40 Jahre Wirtin: Cica Mihelj feiert trotz Corona im Haus Pferdekämper

dzGastronomie in Schwerte

Sie ist die Wirtin, die am längsten am selben Platz in Schwerte hinter dem Tresen steht: Seit 40 Jahren gehört Cica Mihelj zum Haus Pferdekämper. Beinahe hätte Corona die Feier vermiest.

Schwerte

, 02.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein ganzer Ochse sollte sich vor der Traditionsgaststätte am Spieß drehen. Eine weiße Kutsche über die Ostenstraße anrollen. „Ich hatte mir das wunderschön vorgestellt“, sagt Cica Mihelj. Schon seit Anfang des Jahres hatte sie Pläne geschmiedet, wie sie ihr 40-jähriges Wirtejubiläum feiern könnte.

Mindestens genauso rauschend wie das 25-Jährige im Haus Pferdekämper sollte es sein, wo 2000 Gäste in der gesperrten Jägerstraße mit Live-Musik Party machten und tanzten. „Aber Corona hat uns alles kaputt gemacht“, klagt die Kult-Gastronomin. Begrenzte Besucherzahlen und Abstandsregeln bremsen allen Spaß aus.

Statt an einem Wochenende wird einen Monat lang gefeiert

Doch Cica Mihelj wäre nicht Cica, wenn sie sich von der Krise unterkriegen ließe. „Statt an einem Wochenende für unsere Gäste feiern wir jetzt einen Monat lang“, weiß sie einen Ausweg. Weil nicht so viele auf einmal kommen dürfen, können sich die Besucher über diesen längeren Zeitraum verteilen. Vom 10. August bis zum 10. September stehe ihr Jubel-Angebot: Das Bier soll für 2 Euro im 0,3-Liter-Glas schäumen, es dazu Brötchen mit frisch gegrilltem Schinken und Krautsalat für 4 Euro geben.

Cica Mihelj (2.v.r.) und ihr Team wollen das 40-jährige Wirtejubiläum nicht an einem Tag, sondern vier Wochen lang mit ihren Gästen feiern.

Cica Mihelj (2.v.r.) und ihr Team wollen das 40-jährige Wirtejubiläum nicht an einem Tag, sondern vier Wochen lang mit ihren Gästen feiern. © Reinhard Schmitz

Das großformatige Transparent „40 Jahre Cica bei Pferdekämper“, das unübersehbar an die Schieferfassade des 1764 erbauten Hauses gehängt werden soll, ist schon bestellt. Es gratuliert der Wirtin, die in Schwerte am längsten am selben Ort hinter dem Tresen steht. Am 1. August 1980 hatte sie den Mietvertrag unterschrieben. „Die Eröffnung war dann am 29. August 1980“, erinnert sie sich noch genau an den Schritt in die Selbstständigkeit. Vorher hatte Cica Mihelj im Restaurant Ostentor gearbeitet und ihren dortigen Chef schnell so überzeugt, dass er sie zur Geschäftsführerin seines zweiten Lokals, der „Ruhrbrücke“ (jetzt „Ellinikon“), machte. Als dieses Objekt 1979 verkauft werden sollte, wurde zufällig das Haus Pferdekämper frei.

Getauft wurde Cica Mihelj eigentlich auf den Namen Milica

Ein Glücksfall für Cica und ihre Gäste, die sie immer wieder „meine Familie“ nennt. Trotzdem weiß kaum einer, dass sie eigentlich auf den Namen Milica getauft ist. Fünf Meter Schnee – so erzählt sie gern – lagen auf den Dächern des kleinen serbischen Dorfes, wo sie im Januar 1947 geboren wurde. Weil es dort keine Arbeit gab, ging sie später nach Frankreich, baute im Saarland Teile für den Ford Escort und zog aus Heimweh doch wieder zurück in die Heimat – bevor ihr jemand den entscheidenden Tipp gab: Versuch es mal in Schwerte.

Das Haus Pferdekämper an der Ostenstraße 11 ist eines der ältesten Gebäude von Schwerte. Es wurde 1764 errichtet und war eins königlich-preußische Posthalterei.

Das Haus Pferdekämper an der Ostenstraße 11 ist eines der ältesten Gebäude von Schwerte. Es wurde 1764 errichtet und war eins königlich-preußische Posthalterei. © Reinhard Schmitz (A)

Was für ein Glück für alle. Für Cica, für ihre Gäste, für die Stadt, zu der sie nun schon ein halbes Jahrhundert dazugehört. „Das ist meine Heimat, mein Leben – alles was ich habe“, hört man die Wirtin immer wieder sagen. Sie kann an jedem Tisch mitreden, wenn es um die alten Zeiten in der Ruhrstadt geht.

„Am schönsten war es, als Schwerte noch ,Einkaufsstadt mit Herz‘ war“, schwärmt sie vom damaligen Slogan der Werbegemeinschaft. Da habe es noch das Herrenhaus Fischer gegeben, das Textilhaus Eisenmenger und das Kaufhaus Küster: „Die Leute kamen von überall nach Schwerte zum Großeinkauf. Das war toll, da war was los.“ Aus Hagen, Dortmund und Iserlohn strömten die Kunden in die Läden - und viele anschließend ins Restaurant Pferdekämper.

Posthalterpfanne ist das Lieblingsgericht der Gäste

„In den 80er-Jahren gab es 82 Gaststätten in Schwerte“, berichtet Cica Mihelj. Die Wirte hätten sich oft gegenseitig besucht, sogar gemeinsam Besichtigungen bis nach Holland unternommen: „Das war eine wunderschöne Zeit.“ Aber vorbei.

Geblieben sind die Geschmäcker der Gäste im Haus Pferdekämper, das ursprünglich eine königlich-preußische Postkutschenstation war. Die Posthalterpfanne, gefüllt mit Gemüse, Bratkartoffeln und zwei kleinen Schnitzeln mit Spiegelei, ist der Dauerbrenner auf der Speisekarte. Als Lieblingsgericht verweist sie den Münsterländerteller, den Pferdekämperteller und das argentinische Rumpsteak auf die weiteren Plätze.

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