Torschuss von Gerd Land bei einem Meisterschaftsspiel des VfL Schwerte im Jahr 1964 - die Stehränge auf dem Schützenhof sind erkennbar gut gefüllt.
Nachruf

Trauer um Gerd Land: 1968 führte er den VfL Schwerte fast in die Regionalliga

Als der Fußball in Schwerte noch ein Straßenfeger war, feierte Gerd Land mit dem VfL in den 1960er-Jahren die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Nun ist der frühere Spielmacher gestorben.

Er war ein Eigengewächs des Schwerter Traditionsvereins, schon in jungen Jahren erwarb sich Gerd Land als exzellenter Techniker einen Ruf weit über die Grenzen der Ruhrstadt hinaus. Der gebürtige Holzener blieb seiner Heimatstadt aber den weitaus größten Teil seiner Karriere fußballerisch treu.

Es waren glorreiche Fußballtage in der Ruhrstadt, die jetzt schon mehr als 50 Jahre zurückliegen. Wenn die VfLer am Sonntagnachmittag auf dem Schützenhof antraten – das ist heute so nicht mehr vorstellbar -, kam das einem gesellschaftlichen Ereignis in der Stadt gleich. Vom Fabrikdirektor bis zum Schüler pilgerten die Fans zum Fußballplatz und alle einte ein Gedanke: „Unser VfL“ muss heute siegen.

Ein gesellschaftliches Ereignis

Gegner wie Wattenscheid 09, Westfalia Herne, SF Siegen oder STV Horst-Emscher begrüßten die Blau-Weißen damals an der Schützenstraße.

Zum Kapitän ernannt

In dieser Zeit Schwerter Fußballeuphorie wuchs auch das Talent Gerd Land in den Jugendmannschaften des VfL heran, gerühmt für seine Musterpässe und haargenauen Flanken, wie Zeitzeugen berichten, und wechselte Anfang der 60er-Jahre in das Seniorenteam, das in der Verbandsliga Westfalen kickte – damals dritthöchste Spielklasse und höchste Amateurliga. Der damalige Trainer Harald Beyer ernannte den damals 25-jährigen Land in der Saison 66/67 schließlich zum Kapitän.

Gerd Land, hier bei einem Kopfball im Spiel gegen die SG Wattenscheid 09 in der erfolgreichen Saison 1967/68. Dem VfL gelang mit einem 2:1-Siege gegen die hoch favorisierten Gäste ein erster Paukenschlag, Jochen Vollmer und Helmut Kasper schossen die Tore.

Die ganz große Saison sollte für Gerd Land und den VfL unter dem neuen Trainer Franz Winkler aber noch kommen: Das Spieljahr 1967/68 war aus Sicht des VfL aber auch an Dramatik kaum zu überbieten.

Zu Spitzenspielen auf dem Schützenhof pilgerten ohnehin schnell mal 3000 Zuschauer, 1500 Schlachtenbummler waren es fast immer.

Doch dann kam das Fußballspiel, das wohl so viele Fans wie niemals zuvor und auch nicht mehr danach auf dem Schützenhof mit ansahen.

Das Spiel der Giganten zwischen dem VfL und dem Erzrivalen SSV Hagen, an das sich nicht wenige Schwerter noch heute erinnern dürften, sahen 1968 rund 10.000 Zuschauer, die auf Dächern, in Bäumen und dichtgedrängt auf der Tribüne des Schützenhofs mitfieberten. Die damals im Bau befindliche Bethunestraße wurde vom Ostentor bis zur Ruhrbrücke zum Parkplatz umfunktioniert.

Anfahrtstraßen völlig verstopft

„Schwerte feierte gestern verspätet seinen Karneval“, schrieb ein Berichterstatter einen Tag später. Schon Stunden vor Beginn des Spitzenspiels waren alle Anfahrtstraßen völlig verstopft. Die Bundesliga zählte in diesen Tagen in Schwerte nicht!

Mit dem Gipfeltreffen des Ersten aus Schwerte und des Zweiten aus Hagen verloren die Blau-Weißen jedoch ihr erstes Heimspiel, das vorentscheidende Spiel um die Meisterschaft mit 1:2, nachdem Gerd Land per Kopf schon nach 14 Minuten der Führungstreffer zum 1:0 gelungen war.

Man verpasste am Ende denkbar knapp den Aufstieg in die Regionalliga West, nachdem man die Saison lange als Tabellenführer dominiert hatte. „Man konnte eine Stecknadel fallen hören“, schrieb ein anderer Chronist dieser Tage, als die VfLer nach dem verloren gegangenen Spitzenspiel mit gesenkten Häuptern in die Kabinen schlichen.

Szene mit Gerd Land in Erwartung einer Kopfballvorlage in einem Verbandsligaspiel des VfL im Jahr 1964.

Dem VfL blieben der zweite Rang und zwei Qualifikationsspiele um die Deutsche Amateurmeisterschaft: Zuhause gewann man 2:1 gegen die Hammer Spielvereinigung, das Rückspiel im Hexenkessel von Hamm lautete 3:4 aus Sicht des VfL; in der Verlängerung gingen die ausgelaugten Schwerter schließlich mit 3:8 unter.

Westfälischer Vizemeister

Nach einer grandiosen Meisterschaftssaison 1967/68 standen die VfL schließlich fast mit leeren Händen da: Im Stimberg-Stadion bei der SpVg. Erkenschwick ging auch das letzte Spiel der Saison um die Westfalenmeisterschaft mit 1:2 verloren und man war „nur“ westfälischer Vizemeister geworden; dennoch schrieben die Spieler von damals Schwerter Fußballgeschichte.

Diese Mannschaft sicherte dem VfL Schwerte 1964 den Klassenerhalt in der Verbandsliga Westfalen – danach reiften die Blau-Weißen zur Spitzenmannschaft bis zur glorreichen Saison 1967/68 (2.v.r. stehend Gerd Land).

Die Namen dieser Akteure aus der großen Zeit können viele ältere Anhänger des VfL noch heute aufsagen, darunter Wolfgang Kleff, Gustav Heidbreder, Jürgen Winter, Siegfried Feist, Jochen Emmanuelson, Horst Angel, Werner Hein, Reinhard Althüser, Fränki Vogel, Helmut Kasper, Gerd Haselhoff, Helmut Sievers, Norbert Luke, Günter Lucke, Jochen Vollmer, Willi Becker, Peter Habermann, Dieter „Fitze“ Sauer, Fritz Hoffmann und eben der jetzt gestorbene Gerd Land.

Wechsel zum Grüntaler Teich

Nach der erfolgreichen Zeit verließ Land den VfL Richtung Grüntaler Teich und verhalf dem Schwerter SV 06 in der Saison 1969/70 zum Aufstieg in die 1. Kreisklasse; damals spielte der zweite Schwerter Traditionsclub noch in einer Gruppe mit DJK Viktoria Schwerte und ETuS Schwerte-Ost – heute sind alle drei verschmolzen.

Trainer beim TuS Wandhofen

Nach Stationen beim Verbandsligisten VfL Witten, danach als Spielertrainer beim SSV Kalthof und beim SC Hohenlimburg 1910 übernahm Gerd Land ein letztes Mal ein Traineramt in der Saison 81/82 beim TuS Wandhofen, als Landesligist damals klassenhöchster Verein in Schwerte – das waren noch Zeiten.

Bis zuletzt mit großem Interesse am VfL

Danach schnürte einer der wohl größten Fußballer der Ruhrstadt nur noch für die Altherren seine Fußballschuhe, widmete seiner Familie und seinem leidenschaftlichen Hobby Tennis mehr Zeit. Nach einem Schlaganfall verfolgte Gerd Land das Fußballgeschehen und vor allem das Wohl und Wehe beim VfL bis zuletzt mit großem Interesse in der Zeitung.

Gerd Land, der wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag, den er Silvester gefeiert hätte, starb, hinterlässt seine Frau Ingrid, mit der er mehr als 55 Jahre verheiratet war, sowie seine Söhne Stefan und Marcus.

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Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch

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