Mehrere heimische Fußballtrainer widersprechen dem Verbands-Vize Manfred Schnieders und wünschen sich den Abbruch der Amateurfußballsaison 2020/21. © Leistner, Andreas
Fußball

Trainer wettern gegen den Verband und wollen den Saisonabbruch: „Alles Andere ist Blödsinn!“

Nur zwei Wochen Vorbereitungszeit vor einer Saisonfortsetzung müssen reichen - die Auffassung des Verbandsfunktionärs Manfred Schnieders sorgt für reichlich Kopfschütteln bei den Trainern.

Es sei „total an der Realität vorbei“, hat André Haberschuss vor ein paar Tagen gesagt. Mit dieser Meinung steht der Trainer des Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte nicht allein – im Gegenteil.

Denn auch Haberschuss´ Trainerkollegen Fabian Kampmann vom Landesligisten SC Berchum/Garenfeld sowie die Bezirksligatrainer Dominik Buchwald (VfL Schwerte) und Thomas Wotzlawski (Geisecker SV) finden deutliche Worte der Kritik in Richtung Schnieders.

So sagt Fabian Kampmann: „Es gibt unter Sportmedizinern die Pi-mal-Daumen-Faustregel: So lange wie eine Pause dauert, so lange braucht man auch, um wieder richtig fit zu sein. Insofern wären vier Wochen Vorbereitungszeit das Mini-, Mini-, Minimum. Ich sage ganz ehrlich, dass ich mich sehr über so eine Aussage ärgere. Denn wenn um die Gesundheit der Spieler geht, dann hört der Spaß auf.“

Fabian Kampmann, Trainer des Landesligisten SC Berchum/Garenfeld. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Dabei sei es ja gar nicht so, dass seine Spieler auf der faulen Haut liegen, sagt Kampmann. „Fast alle Spieler laufen für sich selbst – nicht jeden Tag und vielleicht auch nicht jeden zweiten Tag. Aber schon regelmäßig, denn letztlich machen die Jungs doch gerne Sport.“

Grundfitness reicht nicht für Wettkampfbetrieb

Aber eine gewisse Grundfitness reicht für die Rückkehr in den Wettkampfbetrieb nicht aus, erläutert der SC-Coach: „Man kann die Spieler nicht auf Dauer so fit halten, dass sie morgen wieder loslegen könnten – und genau da ist das Problem: Es gibt keinen Zeitpunkt, auf den man hinarbeiten kann. Denn wann wir wieder starten, weiß heute keiner – wenn überhaupt“, sagt Kampmann und fügt seine persönliche Meinung gleich an: „Ich glaube nicht, dass wir in dieser Saison überhaupt noch spielen.“

Dass man die zurzeit unterbrochene Saison nicht mit aller Macht durchzieht, wünscht sich auch Dominik Buchwald von den Entscheidungsträgern. „Ich finde, man muss sich von dem Gedanken lösen, dass die Saison unbedingt zu Ende gespielt werden muss“, sagt Buchwald mit dem Hinweis auf den renommierten Sportmediziner Dr. Ingo Froböse. „Er sagt: Selbst wenn ein Spieler einigermaßen fit ist, braucht er etwa zehn Trainingseinheiten, um überhaupt wieder reinzukommen“, so Buchwald.

Dominik Buchwald, Trainer des Bezirksligisten VfL Schwerte. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Eine Vorbereitungszeit von nur zwei Wochen würde unweigerlich zu einer deutlich größeren Zahl an Verletzungen führen. Buchwald: „Da reißen sich dann womöglich zwei, drei Jungs das Kreuzband und können ein Jahr lang kein Fußball spielen – und das nur, weil man künstlich eine Saison durchziehen will. Ich finde das einfach absurd und weiß wirklich nicht, ob diese Menschen schon mal Fußball gespielt haben.“

Thomas Wotzlawski vom VfL-Bezirksligarivalen Geisecker SV schließt sich seinen beiden Trainerkollegen an und spricht ebenfalls Klartext in Richtung des Verbandes: „Bei allem Verständnis für das Anliegen, dass sie das Ding unbedingt über die Bühne bringen wollen: Nur zwei Wochen Vorbereitungszeit sind mit gesundem Menschenverstand nicht machbar. Unter vier Wochen Vorbereitungszeit läuft da gar nix. Andernfalls ist das Verletzungsrisiko viel zu groß.“

Thomas Wotzlawski, Trainer des Bezirksligisten Geisecker SV. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Dabei seien seine Schützlinge „sehr fleißig“, sagt Wotzlawski. Er hat ihnen Trainingsprogramme an die Hand gegeben, um eine gewisse Grundfitness zu erhalten. Aber das reiche definitiv nicht aus, um von jetzt auf gleich in den Wettkampfmodus zurückzukehren, sondern geht eher in die Richtung, „dass die Jungs nicht mit Bierbäuchen und dicken Hintern auf dem Sportplatz stehen, wenn sie denn irgendwann mal wieder dürfen.“

Rückkehr auf die Sportplätze ist in weiter Ferne

Eine Rückkehr in den Trainings- und Wettkampfbetrieb sieht auch Thomas Wotzlawski angesichts der aktuellen Corona-Zahlen noch in weiter Ferne. Seine Schlussfolgerung daraus: „Ich bin dafür, die Saison abzubrechen und zu annullieren. Alles Andere – auch, dass 50 Prozent der Spiele gespielt werden könnten und die Saison dann gewertet wird – halte ich für Blödsinn.“

Eine Aussage, die die Kollegen Kampmann und Buchwald sofort unterschreiben würden.

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Redaktion Schwerte
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Michael Doetsch

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