Kurt Ehrke ist Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Rot-Weiß Essen. Zu seiner Sammlung an Fan-Utensilien gehört auch ein Trikot mit Originalunterschrift des brasilianischen Superstars Pele, das Ehrke vor vielen Jahren mal ersteigert hat. © Manuela Schwerte
Fußball: DFB-Pokal

Rot-Weiß Essen träumt von einer Pokalsensation – und ein Schwerter fiebert mit

Alle Fans von Rot-Weiß Essen hoffen auf eine Pokal-Überraschung an diesem Dienstagabend gegen Bayer Leverkusen. Und auch ein Schwerter fiebert mit den Rot-Weißen.

Schwarz-Gelb oder Königsblau – die meisten Schwerter Fußball-Fans sympathisieren mit dem BVB und dem FC Schalke 04. Aber Rot-Weiß Essen? Okay, auch ein Traditionsverein aus dem Revier. Aber bei kaum einem Ruhrstädter erhöht sich die Pulsfrequenz, wenn die seit Jahren in der Regionalliga abgetauchten Essener am Ball sind.

Bei Kurt Ehrke ist das anders. Der 76-jährige Schwerter wird ganz fest die Daumen drücken, wenn die Essener am Dienstag ab 18.30 Uhr versuchen werden, den drei Klassen höher spielenden Bundesligisten Bayer Leverkusen aus dem DFB-Pokal zu kegeln und ins Viertelfinale des prestigeträchtigen Wettbewerbs einzuziehen.

Kurt Ehrke leitet die Geschicke des Vereins mit

Dabei ist Kurt Ehrke weit mehr als nur ein Fan der Essener Rot-Weißen. Seit mehr als zehn Jahren bestimmt er als Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke des Vereins mit.

Ein Schwerter in einer solchen Führungsposition bei Rot-Weiß Essen – wie kommt es dazu? Ehrkes Einstieg beim Klub erfolgte über die berufliche Schiene. Seit 1994 arbeitete Ehrke für Trimet – ein Aluminium-Unternehmen, das einer der Hauptsponsoren bei Rot-Weiß Essen war. Ehrke ging 2009 in den Ruhestand, und im Jahr danach schlitterte Rot-Weiß Essen in eine der schwersten Krisen seiner langen Geschichte. Der Verein musste Insolvenz anmelden.

Nun mussten Leute her, die Verantwortung übernahmen. Kurt Ehrke war bereit dazu. „Man hat mich damals gefragt, und ich habe es gemacht“, sagt der Schwerter rückblickend – den Posten im Aufsichtsrat bekleidet er nach wie vor.

Und wie schätzt er die Chancen auf einen Essener Pokal-Coup ein? „Eigentlich ist ja hirnrissig zu sagen, dass wir gewinnen. Aber andererseits: Nichts ist unmöglich. Ich hoffe mal, dass wir einen sehr guten Tag erwischen und Leverkusen einen nicht so guten Tag. Aber realistisch ist es wohl eher nicht, dass wir weiterkommen“, meint Ehrke.

Der Aufstieg ist wichtiger als der DFB-Pokal

Ohnehin stehe der DFB-Pokal für den Verein nicht an erster Stelle der Prioritätenliste – so reizvoll es auch sein mag, sich mit einem ambitionierten Erstligisten zu messen. Wichtiger sei aber, endlich den lang ersehnten Aufstieg in die 3. Liga zu schaffen, betont Ehrke.

Denn von der Infrastruktur, dem Umfeld und nicht zuletzt dem eigenen Selbstverständnis gehört Rot-Weiß Essen sicherlich nicht in die Regionalliga. „Wir sind ein professionell geführter Verein“, erklärt Kurt Ehrke.

Und nach mehreren vergeblichen Anläufen in den vergangenen Jahren sieht es aktuell nicht schlecht aus in Sachen Aufstieg – zumal nach dieser Saison der Meister der Regionalliga West direkt aufsteigt, was in den vergangenen Spieltagen nicht der Fall war. Nach 22 Saisonspielen sind die Rot-Weißen immer noch ungeschlagen. Das Tor zur 3. Liga steht also weit auf – wenn da nicht noch ein hartnäckiger Konkurrenz wäre.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BVB-Zweiten

Mit der Zweitvertretung des BVB liefern sich die Essener an der Tabellenspitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen – jener BVB, für den Kurt Ehrke große Sympathien hegt und bei dem er auch Vereinsmitglied ist. Im Duell mit Rot-Weiß Essen aber wünscht er den Borussen ausnahmsweise mal keinen Erfolg – wobei er die Konstellation insgesamt als ungerecht empfindet.

„Natürlich hat der BVB die Möglichkeit, die Mannschaft mit Spielern aus dem Profikader zu verstärken – das macht den Aufstieg für Rot-Weiß Essen schwer. Dabei liegt die Lösung nach auf dem Tisch: Der DFB müsste die zweiten Mannschaften vom Aufstieg ausschließen – so einfach ist das“, meint der Schwerter. So aber kommt es am kommenden Samstag mit der Partie in Essen gegen Borussia Dortmund II zum Gipfeltreffen der beiden Aufstiegsaspiranten.

Vorher aber steht für Rot-Weiß Essen noch das Pokal-Highlight auf dem Programm, bei dem alle Rot-Weiß-Fans vom Viertelfinaleinzug träumen. Auch der Schwerter Kurt Ehrke.

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Redaktion Schwerte
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Michael Doetsch

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