Die 20. Schwerter Hallenfußball-Stadtmeisterschaften 2006 fanden ein umstrittenes Ende. © Manuela Schwerte
Hallenfußball-Stadtmeisterschaften

Ein Nationaltrainer zaubert und ein Wembley-Tor entscheidet die Titelkämpfe

Zum 20. Mal wurde der Schwerter Hallenmeister 2006 ausgespielt. Der überragende Spieler startete eine große Trainer-Karriere. Die Entscheidung zum Titelgewinn fiel dagegen höchst umstritten.

Die Stadtmeisterschaft 2006 war eine Jubiläumsausgabe. Zum 20. Mal wurde der Schwerter Hallenmeister ausgespielt. Der Budenzauber war angesagt, die Gänsewinkel-Sporthalle einmal mehr rappelvoll. Zum letzten Mal, denn 2007 erfolgte der Umzug in die Halle Nordwest (heute Alfred-Berg-Spothalle).

Im Finale trafen zwei Favoriten aufeinander. Beide Teams lieferten sich ein packendes Spiel, welches sogar in die Verlängerung musste. Doch das Endspiel endete letztlich mit einem umstrittenen Tor – einem Wembley-Tor im Gänsewinkel.

Eine große Überraschung gab es auch. Ein B-Ligist mischte das Turnier kräftig auf. Die Torjäger waren sich uneins. Gleich vier Spieler waren am Ende vorne. Und ein Akteur wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt, der später Trainer in der Bundesliga und auf europäischer Bühne wurde und heute Nationaltrainer ist.

Vier Spieler in der Torjägerliste vorne

Die „Roten“ und die „Blauen“ torhungrig

Die Vorrunde verlief ohne größere Überraschung. Mit dem ETuS/DJK und dem VfL Schwerte waren zwei Teams schon am ersten Tag auf Betriebstemperatur. Sowohl die „Roten“ als auch die „Blauen“ legten drei Siege hin und erzielten jeweils 20 Tore.

Beide Mannschaften setzten sich auch in der Zwischenrunde in ihrer Gruppe durch und ließen den FC Garenfeld und die VfL-Zweitvertretung hinter sich. In der Parallelgruppe machte auch der Geisecker SV das Halbfinale klar, jedoch nur als Zweiter.

Die „Kleeblätter“ werden überrascht

Der B-Ligist SG Eintracht Ergste sorgte für Furore und gewann alle drei Spiele. Zum Auftakt hatte Ergste die „Kleeblätter“ mit 3:1 überrascht. Nach Toren durch Marco Bornemann und Thorsten Kramer machte Spielertrainer Hannes Wolf mit zwei Treffern den Sieg perfekt.

Der B-Ligist SG Eintracht Ergste mit Spielertrainer Hannes Wolf (2.v.li.) war das Überraschungsteam 2006. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Die Geisecker drehten dann aber auf und gaben dem TuS Wandhofen mit 6:0 und dem VfB Westhofen mit 7:0 keine Chance. Westhofen, damaliger Bezirksliga-Rivale der Geisecker, war damit ausgeschieden.

Kramer und Minuth treffen zum Finaleinzug

Geisecke kämpfte sich dann auch ins Endspiel vor. Thorsten Kramer und Tim Minuth trafen gegen den ETuS/DJK Schwerte, der durch Dennis Frohn zehn Sekunden vor dem Ende nur noch den Anschlusstreffer erzielen konnte.

Ungeschlagen zog der VfL Schwerte anschließend ins Finale ein. Dem bravourösen Underdog aus Ergste ließen die Blau-Weißen keine Chance. Berkan Vardi (2) und Tim Schöps sorgten nach sieben Minuten in einem einseitigen Spiel für die Vorentscheidung. Tobias Schäfer, Kamil Bednarski und Matthias Roos schraubten das Endergebnis sogar noch auf 6:0.

Ergste holt Platz drei

Damit war der Siegeslauf Eintracht jäh gestoppt. Die Wolf-Elf hatte begeistert und belohnte sich im kleinen Finale. Hannes Wolf selbst besorgte mit einem tollen Drehschuss im Fallen das 1:0. Doch Michel Grams gelang zwei Minuten später der Ausgleich. Den 2:1-Siegtreffer der Ergster erzielte Marco Bornemann.

Bornemann hatte damit acht Turniertore erzielt und war Teil eines Quartetts, welches sich die Torjägerkanone teilen musste. Kamil Bednarski (VfL Schwerte), Thorsten Kramer (Geisecker SV) und Sascha Engelberg (FC Garenfeld) kamen ebenfalls auf acht Treffer.

Abschied von Hannes Wolf

Zum Spieler des Turniers wurde Hannes Wolf gewählt. Wolf, der am Ende der Saison Ergste verließ wurde über den Umweg ASC Dortmund und Borussia Dortmund (Jugend und 2. Mannschaft) Trainer des VfB Stuttgart, den er in die Bundesliga zurückführte, und Hamburger SV. Nach seiner Entlassung beim belgischen RC Genk im September 2020 ist er nun U18-Nationaltrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Hannes Wolf von der SG Eintracht Ergste erhielt aus den Händen von Rudi Pohl den Pokal für den besten Spieler des Turniers. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Die Endspielpaarung bei den Hallentitelkämpfen 2006 hieß also Geisecker SV gegen den VfL Schwerte. Zum dritten Mal standen sich diese beiden Mannschaften in einem Finale gegenüber. 2000 und 2003 hatten die Blau-Weißen vom Schützenhof jubeln dürfen.

Und Mehmet Aslan, heute Sportlicher Leiter beim Westfalenligisten BSV Schüren, brachte den VfL Schwerte auch in der dritten Minute in Führung. Thorsten Kramer brachte seine Geisecker aber mit dem 1:1 zurück. Aladdin Zafer bei Geisecke und Aslan kassierten in einer hektischen Schlussphase je eine Zeitstrafe, doch die Partie ging in die Verlängerung.

Die Emotionen kochen hoch

Nun kochten die Emotionen in die Höhe. Aslan ging äußerst ungeschickt gegen Geiseckes Schlussmann David Sobral zu Werke und sah Rot. Und damit nicht genug, wurde das Finale schließlich durch ein umstrittenes Tor entschieden.

Die Freude kannte keine Grenzen. Der Geisecker SV konnte seinen Titel erfolgreich verteidigen. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Aladdin Zafer hatte von der linken Seite geschossen, „Tiese“ Roos fälschte den Schuss ab und der Ball segelte in Richtung leeres Tor. Berkan Vardi schlug den Ball volley aus dem Tor. War der Ball noch auf der Linie oder doch bereits dahinter? Es wird nie definitiv bewiesen werden können. Erinnerungen an das berühmte Wembley-Tor im WM-Endspiel von 1966 wurden wach.

Die Nerven liegen blank

Der Schiedsrichter entschied auf Tor. Beim VfL lagen die Nerven blank. Co-Trainer Axel Knicker, der das Team für seinen „Chef“ Ralf Fischer in der Halle coachte, sprintete auf den Unparteiischen zu, doch alle Proteste waren vergebens. „Sechs Leute rannten sofort auf mich zu und sagten, der Ball sei bei weitem nicht hinter der Linie gewesen. Ich frage mich, wie der Schiedsrichter das von der Mittellinie sehen konnte“, echauffierte sich Knicker nach dem Spiel.

Jubel beim alten und neuen Stadtmeister Geisecker SV mit Aladdin Zafer (vorne) sowie dem Trainerduo Mario Schad (li.) und Senol Kavak dahinter. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Die „Kleeblätter“ aber feierten. Im dritten Final-Duell mit dem VfL Schwerte hatte der Geisecker SV mit seinem Trainerduo Mario Schad und Senol Kavak diesmal die Nase vorn und konnte seinen Titel aus dem Vorjahr, wenn auch glücklich, verteidigen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jörg Krause (Jahrgang 1967) ist seit Mitte der 1990er-Jahre als freier Mitarbeiter in der Schwerter Lokalsportredaktion unterwegs. Vor allem in Sachen Fußball ein wandelndes Lexikon.
Zur Autorenseite
Jörg Krause

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.