In der australischen Metropole Melbourne ist mit etwa 4,3 Millionen Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt des australischen Kontinents. © picture alliance/dpa
Schwerte

Ein Schwerter ist beruflich in Australien, sitzt aber im Hotelzimmer fest

Täglich wird der 27-jährige Schwerter auf Corona getestet - jedes Mal negativ. Und trotzdem ist er in Australien in strenger Quarantäne und darf erstmal 14 Tage lang nicht vor die Tür.

Nach langem Flug ist ein junger Schwerter am vergangenen Freitag wohlbehalten in Melbourne gelandet. Das heißt aber nicht, dass er sich in der australischen Metropole so bewegen kann, wie er es gerne hätte – Geduld ist gefragt.

Markus Paszehr weiß es zu schätzen: Dass er in diesen Corona-Zeiten das tun kann, was er tut, ist keine Selbstverständlichkeit. „Ich genieße es als ein krasses Privileg, dass ich jetzt hier sein kann“, sagt der 27-jährige Schwerter.

Wir sprechen mit ihm am anderen Ende der Welt. Paszehr sitzt in einem Hotel in Australiens Metropole Melbourne. Für den TV-Sender Eurosport ist der freie Journalist dorthin geflogen, um von den Australian Open zu berichten. Das Grand-Slam-Tennisturnier beginnt am 8. Februar.

Ein etwa ein Jahr altes Foto aus der Vor-Corona-Zeit: Auch 2020 berichtete Markus Paszehr schon von den Australian Open. © Markus Paszehr © Markus Paszehr

Paszehr hat viel Zeit in diesen Tagen. Am vergangenen Freitag ist er in Australien gelandet und musste sich auf direktem Weg in Quarantäne begeben. Die strengen Corona-Regeln, mit denen die australische Regierung die Pandemie bekämpft, lassen Paszehr keine andere Wahl, als die 14 Tage nach seiner Ankunft auf dem Hotelzimmer zu verbringen.

„Die Tür darf ich nur öffnen, wenn das Essen kommt“

„Die Tür darf ich nur öffnen, wenn das Essen kommt. Oder wenn vom Personal geklopft wird“, berichtet der Schwerter. Wenn er das erzählt, klingt das ziemlich emotionslos – es muss eben sein, und man hat es zu akzeptieren. Nicht alle sehen das so entspannt wie er. Vor allem nicht die Tennisprofis, von denen einige ebenfalls in Paszehrs Hotel untergebracht sind.

Auch die deutsche Top-Spielerin Angelique Kerber, die Markus Paszehr vor einem Jahr in Melbourne interviewt hat, befindet sich zurzeit in strenger Quarantäne.

Die eigentlich vorgesehene Regelung, dass die Spielerinnen und Spieler pro Tag für vier Stunden zum Training das Hotel verlassen dürfen, gilt nicht für alle. Denn ganz ohne Positiv-Tests ist die Ankunft des internationalen Tennis-Trosses in Australien nicht erfolgt. Und wer das Pech hatte, in einem Charter-Flieger zu sitzen, aus dem jemand positiv getestet wurde, der darf eben 14 Tage gar nicht mehr das Zimmer verlassen – so wie Markus Paszehr, der dieses „Schicksal“ unter anderem mit der deutschen Topspielerin Angelique Kerber teilt.

Zudem wird der Schwerter trotz der strengen Quarantäne jeden Tag aufs Neue getestet – eine Prozedur, die nicht immer angenehm ist. „Das hat auch viel mit der Tagesform des Testers tun. Manchmal rammen sie einem das Stäbchen so in die Nase, dass die Tränen kommen“, erzählt er.

Und immer ist mit der Testung ein kurzer Moment der Nervosität verbunden – so unwahrscheinlich es auch ist, dass ein unerwünschtes Ergebnis herauskommt. „Alles steht und fällt mit dem negativen Test“, macht Paszehr deutlich. Aber keinesfalls will er so verstanden werden, dass er sich über seine Situation beklagt – im Gegenteil. Die Vorfreude, über das Turnier berichten zu dürfen, ist groß.

Ein Temperatur-Unterschied von 40 Grad

Das Tennisturnier „Down Under“ ist für den freien Journalisten schon sein zweites berufliches Highlight des jungen Jahres 2021. Denn auch bei der Vierschanzentournee der Skispringer war Paszehr für Eurosport im Einsatz, was für ihn einen Temperatur-Unterschied von rund 40 Grad binnen weniger Tage mit sich bringt. „Ich komme von minus 10 Grad und Schnee zu plus 30 Grad und Sonne“, erzählt er launig.

Nur wenige Tage vor seinem Trip nach Australien war Markus Paszehr noch für Eurosport bei der Vierschanzentournee der Skispringer im Einsatz, hier in Garmisch-Partenkirchen. © Markus Paszehr © Markus Paszehr

Über zu wenig Beschäftigung kann Paszehr also nicht klagen in diesen Tagen. Er weiß das zu schätzen, vor allem vor dem Hintergrund seiner Situation vor rund zehn Monaten. „Eigentlich hatte ich ein ausgebuchtes Jahr 2020. Aber dann kam Corona – und plötzlich war alles weg“, blickt er zurück.

Auch der fest eingeplante Trip nach Tokio im Sommer – die Absage der Olympischen Spiele war aus seiner Sicht die ärgerlichste aller coronabedingten Absagen von Sportveranstaltungen, wenngleich er die Entscheidung komplett nachvollziehen konnte. „Aber beruflich und privat war es einfach sehr schade“, so der Schwerter.

Markus Paszehr: „Das Blatt hat sich gewendet“

„Doch jetzt hat sich das Blatt zum Glück gewendet“, so Paszehr weiter, der nun in den Genuss kommt, bereits zum dritten Mal nach 2019 und 2020 vom fünften Kontinent über die Australian Open berichten zu dürfen.

Und nochmal geht Paszehrs Blick zurück. Auch vor einem Jahr war er für Eurosport in Australien – Corona war da noch kein Thema. Plötzlich dann aber doch, denn nach dem Turnier hatte Paszehr noch einen Neuseeland-Urlaub angehängt und konnte letztlich froh sein, noch halbwegs ungehindert nach Hause fliegen zu können. „Ich war Ende Februar einer der Letzten, die da rauskamen“, erinnert er sich.

Markus Paszehr vor dem Abflug am Frankfurter Flughafen. © Markus Paszehr © Markus Paszehr

Nun ist Paszehr also wieder für Eurosport vor Ort – beileibe keine Selbstverständlichkeit. Denn in Corona-Zeiten hat der Sender deutlich weniger Personal auf die Reise geschickt als das normalerweise der Fall ist. Für Paszehr bedeutet dies, dass der Fokus seiner Arbeit diesmal nicht nur auf dem deutschen Markt liegt.

„Man kann es vorher nie genau sagen, aber es könnte bei besonderen Ereignissen gut vorkommen, dass ich auch mal per Schalte mit den Kollegen in den Studios in London oder Madrid sprechen werde.“ Da macht es sich bezahlt, dass Paszehr fließend spanisch und englisch spricht.

Ohnehin kommt ihm seine Vielseitigkeit zugute. Der Begriff „Schweizer Taschenmesser“ sei schon mal gefallen auf die Frage, was denn in Australien eigentlich sein Job für Eurosport ist. Will heißen: Paszehr ist als „Allzweckwaffe“ für den Sender unterwegs. Der klassische Reportereinsatz und Interviews gehören genauso dazu wie das Produzieren von Beiträgen für die digitalen Kanäle und die TV-Livestrecke des Senders.

Hoffnung auf einen halbwegs coronafreien Urlaub

Und wenn das Turnier dann am 22. Februar hoffentlich planmäßig über die Bühne gegangen ist, wird er auch in diesem Jahr wieder noch einen Urlaub dranhängen – mit der berechtigten Hoffnung, dass er ihn dann weitgehend coronafrei genießen kann. Denn die Australier haben die Pandemie-Lage anscheinend in den Griff bekommen – durch ihre strengen Quarantäne-Maßnahmen. Maßnahmen, die Markus Paszehr noch ein paar Tage aushalten muss.

Aber mit der Aussicht auf das, was danach kommt, werde er das gut hinkriegen, meint er.

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Redaktion Schwerte
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Michael Doetsch

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