Der Kiosk an der Ostenstraße/Ecke Nordwall war im Juni Ziel eines Einbruchs. © Hendrik Schulze Zumhülsen
Kriminalität in Schwerte

Angst vor ihrem Opfer: Jugendliche Einbrecher stellen sich der Polizei

So einen kuriosen Fall hat Polizeisprecher Christian Stein noch nicht erlebt. Vier junge Einbrecher stellten sich selbst, nachdem ihnen ihr Opfer auf die Schliche gekommen war – und ihnen drohte.

Die Furcht vor dem beklauten Kioskbesitzer war größer als die Angst vor der Verfolgung durch die Justizbehörden. Von sich aus stellten sich die vier Jugendlichen auf der Schwerter Polizeiwache und gaben den Einbruch zu – wohl, um Schutz zu suchen vor einer möglichen Selbstjustiz durch ihr Opfer. Über seine Kontakte hatte der 32-Jährige – so Polizei-Pressesprecher Christian Stein (Unna) – selbst in Erfahrung gebracht, wer für den Einbruch in seinen Kiosk am 14. Juni verantwortlich sein sollte. An diesem Sonntagmorgen waren aus der Bude an der Kreuzung Ostenstraße/Nordwall/Hellpothstraße zwischen 0 und 11 Uhr Zigaretten im Wert von mehreren Tausend Euro sowie ein dreistelliger Bargeldbetrag gestohlen worden.

Polizei: Kioskbetreiber forderte hohe Geldsumme als Schadensersatz

Durch einen Hinweis erfuhr der Kioskbetreiber, dass ein 15-jähriger Schwerter an dem Einbruch beteiligt gewesen sein sollte. Als er diesen zur Rede stellte, habe er das gestanden und auch verraten, wer seine Komplizen waren. „Unter Androhung forderte der Betreiber daraufhin von dem 15-jährigen sowie von zwei weiteren Jugendlichen (beide 17) und einem Heranwachsenden (18), bei denen es sich um die Tatverdächtigen des laufenden Ermittlungsverfahrens handelt, eine hohe Bargeldsumme für den Schaden, der durch den Einbruch entstanden ist“, berichtet Christian Stein weiter.

Die Einbrecher hatten es vor allem auf die Zigarettenregale des Kiosks abgesehen.
Die Einbrecher hatten es vor allem auf die Zigarettenregale des Kiosks abgesehen. Das Ergebnis: leere Regale wie hier auf diesem Archivfoto. © Laura Schulz-Gahmen (A) © Laura Schulz-Gahmen (A)

Welcher Art die Drohung war, möchte die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht preisgeben. Jedenfalls muss sie die vier jungen Männer, die allesamt schon Erfahrungen mit der Polizei haben, soviel Respekt hervorgerufen haben, dass sie freiwillige zur Wache gingen, um von der versuchten Erpressung zu berichten und den Einbruch zu gestehen. Von Amtswegen her leitete die Polizei danach nicht nur ein Strafverfahren gegen das tatverdächtige Quartett ein, sondern auch gegen den Kioskbetreiber.

Jetzt wird auch noch gegen einen mutmaßlichen Hehler ermittelt

Der Fall zieht jetzt noch weitere Kreise. Die Polizei hat Ermittlungen gegen einen Kioskbetreiber aus Dortmund wegen des Verdachts der Hehlerei aufgenommen. Er soll – so Christian Stein weiter – das Diebesgut auch dem Einbruch in den Kiosk an der Ostenstraße aufgekauft haben.

Der Bruder des Kioskbetreibers hatte direkt nach dem Einbruch davon gesprochen, dass Tabakwaren im Wert von rund 4000 Euro verschwunden seien. „Zigaretten lassen sich gut zu Geld machen, wenn man sie auf nicht-legalen Wegen weiterverkauft“, erklärte Polizeisprecher Christian Stein damals zu der großen Menge der Beute. Besonders tragisch: Der Betreiber hatte den Kiosk erst zwei Wochen zuvor übernommen.

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Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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