Der Winterdienst in Schermbeck kämpft derzeit gegen die Schneemassen. Bürgermeister Mike Rexforth sieht teilweise ein überzogenes Anspruchsdenken. © picture alliance / dpa
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Winterdienst: „Verrückt, was für ein Anspruchsdenken herrscht“

Die härtesten Tage dürfte der Winterdienst hinter sich haben - nun müssen die Schneemassen von den Straßen. Der Bürgermeister wundert sich: „Verrückt, was für ein Anspruchsdenken herrscht.“

Von Samstag- bis Montagabend hatte es in Schermbeck fast durchgängig geschneit. „Dem kann man nicht Herr werden“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth am Dienstag. Von 4 Uhr morgens bis 18 Uhr abends seit der Winterdienst „mit Mann und Maus“ ausgerückt. Die Mitarbeiter hätten „viel zu viele Stunden auf dem Tacho“, so Rexforth. „Mehr geht nicht!“

Wer die Sozialen Medien verfolgt, sieht aber schnell, dass einigen die Bemühungen nicht ausreichen. „Wir haben möglichst viel Man- und Maschinen-Power auf der Straße“, sagt Rexforth. 40 Kilometer Schermbecker Gemeindestraßen, insgesamt ein Netz von 330 Kilometern – das sei bei Wetterverhältnissen wie diesen nicht zu bewältigen. „Auch die Landes- und Bundesbetriebe kommen nicht nach“, sagt Rexforth.

„Wir sind vorbereitet auf normalen Schneefall“

Von einigen Anrufern habe er die Frage gehört, ob man nicht vorbereitet gewesen sei. „Wir sind vorbereitet auf normalen Schneefall“, sagt Rexforth, „aber nicht auf solche Mengen in so kurzer Zeit.“ Würde man entsprechend personell und maschinell aufrüsten, „dann gehen die Gebühren hoch und dann regt sich jeder darüber auf“, so Rexforth.

Er habe auch Anrufe aus den Außenbereichen erhalten, so Rexforth: Dort gelte der politische Beschluss, dass es keinen Winterdienst in den Außenbereichen gibt – nur bei Straßen mit Schülerbeförderung. Dafür zahlten die Anwohner aber auch keine Gebühren, gibt Rexforth zu bedenken.

Großes Lob an die Landwirte

Er lobt besonders die Landwirte, die derzeit einspringen. Am Dammerfeld, das nicht mehr zugänglich gewesen sei, hätten die Landwirte Schneeverwehungen von teilweise 1,50 Metern Höhe beseitigt. „Wir sind total dankbar, dass die uns unterstützen und Straßen freiräumen sowie gestrandete Autos und Lkw rausziehen. Das kann man nicht genug wertschätzen“, so Rexforth.

Man müsse sich angesichts dieser Erfahrungen Gedanken machen, „ob man mit Landwirten in Extremsituationen ins Gespräch kommen kann, dass sie uns offiziell unterstützen.“ Denn faktisch seien sie derzeit bei Hilfsaktionen nicht versichert. Dies müsse eigentlich „in einen rechtlich sauberen Rahmen“ gefasst werden, so Rexforth.

„Zusammenhalt zeigen“

Er appelliert an die Schermbecker, in den nächsten Tagen die Zähne zusammenzubeißen und Zusammenhalt zu zeigen. Sich gegenseitig zu helfen und sich vorsichtig auf dem Schnee zu bewegen. Bis Donnerstag wolle man die verkehrswichtigen Straßen wieder befahrbar haben. Auch angesichts der tiefen Temperaturen sei ein übermäßiger Einsatz von Salz dabei nicht empfehlenswert, weil es dann sehr glatt werden könne. „Oft ist es sicherer, eine festgefahrene Schneedecke entstehen zu lassen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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