Ein Weißkopfseeadler schaut grimmig: Ausgerechnet das US-amerikanische Wappentier wird vom AfD-Mann Michael Schild als Symbol für Heimat benutzt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
AfD-Landesparteitag

AfD-Landesvize Michael Schild: Mit dem US-Adler in den Bundestag

AfD-Mann Michael Schild aus Fröndenberg greift nach einem Sitz im Bundestag – dabei soll auch ein Foto mit einem scheinbar deutschen Adler helfen. Der 59-Jährige kandidiert beim AfD-Landesparteitag.

Auf Adlerschwingen in den Bundestag: Michael Schild, Vize-Landeschef der AfD NRW und früherer Sprecher der AfD im Kreis Unna, zeigte sich kürzlich auf einem Foto in tierischer Begleitung. Am Ende seines horizontal ausgestreckten linken Arms hält der 59-Jährige einen riesigen Adler.

Als Mann, der es unter Umständen auch mit starken Flügelkräften aufnehmen kann, inszeniert sich Schild auf seiner persönlichen Facebookseite. Der Hintergrund: Mit dem Adler-Foto und anderen Motiven im Stil von Wahlplakaten macht Schild seine Ambitionen auf einen Sitz im Bundestag deutlich. Der Stellvertreter von Landeschef Rainer Lucassen will beim Landesparteitag dieses und nächstes Wochenende in Siegen für einen aussichtsreichen Platz auf der NRW-Liste kandidieren.

Die AfD hat vorausschauend gleich zwei Wochenenden für die Nominierung ihrer Listenkandidaten reserviert. Denn der Streit der verschiedenen Lager – vom offiziell aufgelösten rechtsextremen „Flügels“ bis hin zu den weniger radikalen oder vergleichsweise gemäßigteren Kräften – macht die Listenaufstellung kompliziert. Schild bestätigte auf Anfrage seine Kandidatur. „Auf welchem Listenplatz ich landen werde, das ist mit 15 Fragezeichen versehen“, sagte er. Der Diplom-Politologe und Versicherungsangestellte in der Vorruhestandsphase darf es sich mit keiner der vier verschiedenen „Einflusssphären“ verscherzen, um seine Chancen in dem Kräftemessen zu wahren.

Verhältnis zu „Flügel“-Fans zerrüttet

Schild bezeichnet sich selbst als „liberal-konservativ“, pflegt aber den typischen aggressiven Kommunikationsstil der Rechtspopulisten – Stimmungsmache gegen Migranten, Muslime oder politisch Andersdenkende inklusive. Das zeigte sich insbesondere, als er noch den Facebook-Auftritt der AfD Kreis Unna verantwortete, den er infolge seines Rücktritts als Kreissprecher abgeschaltet hat. Früher hatte Schild keine Probleme, sich bei einer Demo in Unna an der Seite des inzwischen aus der Partei ausgeschlossenen „Flügel“-Vertreters und Rechtsextremisten Andreas Kalbitz zu zeigen. Heute gilt sein Verhältnis zu „Flügel“-Sympathisanten innerhalb des Kreisverbands als zerrüttet.

Mit diesem Foto eines Weißkopfseeadlers und dem Heimat-Slogan sorgt AfD-Vizelandeschef Michael Schild für Spott in sozialen Medien. Er kontert: „Übrigens ist mir ein derartiger Zuwanderer willkommen.“
Mit diesem Foto eines Weißkopfseeadlers und dem Heimat-Slogan sorgt AfD-Vizelandeschef Michael Schild für Spott in sozialen Medien. Er kontert: „Übrigens ist mir ein derartiger Zuwanderer willkommen.“ © Carsten Fischer © Carsten Fischer

Das hat mit einer Art Putsch zu tun. Im Kommunalwahljahr 2020 trat Schild zurück – aus Verärgerung darüber, dass er bei der Aufstellung der achtköpfigen Reserveliste für den Kreistag überraschend bei den Parteikollegen durchfiel; statt Schild auf Platz 2 wählten die Mitglieder Ulrich Lehmann aus Kamen. Zur Nummer 1 wurde Peter Knepper, zur Nummer 3 Brigitte Dinse – alle gelten als „Flügel“-Sympathisanten.

Später kassierte der Bezirksvorstand, dem Schild ebenso wie dem NRW-Landesvorstand angehört, die Reserveliste ein – wegen einer als parteischädigend geltenden Nähe der Spitzenleute zum „Flügel“ um den Rechtsextremisten und Thüringer AfD-Landesschef Björn Höcke. Die AfD konnte daraufhin nicht für den Kreistag kandidieren, sondern nur auf lokaler Ebene für die Stadträte in Kamen, Schwerte und Lünen.

AfD-Kreisverband: Keine Auskunft

Bereits 2017 stand Schild auf dem Stimmzettel für den Landtag – als Direktkandidat im Wahlkreis Unna II, wo er 7,6 Prozent für die AfD holte. Nun will der Fröndenberger in den Bundestag. Beim anstehenden Landesparteitag geht es ausschließlich um die NRW-Landesliste, also nicht um die Vergabe der Direktkandidatur in den beiden Bundestagswahlkreisen im Kreis Unna. Es ist unklar, wann die AfD Kreis Unna ihre Direktkandidaten küren wird. 2017 kandidierten Pierre Jung (Wahlkreis Hamm – Unna II mit Lünen, Selm, Werne und Hamm) und Andreas Handt (Wahlkreis Unna 1 mit Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Schwerte und Unna). Der bislang als AfD-Kreispressesprecher agierende Hans-Otto-Dinse lehnte am Freitag die Beantwortung einer Presseanfrage zu Vorbereitungen auf die Bundestagswahl mit dem Hinweis ab, dass er mit Vertretern der „Mainstream-Medien“ nicht sprechen wolle.

„Derartiger Zuwanderer willkommen“

Ob mit oder ohne Unterstützung der Delegierten aus dem Kreis Unna – Michael Schild will sich wie ein Adler zum Bundestagskandidaten aufschwingen. Wobei Kommentatoren ihn auf einen kleinen Schönheitsfehler hinweisen, der die wohl beabsichtigte Heimat-Symbolik des Adler-Fotoshootings untergräbt.

Der Greifvogel aufs Schilds Arm ist nämlich kein stolzer deutscher Adler, wie der daneben stehende Slogan „Heimat! Freiheit! Mut!“ suggerieren könnte, sondern ein Weißkopfseeadler, also das US-amerikanische Wappentier. Schild lässt sich von dem Hinweis auf den falschen Vogel nicht irritieren, sondern kontert, das Foto sei in einem heimischen Vogelpark entstanden. „Übrigens ist mir ein derartiger Zuwanderer willkommen.“

Ein Adler-Ei war nicht befruchtet

Der abgebildete Weißkopfseeadler ist übrigens eine Dame, heißt Jaffa wie die israelische Stadt und lebt im Vogelpark in Remscheid. Dort entstand das Bild vor längerer Zeit, als Schild eine jedem Besucher offen stehende Foto-Möglichkeit im Zusammenhang mit einer Greifvogel-Show nutzte. „Jaffa hat keine politischen Ambitionen“, versichert Vogelpark-Inhaberin Carola Schossow. Zu der Verwendung des Fotos durch den AfD-Mann meint die 54-Jährige trocken: „Man hätte besser einen europäischen Seeadler nehmen sollen.“ Jaffa absolviert derweil ein Zuchtprogramm gemeinsam mit einem Artgenossen namens Uncle Sam. „Ein Ei hat sie gelegt, das war aber leider nicht befruchtet.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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