Die Grünen-Vertreter Ulrike Trick, Hubert Kück und Stefan Steinkühler (v.l.) äußern Kritik an der vom Kreis geplanten "Regionalstelle Herdenschutz". © Berthold Fehmer

Wolf: Grüne kritisieren geplante Regionalstelle Herdenschutz

Um Weidetierhalter im Wolfsgebiet Schermbeck zu unterstützen, will der Kreis Wesel eine „Regionalstelle Herdenschutz“ einrichten. Heftige Kritik gibt es von den Grünen.

Ein Konzeptentwurf für die geplante „Regionalstelle Herdenschutz“ wird am Donnerstag (25. März) dem Kreistag vorgelegt – zur Kenntnis. Ulrike Trick, die die Grünen im Schermbecker Rat und im Kreistag vertritt, begrüßt die geplante Einbindung der Landwirtschaftskammer und der Kreistierzuchtberater.

Sie sagt aber auch, der Kreis solle erst einmal seine Hausaufgaben machen. Im Gahlener Torfvenn wies sie mit Hubert Kück (Kreis-Fraktionsvorsitzender) und Stefan Steinkühler (Grüne) am Mittwoch unter anderem auf ein entscheidendes Problem hin, das Tierhalter dort haben: den Landschaftsplan.

In dem Naturschutzgebiet dürften wolfsabweisende Zäune derzeit nicht errichtet werden, da in der „Unberührtheitsklausel“ diese nicht ortsüblichen Zäune, die höher als die gewöhnlichen sind, nicht als Ausnahmen geführt werden, so Trick. Auch notwendige Ställe, um Tiere nachts vor Übergriffen von Wölfen zu schützen, bräuchten eine Genehmigung. Dies seien Kreis-Aufgaben, so Trick.

Nicht gewerbliche Tierhalter sowie Pferde, Rinder und Kühe müssten zudem neben den Schafhaltern stärker in den Blick genommen werden, fordert Trick. Für sie gebe es etwa, wie bei den beiden bislang gerissenen Shetlandponys, keine Förderung für einen Herdenschutzzaun. Ein Meter davon koste rund 100 Euro.

„Gnade Gott dem Herdenschutzhund“

Herdenschutzhunde seien bei Pferden auch nicht sinnvoll. Schafe würden sich bei Gefahr zusammendrängeln, und der Hund sich zwischen Wolf und Schafe stellen. Trick: „Pferde sind Fluchttiere.“ Wenn diese vor einem Wolf flüchteten, „Gnade Gott dem Herdenschutzhund“, so Trick, falls er versuchen wolle, die Pferde aufzuhalten. Wenn Wolfsbefürworter nach Pony-Rissen argumentierten, „die haben ihr Pony nicht geschützt“, sei das „dumm und ignorant“, so Trick.

Eine Rinderherde auf der Flucht durchbreche auch Zäune, hat Stefan Steinkühler bereits in seiner Nachbarschaft beobachtet. Die Frage der Haftung, wenn dadurch Unfälle passierten, sei immer noch nicht geklärt.

„Verschleppung von Notwendigkeiten“

„Eine Verschleppung von Notwendigkeiten“ sieht Hubert Kück. Die Regionalstelle Herdenschutz streue „Sand in die Augen“, weil den betroffenen Tierhalter Hilfe etwa bei der Einzäunung suggeriert werde, aber zunächst die Voraussetzungen gegeben sein müssten, dass Zäune überhaupt gesetzt werden dürfen. Er fürchtet durch die neue Stelle ein „Kompetenzgerangel der Behörden“.

Wünschen würde sich Stefan Steinkühler, dass ein weiteres „Konfliktpotenzial“ entschärft würde: die Rissaufnahme durch Wolfsberater des LANUVs. Diese bewerten auch die Zäune, was regelmäßig zu Auseinandersetzungen führe. In Niedersachen seien beispielsweise die Jäger für das Monitoring zuständig.

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Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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