Anklage nach Mord an Seniorin (72) in Ergste - Warum der Prozess bis Juli beginnen sollte

dzErmittlungen gegen Michael S.

Hat ein 50-jähriger vorbestrafter Mörder eine 72-Jährige in Schwerte-Ergste umgebracht? Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt davon und hat jetzt Anklage erhoben. Der Zeitplan ist wichtig.

Ergste

, 24.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte Michael S. schweigt weiterhin - das hat die Arbeit der Staatsanwaltschaft erschwert, aber nicht aufgehalten. Vor wenigen Tagen habe man die Anklageschrift zugestellt, erklärte ein Sprecher der Hagener Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

Demnach sind die Ankläger also davon überzeugt, dass der vorbestrafte Sexualmörder am 9. Januar 2019 in das Haus einer 72-Jährigen in Ergste eindrang, mit einem Messer auf die Frau einstach, sie anschießend erwürgte und die Leiche anzündete. Eine entscheidende Rolle in der Indizienkette sollen hinterlassene DNA-Spuren gespielt haben.

Dass die Anklage erhoben ist - das darf die Staatsanwaltschaft zwar noch bestätigen. Weitere Auskünfte darf sie ab diesem Zeitpunkt aber nicht mehr geben - das ist nun Sache des Landgerichts Hagen. Also der Instanz, die bald darüber entscheiden muss, ob der 50-Jährige die Tat begangen hat oder nicht.

Verurteilter Sexualmörder saß 27 Jahre in Haft

Michael S. hatte bis wenige Monate vor der Tat in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwerte gesessen und dort auch in einer Außengruppe Gartenarbeit verrichtet. Das Haus des Opfers liegt nur wenige Meter von der JVA entfernt. Unklar ist, ob sich mutmaßlicher Täter und Opfer daher kannten. Aussagen eines ehemaligen Mithäftlings und Hinweise aus dem JVA-Innenleben lassen das wahrscheinlich erscheinen.

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Der 50-Jährige hatte 27 Jahre in unterschiedlichen Anstalten gesessen, bis er im Herbst 2018 nach dem letzten von vielen Gutachten freikam. Die lange Haftstrafe geht auf eine Verurteilung nach Taten von 1990 zurück. In Aachen hatte Michael S. demnach im Alter von 21 Jahren versucht, eine 59-Jährige zu vergewaltigen und sie umgebracht. Kurz darauf bedrängte er eine zweite, ebenfalls deutlich ältere Frau sexuell und raubte sie aus.

Prozess muss innerhalb von sechs Monaten beginnen

Vier Tage nach dem Fund der toten Ergsterin hatte ein Sondereinsatzkommando den 50-Jährigen festgenommen. Kurioserweise war Michael S. gerade live auf Facebook, filmte das also. Ob absichtlich oder nicht - die Frage bleibt weiterhin offen. Der Angeklagte schweigt auch dazu.

Das Datum der Festnahme wird auch beim Prozess-Zeitplan entscheidend. Seit 13. Januar sitzt der mutmaßliche Mörder in Untersuchungshaft. Und die darf aus rechtlichen Gründen zunächst nur sechs Monate betragen - also bis 12. Juli 2019. Nach dieser Sechs-Monats-Frist muss ein Angeklagter eigentlich wieder auf freien Fuß kommen.

Eine Verlängerung dieser U-Haft-Zeit sei möglich, erläutert ein Sprecher des Landgerichts Hagen auf Anfrage. Dazu müsse allerdings extra ein Antrag beim Oberlandesgericht gestellt werden.

Ein verurteilter und mutmaßlich rückfälliger Mörder, der kurz vor dem Prozess freigelassen wird? Daran hat das Gericht natürlich kein Interesse.

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Landgerichts-Sprecher: Verhandlung sollte bis Mitte Juli beginnen

Einfacher sei es also schon, wenn die zuständige Kammer das Verfahren innerhalb der Frist eröffnen würde, so der Sprecher weiter. Man gehe auch davon aus, dass der Prozess gegen Michael S. Anfang, spätestens Mitte Juli starten werde.

Aktueller Stand: Die Anklage der Staatswaltschaft ist beim Landgericht in Hagen eingegangen. Das wiederum hat Michael S. die Anklage zugestellt. Er und sein Anwalt haben nun Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Dann entscheidet die zuständige Kammer, ob sie das Hauptverfahren eröffnet - und wie der Zeitplan aussehen soll.

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