Auch wenn es keine einfache Entscheidung war: Nach der Allgemeinverfügung des Kreises Unna haben die Vereine ihre Sportanlagen wieder gesperrt. © Bernd Paulitschke
Corona und Sport

Nach praxisferner Kreis-Verordnung: Ein Verein schreibt an den Bürgermeister

Auf den ersten Blick könnte man angesichts des Datum auf die Idee kommen, es handele sich um einen Aprilscherz. Aber davon kann keine Rede sein. Leider.

Viel mehr ist es die bittere Realität, dass die gerade erst „von der Leine“ gelassenen Nachwuchssportler nun schon wieder ausgebremst werden. Oder anders ausgedrückt: Gemäß der ab 31. März gültigen Allgemeinverfügung des Kreises Unna zur Coronaschutzverordnung ist das Training unter freiem Himmel „von einem tagesaktuellen bestätigten negativen Ergebnis eines Schnell- oder Selbsttests“ abhängig.

Training also nur noch mit Schnell- oder Selbsttest? Bei den Verantwortlichen der Fußballvereine herrscht Einigkeit darüber, dass diese Idee nicht praxistauglich ist. Das sieht übrigens auch Volker Eilts so, der bei der Stadt Schwerte zuständig ist für den Bereich Sport.

„Wie das funktionieren soll, verstehe ich nicht ganz.“

Eilts hatte die entsprechende Verfügung, in der sich der Kreis Unna dazu entschlossen hat, Testungen vorzunehmen, am Dienstagmittag an die Vereine weitergeleitet. Diese gelten für den öffentlichen Bereich wie auch für den Sport. Eilts‘ Schreiben endet mit dem vielsagenden Satz: „Wie das bei Jugendtraining funktionieren soll, verstehe ich nicht so ganz…“

Damit wolle er zum Ausdruck bringen, dass er mit den Vereinen mitfühle, erklärt Eilts, der nach eigener Aussage „die Faust in der Tasche ballt, denn die Regelung führt mehr zur Verwirrung als zur Klarheit.“ Handlungsspielraum habe er allerdings nicht. „Ich kann letztlich nur das weitergeben, was festgelegt wurde“, erklärt Eilts.

Die Regelung gilt seit Mittwoch (31. März) und sie gilt so lange, bis die Feststellung zur Notbremsen-Regelung außer Kraft tritt. Aktuell vorerst längstens bis zum 18. April.

Die Kinder scharren mit den Hufen

Für die Vereine und ihre Kinder ist diese neue Regelung eine bittere Pille – gerade vor dem Hintergrund, dass nun Osterferien sind. „Sie scharren doch alle mit den Hufen“, bringt es Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Geisecker SV, auf den Punkt. Das Training unter den gegeben Umständen aufrecht zu erhalten, kommt für die Geisecker aber nicht in Frage. „Wir haben unsere Anlage wieder gesperrt – das tut richtig weh, aber wir haben keine andere Möglichkeit“, sagt Redel. Gleiches gilt für den VfL Schwerte, den VfB Westhofen und auch die SG Eintracht Ergste, die genauso wie Redel argumentieren.

Dessen Geisecker wollen die Entscheidung aber nicht tatenlos hinnehmen und nehmen die Politik in die Pflicht. Am Mittwoch hat der Vorstand der „Kleeblätter“ einen offenen Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos geschrieben. Darin heißt es:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sie und alle in der Politik stehenden Verantwortlichen der Stadt Schwerte sind nun in der Pflicht zu handeln und unseren Kindern eine entsprechende Lösung aufzuzeigen und den schwarzen Peter nicht ständig an uns Vereine weiterzuleiten.

Unsere Geduld ist nun am Ende, da wir nicht verantworten können, dass die jüngste Generation noch weiteren Schaden annimmt, nachdem Sie bereits ein Jahr vom Lockdown und der Schließung der Sportplätze betroffen waren. Wir brauchen von der Stadt Schwerte ein klares Signal und eine Lösungsmöglichkeit!… Wenn noch nicht einmal gewährleistet werden kann, dass alle Schüler zweimal wöchentlich getestet werden, sehen wir den oben zitierten Passus als obsolet an… Hinzu kommt, dass die Kosten der Testungen ggf. nicht von allen Familien getragen werden kann. So könnte eine Zweiklassengesellschaft entstehen, wo das eine Kind zu Hause sitzt, während der beste Freund trainieren darf…

Geben Sie den Vereinen die notwendige Handlungsmöglichkeit, dass zumindest die Kinder bis 14 Jahren weiter den Sport ausüben dürfen, um nicht später Folgeschäden zu erleiden, die niemand von uns verantworten kann.“

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Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch
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