Masken auf dem Fußballplatz? Die Schwerter Trainer halten vom Vorschlag des Münchener Sportwissenschaftlers Henning Wackerhage nicht allzu viel. © Jens Lukas
Fußball

„Spätestens nach zwei Minuten würden die Jungs sich die Maske vom Gesicht reißen“

Mit Masken zurück auf den Fußballplatz? Der Vorschlag des Münchener Sportwissenschaftlers Henning Wackerhage sorgt für Gesprächsstoff, auch bei den Trainern. Wir sind auf Stimmenfang gegangen.

Es gehe darum, der Politik ein Angebot zu machen, wie die Amateurfußballer vielleicht einige Wochen früher auf den Platz zurückkehren könnten, hatte der Professor im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten erklärt. Sein Gedanke: „Für eine Zwischenzeit, in der es noch bestimmte Inzidenzzahlen gibt, sollte mit Maske gespielt werden, um damit Sport zu ermöglichen und doch geschützt zu sein.“

Dass sich Wackerhages Idee in die Praxis umsetzen lässt, glaubt von den heimischen Trainern aber niemand – im Gegenteil, die meisten von ihnen fanden deutliche Worte der Ablehnung.

Im Einzelnen:

Dominik Buchwald (VfL Schwerte): „Jede Idee, wie man früher auf die Plätze kommt und das Infektionsrisiko verringert, finde ich grundsätzlich erstmal gut. Es ist immer eine Frage der Alternative. Wenn es nur die Möglichkeiten gibt „nicht spielen“ oder „nur mit Maske“, wäre es ein Versuch wert. Aber dann müsste man unbürokratisch und schnell auch überlegen, ob man die Spielzeit nicht auf 3×30 Minuten oder 4×22,5 Minuten aufteilt, um den Spielern mehr Pausen einzuräumen.

Dominik Buchwald, Trainer des Bezirksligisten VfL Schwerte. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Allerdings halte ich es von der praktischen Umsetzung her für höchst fraglich, ob während des Spiels die Masken immer so getragen würden, wie sie getragen werden müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fußballer dies so machen und sich diszipliniert an die Regeln halten würden.“

Thomas Wotzlawski (Geisecker SV): „Grundsätzlich bin ich immer dafür, alles auszuprobieren, bevor ich es ablehne. In diesem Fall nehme ich den Vorschlag aber nicht ernst. Ich habe das Gefühl, dass viele Leute in der aktuellen Zeit auch ihren Beitrag leisten und Vorschläge unterbreiten möchten. Ist doch dann super, wenn was Brauchbares dabei ist. Dieser Vorschlag ist für mich aber untauglich.“

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

André Haberschuss (ETuS/DJK Schwerte): „Das ist doch Schwachsinn! Man kann doch nicht mit Maske Fußball spielen, sie würde ständig abrutschen. Und was ist mit der Sprache? Auf dem Platz gehören Kommandos doch einfach dazu, die man nicht mehr verstehen würde. Wahrscheinlich hat dieser Professor nie selber Fußball gespielt.“

Fabian Kampmann (SC Berchum/Garenfeld): „Dieser Vorschlag ist keine Option – das würdest du doch selber im Leben nicht machen.“

Marvin Horn (Sportlicher Leiter des SC Hennen): „Der Vorschlag ist in meinen Augen völliger Unsinn. Fußball ist viel zu intensiv, um den Sport mit Maske auszuüben. Und dann kommt sofort das nächste Thema: die Kabinennutzung.“

Ex-BVB-Profi Lothar Huber ist der Trainer des A-Ligisten VfB Westhofen. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Lothar Huber (VfB Westhofen): „Ganz ehrlich: Meine erste Reaktion war, dass ich mich kaputtgelacht habe. Im Ernst: Der Mann ist Professor? Dann sollte er sich mal etwas mehr Gedanken machen, bevor er sich so äußert.

Man stelle sich vor, wir haben 30 Grad – da kriegt man doch ohne Maske schon kaum Luft. Mit Maske vor dem Mund und der Nase fallen dir da in der Kreisliga innerhalb einer halben Stunde fünf Leute um. Spätestens nach zwei Minuten würden sich die Jungs die Masken vom Gesicht reißen.“

Arne Werner (TuS Holzen-Sommerberg): „Es ist klar, dass wir alle den Wunsch haben, möglichst schnell zurück auf den Platz zu kommen – aber doch nicht um jeden Preis. Masken beim Fußball halte ich für schwierig, denn sie bieten ja letztlich nur den gewünschten Schutz, wenn sie perfekt über Mund und Nase sitzen. Das ist bei so viel Bewegung, wie es sie beim Fußball nun mal gibt, in der Praxis nicht umsetzbar.“

Welf-Alexander Wemmer (SG Eintracht Ergste): „Ich musste leicht schmunzeln, als ich den Artikel gelesen habe. Ich habe jahrelang mit einer Sportbrille gespielt und weiß deshalb: Beim Fußball etwas im Gesicht zu haben, ist erstmal nicht so schön. Bei Kopfbällen oder Zweikämpfen ist mir die Brille ziemlich oft von der Nase gerutscht – das würde bei den FFP2-Masken wohl nicht anders sein. Von daher sehe ich den Vorschlag, gerade in einem Kontaktsport, als eher sinnlos an. Ich bin immer noch dafür zu sagen, dass die Saison beendet ist. Klar, es fehlt die Bewegung, der Sport draußen und das Miteinander-Spaß-haben, Aber da ich sehe uns leider momentan noch nicht. Und auch ein Tragen von Masken würde da nicht viel bringen. Denn das Ding würde wahrscheinlich nie da sitzen, wo es zu sitzen hat.“

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Ben Gottstein (Holzpfosten Schwerte): „Gibt es nicht Studien dazu, dass die Ansteckungsgefahr auf dem Platz gegen Null geht? Ich halte es für Blödsinn, auf dem Platz Masken zu tragen. Unbedingt sollten Masken aber in den Kabinen getragen werden – und zwar konsequent von allen. Auch beim Umziehen oder einer Besprechung, wenn diese aufgrund der Witterung nicht im Freien abgehalten werden kann. Maximal zum Duschen die Maske ausziehen oder das Duschen gar nicht zu erlauben, könnte ich mir noch als Lösung vorstellen.

Und vielleicht sollten die Profis da aber auch mal mit gutem Beispiel vorangehen. So aber lässt es sich doch bei einer dringend notwendigen Öffnung des Amateursports niemandem vermitteln, warum man in der Kabine nicht doch gemeinsam feiern kann.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch

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