Gregor Kreul, hier bei den Deutschen Meisterschaften 2016 auf der Lenne in Hohenlimburg, beendet seine Kanu-Karriere. © Bernd Paulitschke
Kanuslalom

Juniorenweltmeister macht mit 23 schon Schluss – Wieso das denn, Gregor Kreul?

Gregor Kreul war doppelter Medaillengewinner bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2016 in Krakau und auch danach ein Aushängeschild des Kanu- und Surf-Vereins Schwerte (KVS).

Aber damit ist jetzt Schluss. Kreul legt die Paddel zur Seite und beendet seine Karriere – mit gerade mal 23 Jahren.

Lange habe er diese gewiss nicht leichte Entscheidung vor sich hergeschoben, erzählt Kreul. Aber seit etwa zwei Wochen steht es fest, und alle Verantwortlichen, die Bescheid wissen müssen, sind informiert. „Natürlich ist es keine leichte Entscheidung, denn ich höre ja nicht auf, weil ich keine Lust mehr am Paddeln hätte. Aber mein Körper hat mir deutlich gesagt, dass er nicht mehr so möchte, wie ich das gerne hätte“, sagt der Schwerter Canadierfahrer.

Drehen wir die Zeit ein paar Jahre zurück: Nach besagten Erfolgen im Juniorenbereich ging Kreul 2018 nach Augsburg, um dort eine vierjährige Ausbildung bei der Bundespolizei zu beginnen. Weil er damals in die Sportfördergruppe aufgenommen wurde, konnte er in Sachen Kanusport die optimale Förderung in Anspruch nehmen. „Das ist genau das, was ich wollte“, so Kreul damals.

Gregor Kreul: „Da ist einiges schief gelaufen“

Doch richtig durchstarten konnte Gregor Kreul nicht – im Gegenteil. Zunächst war es ein Bandscheibenvorfall, der den Schwerter Hünen vor etwa zwei Jahren ausbremste. Es folgten nicht weniger als sechs operative Eingriffe, berichtet Kreul, „da kam leider einiges zusammen, was da schief gelaufen ist“.

Doch Kreul ließ sich nicht unterkriegen. Richtig fit und beschwerdefrei sei er zwar die ganze Zeit nicht gewesen. „Deshalb war ein kontinuierlicher Formaufbau kaum möglich. Ich habe mich im letzten Jahr eher so durchgehangelt“, blickt er zurück.

Hüftprobleme setzen ein Stoppschild

Kurioserweise ist aber mittlerweile gar nicht mehr der Rücken seine körperliche Hauptschwachstelle. Stattdessen setzen Hüftprobleme nun ein Stoppschild. Das so genannte Impingement-Syndrom wurde bei Kreul diagnostiziert, vereinfacht gesagt eine Abnutzungserscheinung des Hüftgelenks. Eine rasche Behandlung sei unausweichlich, teilten die Spezialisten dem Sportler mit, „sonst braucht man schon in jungen Jahren eine neue Hüfte – und das möchte ich nicht“, sagt Kreul.

Stattdessen wird er sich nächste Woche erneut unters Messer begeben. „Eine Vorsorge-OP“ nennt Kreul diesen Eingriff, nach dem eine etwa sechswöchige Reha folgen wird – Zeit, die er zuhause in Schwerte verbringen wird. Danach aber wird es wieder nach Augsburg gehen, um seine Polizei-Ausbildung abzuschließen. Dass er trotz seiner Verletzungsmisere in dieser Hinsicht keine Nachteile erfahren hat, „dafür bin sehr dankbar“, sagt Gregor Kreul.

In ein mentales Loch fällt Gregor Kreul nicht

Generell müsse auch niemand befürchten, dass er wegen des erzwungenen Karriereendes in ein mentales Loch falle, sagt Kreul. „Die Entscheidung, dass ich aufhöre, ist ja lange gereift. Ich glaube, so ist es besser, als wenn man von jetzt auf gleich erfahren würde, dass man aufhören muss.“ Und trotzdem: Schmerzhaft ist es schon, mit 23 aufhören zu müssen. „Das ist das Alter, in dem man in unserem Sport normalerweise erst anfängt, richtig gut zu werden“, erklärt Kreul.

So hätte er in seinem letzten U23-Jahr nochmal allzu gerne Vollgas gegeben. Aber dazu wird es nun nicht mehr kommen – auch wenn sich Gregor Kreul sich ganz sicher nicht von dem Sport abwenden wird, für den der jahrelang gebrannt hat. „Ganz bestimmt werde ich irgendwann nochmal auf dem Eiskanal in Augsburg paddeln – nur eben nicht mehr leistungsmäßig“, sagt der Mann, der seine Kanu-Karriere beenden muss. Mit 23.

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Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch

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