Daniel Joe Adriano im Kreise seines Teams, der zweiten Mannschaft des VfL Schwerte. © Manuela Schwerte
Fußball

Aus Giuliana wurde Daniel Joe – als Transgender-Mann beim VfL Schwerte

Bis vor acht Jahren hieß er noch Giuliana, jetzt Daniel Joe und ist Transgender-Mann. In der 2. Mannschaft des VfL Schwerte hat er seine sportliche Heimat gefunden. Was nicht selbstverständlich ist.

Anzügliche Sprüche, respektlose Bemerkungen, offene Ablehnung, Mobbing: Das kennt Daniel Joe Adriano nur zu gut. Der 26-jährige Schwerter hieß nicht immer so. Bis vor knapp acht Jahren war er Giuliana, war offiziell weiblich und spielte bis zu seinem 16. Lebensjahr bei den Mädchen des TuS Wandhofen Fußball. Seit Januar 2020 gehört er dem VfL Schwerte an und ist spielberechtigt für die 2. Männermannschaft.

Den VfL Schwerte von Anfang an als offenen Verein kennengelernt

Er ist Transgender-Mann. Und hat den VfL Schwerte und seine Mitglieder ausschließlich als „offenen Verein kennengelernt, der mit seinem Geschlecht keine Probleme habe.“ Durchaus eine positive Ausnahme. Akzeptanz und Aufklärung fehlen oftmals – in der Gesellschaft, im Fußball, im Job. Da spielt es auch keine Rolle, dass bei der letzten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ eine Transfrau unter den Kandidatinnen war.

„Seit zwei, drei Jahren ist die Gesellschaft offener geworden“

Vor einigen Jahren war die Gesellschaft noch nicht so weit, obwohl der Schwerter von Anfang an offen mit der Thematik umgegangen sei und viel darüber erzählt habe. Zumindest denjenigen, die Interesse hatten. Daniel Joe Adriano: „Seit zwei oder drei Jahren ist das anders geworden. Das Thema ist präsenter in der Gesellschaft und wird von den Medien stärker aufgenommen.“

Auf dem Schützenhof hat Daniel Joe Adriano seine sportliche Heimat gefunden. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Es war ein langer, schmerzhafter Prozess, den Daniel Joe Adriano durchgemacht hat. In der Schule wurde er oft gemobbt, wegen seines Aussehens („ich war nicht weiblich genug“), als „Mannsweib“ und Ähnliches verunglimpft. Später, nach Abschluss der Gesamtschule, gab es die verschiedensten Beleidigungen, „weil man der LGBTQ angehört.“ Besonders der Sportunterricht sei eine Qual gewesen. Wegen der Note habe er teilweise teilgenommen, ansonsten sei er krank gewesen oder hatte verschiedenste Ausreden.

Mit 16 Jahren outete er sich, bei Freunden bei der Familie, hörte mit dem Mädchenfußball beim TuS Wandhofen auf. „Ich fühlte mich einfach im falschen Körper. Endlich war die Heimlichtuerei zu Ende. Allerdings hatte ich richtig Angst, wie das angenommen wird.“ Die Reaktion war erfreulich. „Eigentlich wussten das alle schon, oder hatten es zumindest geahnt.“

Ein langer und schmerzhafter Weg durch die Institutionen

Der erste Schritt war getan. Danach folgte der gesetzlich vorgeschriebene Gang durch die Institutionen, der Beginn der sogenannten Transition mit seinen vielen Facetten: biochemische, anatomische, psychologische, juristische.

Zuerst ging’s zum Hausarzt, dann zum Therapeuten, später zur psychologischen Behandlung. Im Alter von 17 Jahren begann die Hormonbehandlung. Vom Outing bis zur Personenstandsänderung im März 2014 waren zwei Jahre vergangen.

Eine ebenso lange wie unangenehme Zeit mit zwei Gutachten und einem Termin bei Gericht. Daniel Joe: „Die Überprüfung durch die Therapeuten war sehr genau, da die Angleichung irreversibel ist. Und mit sehr direkten, aber auch sehr intimen und persönlichen Fragen und Gesprächen. Für die Betroffenen ist das sehr unangenehm, da manches nicht mit der Geschlechtsidentität in Verbindung gebracht werden sollte oder müsste.“

Neun Jahre nach Abschied aus Wandhofen: Neustart beim VfL

Damit nicht genug. Ein Jahr nach der Personenstandsänderung folgte die erste Operation, fünf Jahre später die achte OP.

Neun Jahre nach seinem Abschied als Giuliana aus Wandhofen meldete er sich dann als Daniel Joe beim VfL Schwerte an, sprach mit Geschäftsführer Frank Samson darüber, dass er ein Transgender-Mann sei und ob die Akzeptanz im Verein dafür vorhanden sei. War sie, von Anfang an. „Alle im Verein haben mich so akzeptiert, wie ich bin“, freute sich Daniel Joe über die tolle Resonanz beim VfL. Andererseits weiß auch er, dass es immer noch Vorurteile gibt, nicht nur im Fußball. Es gibt jede Menge Widerstände in den Klubs, bei den gegnerischen Teams, bei Schiedsrichtern.

Eigener Blog für mehr Offenheit und Akzeptanz

Den VfL Schwerte sieht er als „positives Beispiel dafür an, dass es funktionieren kann. Hier kann man sich wohlfühlen“. Daniel Joe will durch Offenheit in der Öffentlichkeit für mehr Akzeptanz sorgen, betreibt den eigenen Blog: goyourwaystrong.de und hat auch beruflich neue Ziele ins Auge gefasst. Seine Ausbildung als bautechnischer Assistent hat er abgeschlossen, jetzt studiert er soziale Arbeit in Dortmund.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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