Beim SC Hennen, mit dem er 2011 in die Landesliga aufstieg, arbeitete Peter Habermann als Trainer sehr erfolgreich. © Bernd Paulitschke
Fußball

Auch ohne Laptop hat Peter Habermann (71) einen guten Draht zu jungen Spielern

Peter Habermann sagt diesen Satz mehrfach während des Gespräches: „Das war eine schöne Zeit“. So klingt ein Vollblut-Fußballer, der auf eine ansprechende Karriere zurückblicken kann.

An der Seitenlinie stünde Peter Habermann mit seinen 71 Jahren auch jetzt noch – wenn Corona die Amateurkicker zurzeit nicht ausbremsen würde. Beim FC Iserlohn trainiert Habermann gleich zwei Teams: die zweite Mannschaft (Kreisliga B) und die U19-Junioren, die in der A-Junioren-Landesliga an der Tabellenspitze stehen.

Dass seine Fähigkeiten als Übungsleiter nach wie vor gefragt sind, steht kaum in Frage. Er stehe für die „alte Schule“ sagt Habermann – zur Generation der Laptop-Trainer zählt er ganz sicher nicht. „Was bringt dir ein Laptop, wenn du deine Spieler nicht erreichst?“ fragt er. Auch ohne moderne Kommunikationsmittel habe er nach wie vor einen guten Draht zu seinen Schützlingen, die mittlerweile zum Teil mehr als 50 Jahre jünger sind als ihr Trainer.

Ein wesentlicher Teil in Habermanns Trainerleben ist der SC Hennen. Vor ziemlich genau 20 Jahren präsentierte der damalige Hennener Fußball-Chef Heiner Camen mit Habermann und Stefan Kolatke ein Trainergespann für die Kreisliga A, das zur Saison 2001/02 das Zepter im Naturstadion übernahm – allerdings nur für zwei Jahre.

Vor ziemlich genau 20 Jahren wurden Peter Habermann (2.v.li.) und Stefan Kolatke (2.v.re.) erstmals beim SC Hennen als Trainergespann vorgestellt, umrahmt vom Vorstand Heiner Camen (li.) und Klaus Angelkorte (re.). © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Ein identisches Bild bot sich dann aber im November 2008: Immer noch war Camen der Vorsitzende, der zum zweiten Mal das Gespann Habermann/Kolatke präsentierte. Mittlerweile waren die „Zebras“ ein Bezirksligist, der allerdings in akuter Abstiegsgefahr schwebte.

Im November 2008 wurden Peter Habermann (2.v.li.) und Stefan Kolatke (2.v.re.) zum zweiten Mal beim SC Hennen als Trainergespann vorgestellt, umrahmt vom Vorstand Heiner Camen (li.) und Marco Vorländer (re.). © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Dass es damals nicht zurück in die Kreisliga ging, lag an einem Spiel, das ganz sicher zu den Highlights der jüngeren Geschichte der Hennener Fußballabteilung gehört. Peter Habermann weiß es noch genau: „Es war in Finnentrop – wir mussten gewinnen, um drin zu bleiben. Und dann trifft Cem Turcan kurz vor Schluss zum 3:2 in den Knick.“

Die Mission Klassenerhalt, für die Habermann geholt worden war, hatte er erfüllt. Und zwei Jahre später folgte mit dem Aufstieg in die Landesliga das nächste Glanzlicht der „Zebra“-Historie. „Damals hatten wir eine richtig gute Mannschaft zusammen. Die würden heute in der Landesliga weit oben stehen“, meint Habermann. Die Brüder Mantovani, Torben Ochs, Aykan Kutlu oder auch Knipser Matijas Markovic fallen ihm spontan als prägende Spieler ein. „Die Truppe war auch charakterlich top. Es war mit meine schönste Zeit als Trainer“, sagt Habermann.

Eine Stufe höher siedelt er nur noch die Zeit als Nachwuchstrainer der Sportfreunde Oestrich an, mit deren A-Jugend er in den 1990er-Jahren in der A-Jugend-Bundesliga spielte. Nur allzu gerne denkt er an den Westfalenpokalsieg 1994 zurück, nach dem es weiterging bis ins Halbfinale um die Westdeutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Köln. Erst im Elfmeterschießen war Endstation.

Ein halbes Jahr beim VfL als Sportlicher Leiter

Weniger glücklich als seine Jobs als Trainer lief dagegen Habermanns kurzes Engagement als Sportlicher Leiter – eine Funktion, die er 2015 für ein halbes Jahr beim VfL Schwerte ausübte. „Da wurde ich nach meiner Meinung zu sportlichen Dingen gefragt, die man dann oft aber nicht hören wollte – das passte einfach nicht“, erinnert er sich.

Ein Foto aus aktiven Zeiten vor mehr als 50 Jahren: Peter Habermann als junger Spieler auf dem Schützenhof für den VfL Schwerte am Ball. © Ruhr Nachrichten © Ruhr Nachrichten

Die aktive Zeit, die Habermann auf dem Schützenhof verbrachte, war dagegen das genaue Gegenteil. „Einfach herrlich“ sei es für ihn damals gewesen, als Jungspund ein Teil des Teams in der großen Zeit des Vereins vom Schützenhof zu sein. „Als junger Dachs mit den ganzen abgezockten Jungs wie Wolfgang Kleff oder Siggi Feist. Ich weiß noch, wie es da im ersten Training sofort mal einen Tritt vors Schienbein gab – quasi zur Begrüßung, das war damals einfach so, das gehörte dazu“, erinnert er sich.

Unzählige weitere Anekdoten aus der guten alten Zeit könnte Peter Habermann noch erzählen – wobei er ganz sicher niemand ist, der im Gestern lebt. „Man sollte nicht immer davon reden, dass früher alles besser war“, meint der 71-Jährige – was ja nicht heißen muss, dass man seine lange Karriere nicht Revue passieren lassen darf.

Wenn Peter Habermann dies tut, hat er ein gutes Gefühl: „Bei keinem Verein, bei dem ich in den all den Jahren gewesen bin, hatte ich Zoff. Ich kann mich überall blicken lassen.“ Schön, wenn man so etwas über sich sagen kann.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch

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