EINBLICKE IN DIE SPORTREDAKTION

Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.
Seit mehr als 20 Jahren verantworte ich den Lokalsportteil der Schwerter Ruhr Nachrichten. © Foto: Manuela Schwerte

Hallo, mein Name ist Michael Dötsch. Ich bin 1966 geboren, schreibe seit 1987 für die Ruhr Nachrichten und bin seit April 2000 als Redakteur für den Lokalsport in Schwerte zuständig.

Ich mag es an meinem Job vor allem, dass jeder Tag anders ist – es passiert eben ständig etwas Neues, das es an unsere Leser weiterzugeben gilt. Das gilt auch für persönliche Geschichten aus dem Bereich des Schwerter Lokalsports, dessen Berichterstattung sich nicht auf die so genannten 1:0-Spielberichte beschränkt – im Gegenteil.

Reizvoll macht den Beruf des Lokalsportredakteurs aus meiner Sicht auch die Abwechslung zwischen der Arbeit am Schreibtisch (zurzeit überwiegend im Homeoffice) und „draußen“ (in Lockdown-Zeiten derzeit eher selten) sowie der Kontakt zu immer neuen Menschen.

Auch wenn jeder Tag unterschiedlich abläuft, gibt es gewisse Fixpunkte bei der Arbeit. Heute nehme ich Sie einmal mit in den Redaktionsalltag und verrate Ihnen, wie so ein Tag normalerweise abläuft.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Der erste Blick geht am Morgen meist auf die Arbeit vom Vortag: Wie sehen die online und in der Zeitung erschienen Artikel aus? Gibt es Reaktionen der Leser, direkt auf unserer Website oder in den Sozialen Medien? Welche Beiträge wurden am meisten gelesen?

Der wichtigste Schritt am Morgen: Welche Themen sind aufgetaucht? Wo lohnt es sich, noch einmal nachzuhaken? © Michael Doetsch © Michael Doetsch

Dann wird der Posteingang auf den verschiedenen Kanälen gecheckt: E-Mail, WhatsApp, Facebook etc. Online schaue ich mich dann noch vor der Redaktionskonferenz im Netz um. Was gibt es Neues in der Welt des (Lokas-)Sports? Finden sich interessante Themen, werden entsprechende Vermerke in unserem Redaktionssystem angelegt.

Ein kurzes Treffen: Die Konferenz

Der Austausch mit den Kollegen ist enorm wichtig – gerade in Zeiten von Corona, wo die meisten aus dem Homeoffice arbeiten und der direkte Kontakt in der Redaktion wegfällt. Die turnusmäßige Konferenz mit den Kollegen des Dortmunder und Castrop-Rauxeler Lokalsports, mit denen Schwerte eine regionale Lokalsportredaktions-Einheit bildet, findet um 10 Uhr statt.

Hinzu kommt einmal wöchentlich – jeweils montagsnachmittags – eine Konferenz, in der alle Lokalsportredakteure des gesamten Verbreitungsgebietes des Medienhauses Lensing zusammengeschaltet werden. Neben Schwerte, Dortmund und Castrop sind dies noch Unna/Holzwickede, Lünen, Werne, Selm, Haltern, Dorsten und Ahaus. Hier geht es häufig um Lokalsport-Themen, die redaktionsübergreifend relevant sein könnten.

Derzeit finden die Konferenzen nur digital statt. © Michael Doetsch © Michael Doetsch

In den Konferenzen werden die Themen nach ihrer Wichtigkeit für den Leser sortiert, dann wird das genaue Vorgehen für die Erstellung eines Beitrags beraten. Ist ein Vorort-Termin möglich oder genügt die telefonische Recherche? Auch wird besprochen, welche Textform für welches Thema die passende ist – zum Beispiel Reportage, Interview, Kommentar, Bilderserie, oder bei dringenden Nachrichten eine Eilmeldung.

Ein regelmäßiger Austausch – in der Regel über Microsoft Teams – findet zudem mit den Kollegen der Schwerter Lokalredaktion statt. Denn hin und wieder gibt es auch Themen (zum Beispiel sportpolitischer Natur), die für beide Bereich (Lokales und Lokalsport) interessant sein könnten. Hier gilt es dann, eine Absprache zu treffen, in welchem Ressort der jeweilige Artikel erscheinen soll – auch um mögliche Doubletten zu vermeiden.

Was will der Leser wissen? Die Themenfindung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, passende Themen zu finden. Viele Vorschläge tragen unsere Leser an uns heran. Im Fall der Sportredaktion sind das oft Funktionäre aus den Sportvereinen- oder Verbänden, die uns auf ein Thema aufmerksam machen. Unser Anspruch ist es aber, vor allem eigene Themen zu setzen. Besondere Menschen im Sport genauer vorstellen, auf Probleme hinweisen, aber auch unterhaltsame Themen beleuchten – immer geleitet von der Frage: Was will und was sollte unser Leser wissen?

Für mich als Sportredakteur sind normalerweise auch der Samstag und Sonntag wichtige Arbeitstage, schließlich finden hier die meisten Sportveranstaltungen statt. Dabei geht es nicht nur darum, mir ein Bild von z.B. einem Fußball-, Handball- oder Volleyballspiel zu machen, über das ich anschließend berichte. Sondern Vor-Ort-Termine dienen auch immer dazu, interessante Gespräche führen, aus denen nicht selten die nächste Geschichte entsteht.

Sportveranstaltungen und Spiele finden derzeit nicht statt. Aber dort ergeben sich meist die schönsten Geschichten. © Bernd Paulitschke (A) © Bernd Paulitschke (A)

Auf Spurensuche: Die Recherche

Die typische Annäherung an ein Thema sieht in etwa so aus: Ich erhalte die Informationen von einem Vereinsvertreter, der (meistens telefonisch oder per Mail) mitteilt, dass er zur neuen Fußballsaison einen neuen Trainer verpflichtet hat. Es wird kurz beschrieben, um wen es sich handelt, im Idealfall ist eine kurze Vita enthalten.

Diese Informationen würden mir aber für einen Beitrag nicht genügen. So folgen in der Regel noch ein persönliches Treffen und/oder ein paar Telefonate. Warum macht denn der bisherige Trainer nicht weiter? Warum passt der neue Trainer gut zum Verein? Wie tickt er so und welche Ziele verfolgt er? Ich versuche erst einmal, so viele Informationen zu sammeln wie möglich. Dabei helfen in erster Linie Gespräche, aber auch Google und Co.

Die beste Art der Recherche ist das persönliche Gespräch – und im Optimalfall hat man viele verschiedene Blickwinkel. © Foto: Manuela Schwerte © Foto: Manuela Schwerte

Je heikler ein Thema ist, zum Beispiel ein Spielabbruch, desto mehr Quellen brauchen wir, um unseren Lesern ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können.

Die heiße Phase: Finalisieren und schreiben

Sind alle Informationen zusammengetragen, geht es ans Schreiben. Am Anfang steht die Überlegung, wie ich den Beitrag aufbauen will, mit welchem Satz ich den Artikel beginnen könnte, welcher rote Faden sich durch den Text ziehen sollte. Habe ich dieses Gerüst im Kopf stehen, ist der eigentliche Schreibprozess relativ schnell erledigt.

Der anspruchsvollste Teil dabei ist aber immer aufs Neue die Überschrift. Sie soll den Kern des Artikels zeigen, den Leser aber vor allem dazu anregen, den Text möglichst von Anfang bis Ende zu lesen. Steht der Text, kommt noch eine weitere wichtige Aufgabe: die Suche nach einem passenden Bild. Je komplexer das Thema, desto schwieriger, es in einem Foto abzubilden.

Bei größeren Veranstaltungen erstellen wir meist auch eine Fotostrecke, immer öfter auch Videos. Dieses Material muss gesichtet und bearbeitet werden. Sind die einzelnen Elemente zum fertigen Beitrag zusammengefügt, schaut mindestens ein Kollege noch einmal gründlich drüber – es gilt das Vier-Augen-Prinzip.

Ist der Text fehlerfrei? Ist er verständlich geschrieben? Erhält der Leser alle nötigen Informationen? Ist das alles der Fall, dann wird der Beitrag für unsere Webseite freigegeben und/oder mit dem Redaktionssystem auf der Zeitungsseite platziert.

In den Anfangszeiten meiner Tätigkeit als Schwerter Lokalsportredakteur spielten Online-Artikel (zum Beispiel Liveticker-Berichterstattung vom Amateurfußball), Soziale Medien oder auch Videos vom Spielfeldrand eine untergeordnete oder noch gar keine Rolle. Hier hat sich im Laufe der Jahre Vieles weiterentwickelt, sodass es nie langweilig wird – auch das ist das Reizvolle an meinem Job.

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