Bringt Erfahrung aus der Westfalenliga mit nach Holzen-Sommerberg: Leon Prause.
Fußball

Kein Freifahrtschein für Neuzugänge aus der Westfalenliga

Kann das gutgehen? Aus der Westfalenliga runter in die Kreisliga A. Der TuS Holzen-Sommerberg wagt dieses Experiment mit zwei jungen Kickern aus Dortmund, gibt aber keine Garantien.

Drei Schritte nach unten – und dennoch den Blick nach oben gerichtet. Das ist die Situation zweier junger Amateurfußballer, die in der kommenden Saison das Trikot des A-Kreisligisten TuS Holzen-Sommerberg tragen werden. Auf dem ersten Blick ausgesprochen erstaunlich – kickten beide doch schon in der Westfalenliga bei einem hochrangigen Dortmunder Klub unter dem legendären Trainer Lothar Huber. Ein sicherlich nicht alltägliches Experiment, was da gerade in Holzen-Sommerberg abläuft.

Leon Prause und Moritz Glöckner – beide im besten Fußballalter

Es geht um Leon Prause und Moritz Glöckner. Beide im besten Fußballalter, Prause ist erst 23 Jahre, Glöckner ein Jahr älter. Beide ehrgeizig, beide ambitioniert, eben mit dem Blick nach oben. Der „Sechser“ Prause kickte zuletzt für den Westfalenligisten Kirchhörder SC, Defensiv-Mann Glöckner wechselte vor der Corona-Krise vom KSC zum Dortmunder Bezirksligisten TuS Eichlinghofen.

Und jetzt geht’s erstmal in die Kreisliga A zum TuS Holzen-Sommerberg, das seit einem Jahr verantwortlich von Arne Werner trainiert wird, der mit seinen 25 Jahren nicht nur außergewöhnlich jung ist für den Trainerjob, sondern sogar sechs Jahre jünger als sein ältester Spieler. Der Altersdurchschnitt in Holzen-Sommerberg beträgt gerade mal 22 Jahre. „Es kommt nicht aufs Alter an, auch wenn ich natürlich sehr jung bin als Trainer. Allerdings bin ich sehr dankbar dafür, dass alle Spieler das so mitmachen und akzeptieren“, erklärt Werner.

Aus Freundschaft zu Trainer Arne Werner

Bleibt die Frage, warum sich Prause und Glöckner dem Team von Arne Werner anschließen. „Ganz einfach“, antwortet Werner, „auch aus Freundschaft. Ich habe mit Leon zusammen in Holzen angefangen Fußball zu spielen. Seit der D-Jugend sind wir befreundet. Ich bin in Holzen-Sommerberg geblieben, er ist erstmal weggegangen. Und Moritz kenne ich auch schon seit geraumer Zeit.“

Von der neuen Philosophie in Holzen-Sommerberg überzeugt

Doch da ist noch was anderes, was den Reiz ausmacht, plötzlich wieder niederklassiger zu spielen. „Beide waren vom Projekt in Holzen-Sommerberg sofort überzeugt, von unserer neuen Philosophie. Beide wollen unseren Weg mitmachen. Hin zu einer Mannschaft aus jungen Spielern, weg von bezahlten Einzelspielern. Unser Jungs spielen bei uns, weil sie Spaß daran haben. Und nicht, um Geld zu bekommen“, erklärt Arne Werner die Situation beim A-Kreisligisten: „Bei uns gibt es eine Aufwandsentschädigung für das gesamte Team. Es gibt keine Sonderstellung, alle sind gleich.“

Zurück zu Leon Prause und Moritz Glöckner. „Wir wollen bei unserem neuen Verein was aufbauen“, so Glöckner, der in Eichlinghofen „zwei Super-Jahre“ hatte und sich darauf freut, in Holzen-Sommerberg „Erfahrung ins Spiel“ zu bringen. Für seinen Kumpel Leon Prause verliefen die letzten 18 Monate weniger erfreulich. Eine hartnäckige Schambein-Entzündung zwang Prause zum Zuschauen. „Ich will wieder Fuß fassen, wieder einen Rhythmus finden“, hofft Prause auf einen fußballerischen Neustart. Sollte die Saison trotz der Corona-Beschränkungen doch noch vor der Sommerpause wieder beginnen, wäre Prause sofort spielberechtigt, Glöckner müsste mit einem Einsatz bis zur neuen Spielzeit warten.

Keine Einsatzzeiten, wenn die Leistung nicht stimmt

Beide sollen nach Aussage von Arne Werner für mehr Erfahrung in der jungen Mannschaft sorgen. „Was aber nicht gleichbedeutend mit garantierten Einsatzzeiten ist, beide müssen sich dem Wettbewerb stellen“, so Werner. Soll heißen. Zwar ist Arne Werner mit Pause und Glöckner befreundet, aber „auf dem Platz ziehen wir aber eine Trennwand“, so der Coach. Das wissen auch die beiden Neuzugänge. „Wir müssen Leistung zeigen, wenn wir nicht fit sind, dann können wir auch nicht mit Einsatzzeiten rechnen. Ich weiß, dass es in der Kreisliga A richtig zur Sache geht“, so Glöckner.

Kein Bock auf irgendeine Art von Sonderbehandlung

So etwas wie eine Sonderbehandlung oder gar einen Freifahrtsschein sind damit ausgeschlossen. „Das war uns von Anfang an bewusst. Außerdem habe ich auf so etwas auch keinen Bock. Nur weil ich drei Klassen höher gespielt habe, habe ich keinen Stammplatz sicher“, erklärt Leon Prause: „Es geht schlicht und einfach um Leistung.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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