Oliver Kaczmarek am Samstag vor der Stadthalle Unna. Bei der Bundestagsdelegiertenkonferenz für den Wahlkreis 144 war er einziger Kandidat. Mit guten 97 Prozent der Stimmen nimmt der SPD-Bundestagsabgeordnete das Vertrauen aus dem Wahlkreis nun mit nach Berlin. © Carsten Janecke
Eine Nein-Stimme

97 Prozent für Oliver Kaczmarek: SPD-Delegierte geben Rückenwind für die Bundestagswahl

66 von 68 Wahlfrauen und -männer der SPD wählten am Samstag Oliver Kaczmarek als ihren Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September. „Lasst uns diesen Wahlkreis gewinnen“, fordert der Kamener.

Oliver Kaczmarek soll für die SPD zum vierten Mal als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag einziehen. Der 50-jährige SPD-Politiker aus Kamen, der seit 2009 sein Büro in Berlin hat, wurde bei dem Nominierungsparteitag am Samstagmorgen in der Stadthalle Unna für den Wahlkreis Unna I (Wahlkreis 144) mit 66 von 68 Stimmen als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl am 26. September bestimmt. 97,06 Prozent bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung: Ein deutliches Ergebnis, das die Genossen lautstark beklatschten. „Lasst uns diesen Wahlkreis gewinnen“, bedankte sich Kaczmarek.

Abstimmung vor der Wahl zur Versammlungsleitung. Die Wahl fand später geheim statt. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Der einzige Kandidat, der zur Wahl stand

Trotz des auf Bundesebene dauerhaften Umfragetiefs der Sozialdemokraten sind seine Chancen damit aussichtsreich, wieder einen Platz im Berliner Reichstagsgebäude zu ergattern.

„Die SPD gehört an die Regierung. Merkt euch die Gesichter, die darüber arrogant lächeln“

Oliver Kaczmarek

Der Wahlkreis, in dem seit 1965 immer ein SPD-Mann und noch nie eine Frau gewann, gilt noch als Hochburg der Sozialdemokratie, auch wenn diese durch hohe Verluste bei jüngsten Wahlen fundamentale Risse aufweist.

Kaczmarek war am Samstag der einzige Kandidat, der zur Wahl stand. Ein weiterer Kandidat meldete sich bei der Veranstaltung erwartungsgemäß nicht. Kaczmarek, eigentlich kein Freund markiger Worte, zeigte sich kämpferisch: „Die SPD gehört an die Regierung, die CDU in die Opposition. Merkt euch alle Gesichter, die jetzt darüber arrogant lächeln.“

„Ich habe Lust, Zukunft zu gestalten.
„Ich habe Lust, Zukunft zu gestalten.“ Oliver Kaczmarek, der für die SPD im Wahlkreis Unna I antritt, geht kämpferisch in den Wahlkampf zur Bundestagswahl im September. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung

68 von 77 eingeladenen Wahlfrauen und Wahlmänner aus den Städten Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Schwerte und Unna waren angetreten zur Wahl des ledigen Familienvaters, der Mitglied unter anderem bei der Arbeiterwohlfahrt, dem Kamener Förderverein Monopol 2000 und den hiesigen Naturfreunden ist. Im Bundestag ist er Obmann und Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und im Petitionsausschuss. Bei den Bundestagswahlen 2009 (42,6 Prozent), 2013 (46,7 Prozent) und 2017 (38,8 Prozent) holte Kaczmarek jeweils das Direktmandat für seine Partei.

Ein Roter vor dem roten Hintergrund. Die Flügeltür mit den Dingen, die Unna auszeichnen, als Kulisse bei der Bundestagsdelegiertenkonferenz am Samstag. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Nominierungsparteitag war nicht immer so geräuschlos

Kaczmarek hatte im Jahr 2009 selbst dafür gesorgt, dass ein Nominierungsparteitag nicht immer so geräuschlos über die Bühne gehen muss, wie am Sonntagmorgen geschehen. Überraschend hatte er damals den etablierten SPD-Politiker Rolf Stöckel aus Bönen ausgestochen, was hinter den Kulissen für Unruhe gesorgt hatte. Mit 66 zu 49 Stimmen hatten die Wahlmänner der SPD entschieden, Stöckel nach zehn Jahren Bundestagszugehörigkeit zum bundespolitischen Frührentner zu machen. Vor allem zu wenig Anwesenheit im Wahlkreis, lautete damals der Vorwurf an den Bönener. Dass derlei Verdacht auch bei Kaczmarek aufkommen könnte, beugte am Samstag auch SPD-Landrat Mario Löhr vor. „Du warst präsent, Bürger konnten dich jederzeit ansprechen – auch wenn einige das kritisch sehen und denken, man könnte noch mehr tun.“

Der doppelte SPD-Wahlkreiskandidat und der Minister: Olaf Scholz (r.) warb im September 2009 für Oliver Kaczmarek, der zuvor Rolf Stöckel bei einer Kampfabstimmung um den Platz im Bundestag ausgestochen hatte.
Der doppelte SPD-Wahlkreiskandidat und der Minister: Olaf Scholz (r.) warb im September 2009 für Oliver Kaczmarek, der zuvor Rolf Stöckel bei einer Kampfabstimmung um den Platz im Bundestag ausgestochen hatte. © Archiv / Stefan Milk © Archiv / Stefan Milk

Coup ebnete Kaczmarek 2009 den Weg nach Berlin

Den Coup aus 2009 eingefädelt hatten die Sozialdemokraten aus Bergkamen und Kamen, die schon vor der Nominierung ihre Pfründe auf Bundes- und Landesebene zwischen sich aufgeteilt hatten – und den bisherigen SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Stöckel gezielt um seinen Job brachten. Die Vereinbarung lautete etwa so, wie es damals hieß: Wenn Kamen künftig den Bundestagskandidaten stellt, erhält Bergkamen dafür die Position des Landtagskandidaten.

Oliver Kaczmarek nach der Wahl in Jubelpose. Mit 97 Prozent der Stimmen erhielt er am Samstag einen Vertrauensbeweis aus den eigenen Reihen.
Oliver Kaczmarek nach der Wahl in Jubelpose. Mit 97 Prozent der Stimmen erhielt er am Samstag einen Vertrauensbeweis aus den eigenen Reihen. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

An die Werte seines Vorgängers Stöckel konnte Kaczmarek im Übrigen nicht kratzen. Der hatte zu Hochzeiten der SPD zwischen 54,8 Prozent (2005) und 59,3 Prozent erreicht. Ein Blick in die tiefere Historie: Das beste Wahlergebnis bisher erzielte Manfred Schulte im Jahr 1972 mit 64,1 Prozent.

Maskenpflicht, Abstandhalten. Die SPD traf sich am Sonntag in der Stadthalle, um ihren Bundestagskandidaten zu bestimmen.
Maskenpflicht, Abstandhalten. Die SPD traf sich am Samstag in der Stadthalle, um ihren Bundestagskandidaten zu bestimmen. © Carsten Janecke © Carsten Janecke
Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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