Vor zwei Jahren ist die Schwerterin (Nummer 11) ins Sportinternat nach Münster gezogen. Seit kurzem steht sie im Aufgebot eines Volleyball-Bundesligisten. © Michael Eyinck
Volleyball

Schwerterin (18) spielt erst seit 2014 – und ist jetzt in der Bundesliga

Eine Schwerterin spielt erst seit sechs Jahren Volleyball, ist jetzt aber im Profiteam eines Bundesligisten. „Das hatte ich eigentlich nie vor“, sagt sie ungläubig. Wie hat sie es geschafft?

Diese Karriere hat sie nicht kommen sehen. Erst 2014 fing die junge Schwerterin, gerade 18 geworden, beim VV Schwerte mit dem Volleyball an. Vier Jahre später zog sie in ein Sportinternat. Seit diesem Sommer ist sie in der Profi-Mannschaft des USC Münster. Jetzt wartet sie aufgeregt auf ihren ersten Bundesliga-Einsatz.

Pia Mohr kann es noch immer nicht ganz greifen. Sie ist nun Bundesliga-Spielerin. Doch das ist für sie nicht real. „Ich habe immer noch nicht das Gefühl dazuzugehören“, sagt sie. Aber sie gehört jetzt dazu. Das beweist auch ein Foto, das sie mit ihrer neuen, eigenen Nummer 14 im grellgrünen Trikot des Volleyball-Bundesligisten USC Münster zeigt.

Es wurde kurz vor der Saison bei der Präsentation der Münsteranerinnen aufgenommen. Und obwohl Pia Mohr auf diesem Foto eine Maske trägt, zeigt sich ein großes Strahlen in ihrem Gesicht. Das Strahlen über eine bislang unglaubliche Volleyball-Laufbahn.

Aufstieg im ICE-Tempo

Volleyball spielt Pia Mohr nämlich erst seit sechs Jahren. Mit zwölf kam die Holzenerin über ihre jüngere Schwester zum VV Schwerte. Vorher hatte sie es mal mit Handball, mal mit Schwimmen, mal mit Reiten probiert. Beim Volleyball gefiel es ihr so gut, dass sie blieb. Dann begann ihr Aufstieg im ICE-Tempo. Dass Mohr überdurchschnittlich talentiert ist, kristallisierte sich zügig heraus.

Im September 2018 zog sie nach Münster aufs Sportinternat. „Erst war ich total dagegen, weil ich ein richtiger Familienmensch bin“, gesteht Mohr. „Ich hatte am Anfang häufig Heimweh.“ Doch die Aufnahme in Münster funktionierte exzellent.

Strahlt im Trikot des USC Münster: Pia Mohr ist gerade erst 18 Jahre alt geworden und schon ganz oben angekommen. © Hubertus Huvermann © Hubertus Huvermann

Mohr fand schnell ein wohlfühlendes Umfeld mit neuen Freundinnen. In Münster spielt sie bis heute für den VCO Münster in der 3. Liga – und für den VV Schwerte weiterhin noch in der U20. Solche Mehrfachspielrechte sind im Volleyball nicht ungewöhnlich.

Die ganz große Überraschung erlebte Pia Mohr dann aber im Sommer. Über eine Zoom-Videokonferenz. Da offenbarte ihr ihr Trainer, dass Bundesligist USC Münster sie in seinem Team haben möchte. Pia Mohr war perplex. Kurz nach dem Videogespräch hatte sie Training. Doch diese Nachricht war so groß, dass Mohr erst einmal noch eben zu Hause bei der Familie anrufen musste.

Und beim Training musste sie es auch bei ihren Mitspielerinnen direkt loswerden. „Das war in dem Moment alles ein bisschen viel“, blickt Mohr zurück und lacht. Sie, die erst 2014 mit dem Volleyball begann, spielt nun in einem professionellen Bundesliga-Team.

Langsam zum Profiniveau

Einen Einsatz hat sie bislang noch nicht gehabt. Mohr stand schon mehrmals im Kader. Genau das ist aber der Plan: Die Außenangreiferin soll sukzessive an das Profiniveau herangeführt werden. „Die Trainingsintensität ist hier einfach viel, viel höher“, erzählt die junge Schwerterin.

Viel mehr als Volleyball und Schule bleibt aktuell nicht für sie übrig. Im kommenden Frühjahr macht sie ihr Abitur. Und derzeit stehen mindestens sieben Volleyball-Einheiten in der Woche an.

Wenn am Wochenende Zeit bleibt und ein Jugendspieltag ansteht, fährt Mohr aber nach Schwerte. Hier unterstützt sie dann tatsächlich auch noch die U20 des VVS in der NRW-Liga. Ihr letztes Jugendjahr will sie voll genießen – in Schwerte spielt sie mit ihren engsten Freundinnen zusammen. Und sogar mit ihrer 15-jährigen Schwester Hannah.

Stipendium in den USA

Erst einmal, sagt sie, wolle sie ein gutes Abitur machen. Und natürlich: Auch auf den ersten Bundesliga-Einsatz hofft sie bald. Im nächsten Jahr ist der Plan, für ein Volleyball-Stipendium ein Jahr in die Vereinigten Staaten zu gehen. „Ich hatte nie das Ziel und hätte mir nie vorstellen können, Volleyball professionell spielen zu können“, sagt sie. „Aber jetzt habe ich es so nah vor Augen und möchte gerne in der Bundesliga ankommen.“

18. Geburtstag im kleinen Kreis

Am Dienstag hatte Pia Mohr Geburtstag. Sie wurde 18 Jahre alt. In Münster überraschte ihre Familie die junge Volleyballerin. Gemeinsam fuhren sie nach Schwerte und feierten hier im kleinen Kreis. Normalerweise, verrät Mohr, hatte sie eine große Feier geplant. Das sei derzeit nun mal nicht möglich.

Pia Mohr will die Party in einer Zeit nach dem Virus aber unbedingt nachholen. Dann hat sie gleich zwei Dinge zu zelebrieren: ihre Volljährigkeit und die Beförderung zur Bundesliga-Spielerin.

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