Als „Ruhr Füchse“ gingen bisher die Jugendhandballer der HVE Villigst-Ergste und HSG Schwerte/Westhofen gemeinsam auf Torejagd. © Bernd Paulitschke

Ende der Kooperation ist ein Rückschritt für den Schwerter Handball

Die HVE Villigst-Ergste und die HSG Schwerte/Westhofen haben ihre Kooperation im Kinder- und Jugendhandball beendet - keine gute Nachricht für den Schwerter Handball, meint unser Autor.

Es schien etwas zusammengewachsen zu sein. HVE Villigst-Ergste oder HSG Schwerte/Westhofen? Ziemlich egal – für die Kinder und Jugendlichen spielte diese Frage so gut wie keine Rolle. Man spielte zusammen für die Ruhr Füchse – die Marke, die auch nach außen hin ein sichtbares Zeichen für die Kooperation der beiden Schwerter Handballklubs im Kinder- und Jugendbereich war.

Nun aber hat die HVE Villigst-Ergste die Kooperation unvermittelt für beendet erklärt. Warum macht die HVE das? Okay, ein bisschen knirschte es mal hier und da. Aber insgesamt – so war zumindest der Eindruck nach außen – hat man das vor drei Jahren ins Leben gerufene Projekt doch gut ans Laufen gebracht. Doch dieser Eindruck täuscht offenbar. In der Zusammenarbeit lag wohl doch mehr im Argen, als dies in die Öffentlichkeit gedrungen ist – jedenfalls aus Sicht der HVE, die ihre Jugendarbeit künftig wieder eigenständig betreiben will.

Die Kinder hätten die Kooperation nicht beendet

Die HVE-Entscheidung wirkt befremdlich. Man reißt Mannschaften auseinander, in denen HVE- und HSG-Kids gemeinsam auf Torejagd gegangen sind. Hätten die Kinder entscheiden dürfen, wäre die Kooperation ganz sicher nicht beendet worden.

Doch ganz ohne Grund haben die Villigst-Ergster das Stoppschild ganz sicher auch nicht gesetzt. Die Hauptlast des eigentlich gemeinsam angelegten Projektes habe sich immer mehr in ihre Richtung entwickelt, argumentieren sie. Um die Vorgehensweise zu verstehen, gilt es die Struktur der HVE Villigst-Ergste zu berücksichtigen. Schnell fällt da der Begriff „Dorfverein“ – und das ist gar nicht negativ gemeint. Es ist kein Zufall, dass das Vereinsleben in der offiziellen Mitteilung als „unser großes Faustpfand“ bezeichnet wird. Und weil man nicht bereit sei, dies zu opfern, sei der Schlussstrich die logische Konsequenz.

Den Verantwortlichen der HSG Schwerte/Westhofen erschließt sich die Sinnhaftigkeit dieser Argumentation nicht. Sie wurden eiskalt von der HVE-Entscheidung erwischt. Anzeichen dafür habe es im Vorfeld „nullkommanull“ gegeben, erklärte der Sportliche Leiter der HSG, Rolf Linnemann – da drängt sich die Frage auf, ob man nicht vorher zumindest mal hätte miteinander sprechen können. Andererseits muss auch die Frage erlaubt sein, ob man seitens der HSG nicht doch auch Schwingungen hätte registrieren können, dass nicht alles rund läuft – vieles bleibt Spekulation.

Was bleibt als Fazit? Gewinner gibt es in dieser Sache nicht. Die HSG Schwerte/Westhofen nicht, die diesen Schlag in die Magengrube erstmal verarbeiten muss. Die HVE Villigst-Ergste aber auch nicht. Und erst recht kein Gewinner ist der Schwerter Handball an sich. Denn perspektivisch betrachtet ist das Ende der Kooperation für die Sportart in unserer Stadt ganz sicher ein Rückschritt.

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Redaktion Schwerte
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Michael Doetsch