eines Nachbarn halt zu machen.

„Dann trat er die Tür ein und richtete eine mit einem Pfeil geladene und gespannte Armbrust auf sein Gegenüber“, heißt es in der Anklageschrift. In der Wohnung des Nachbarn hielten sich damals zwei Männer auf. Und zu einem soll der Angeklagte in diesem Moment gesagt haben: „Ich bringe dich um.“

Danach wurde es offenbar konfus. Der Adressat der Drohung soll eine Glasflasche ergriffen und es damit geschafft haben, dem Angreifer die Armbrust aus der Hand zu schlagen. Kurz darauf hatte dieser aber offenbar schon wieder angelegt. Und diesmal schaffte es der 49-Jährige laut Staatsanwaltschaft, einen Pfeil abzuschießen.

Armbrust-Attacke auf Nachbarn – „Ich bringe dich um“

Im Schwurgerichtssaal des Hagener Landgerichts wird gegen den Armbrustschützen verhandelt. © Martin von Braunschweig

Schnelle Ausweichbewegung

Der Kontrahent hatte unwahrscheinliches Glück. Denn durch eine schnelle Ausweichbewegung gelang es ihm, seinen Kopf aus der Gefahrenzone zu drehen. Der Pfeil streifte daher nur seine rechte Halsseite und verursachte dort eine nur oberflächliche Verletzung. Diese musste nicht einmal ärztlich versorgt werden.

Die Staatsanwaltschaft hat dennoch Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Doch schon jetzt scheint klar, dass der 49-Jährige für diese Tat nicht mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden kann. Schon bei seiner Festnahme noch in derselben Nacht hatte sich herausgestellt, dass der Mann erheblich betrunken gewesen war und wohl auch unter dem Einfluss illegaler Drogen gestanden hatte.

Entziehungstherapie möglich

Richterin Heike Hartmann-Garschagen wies den Angeklagte deshalb gleich zu Beginn des Prozesses darauf hin, dass neben einer Haftstrafe auch die Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsklinik angeordnet werden könnte.

In diesem Fall müsste der Iserlohner nur einen Teil seiner Strafe in einem Gefängnis verbüßen und würde den Rest für eine Therapie nutzen können. „Das würde ja vielleicht mal Sinn machen“, so die Richterin.

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