Was ältere Damen bei Elektro-Fahrrädern oft falsch machen

dzE-Bike-Tag

Es sieht aus wie ein Fahrrad, reagiert aber in manchen Situationen ganz anders. Polizeihauptkommissar Arno Heinemann erklärte beim E-Bike-Tag, was vor allem ältere Damen oft falsch machen.

Schermbeck

, 07.05.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manches müssen sich gerade ältere Radfahrer abgewöhnen, wenn sie auf ein Elektrofahrrad umsteigen. Arno Heinemann, der beim E-Bike-Tag des Seniorenbeirats mit Polizeihauptkommissar Jürgen Lantermann am Dienstag auf dem Rathausplatz in Schermbeck einen Simulator und einen Parcours aufgebaut hatte, schult seit Jahren Senioren beim Umstieg auf Räder mit elektrischer Unterstützung.

„Straßenverkehr ist ein Fulltime-Job“

Bei vielen Aktionen im Straßenverkehr greife der Mensch auf Automatismen zurück, sagt Heinemann. Aber: „Straßenverkehr ist ein Fulltime-Job.“ Beim Pedelec sei es etwa wichtig, dass man bis zum Stillstand abbremse und dann erst absteige. Stattdessen würden aber gerade ältere Damen häufig nur leicht bremsen und dann abspringen, während das Fahrrad noch langsam vorwärts rolle. „Das Rad kriegt dadurch aber einen Impuls, dass es unterstützen soll und dann zieht das Rad die Frau bis ins nächste Schaufenster.“

Dieses Abspringen kennt auch Dominik Spahn vom Schermbecker „Bike Shop“. Seine Diagnose: Oft würden Räder mit zu großen Rahmen verkauft. Jürgen Lantermann hatte schon mal eine Frau bei einer Schulung der Polizei, der er von ihrem frisch im Fachhandel gekauften Rad dringend abraten musste, da es zu groß war. Oft würden Senioren auf 28er-Rädern bestehen, sagt Dominik Spahn. Den geringfügigen Geschwindigkeitsvorteil den solche Räder ohne E-Antrieb tatsächlich bieten, gibt es bei Pedelecs, die bis 25 km/h unterstützen, natürlich nicht.

Was ältere Damen bei Elektro-Fahrrädern oft falsch machen

Auf einem Parcours konnten die Besucher des E-Bike-Tags testen, wie das Pedelec in unterschiedlichen Situationen reagiert. © Berthold Fehmer

Spahns Erfahrung nach kommt es Senioren beim E-Bike-Kauf vor allem auf die Akku-Kapazität an. „Die wollen weite Touren fahren.“ Die durchschnittliche Geschwindigkeit einer Radfahrergruppe habe sich seit Einführung der E-Bikes auf 18 km/h erhöht. „Das ist schon richtig schnell.“

Wie sich Geschwindigkeit, Reaktionszeit und Bremsweg gegenseitig bedingen, konnte unter anderem Werner Machatschke auf dem Simulator ausprobieren, der von den Besuchern umringt war. Wie viele, die die Kombination aus Stand-Fahrrad, Computer und Bildschirm testeten, fuhr auch Machatschke so vorsichtig, dass Heinemann immer wieder ermuntern musste, nicht bereits viele Meter vor den potenziell gefährlichen Situationen schon abzubremsen.

Bei 22 km/h beträgt der Bremsweg gerade mal 2,5 Meter. Eine Reaktionszeit von 1,5 Sekunden würde aber einen Reaktionsweg von 9,5 Metern bewirken, sodass insgesamt 12 Meter Anhalteweg zustande kommen. „Welche Bremse ist denn die effektivere - Hinterrad- oder Vorderradbremse?“, fragte Heinemann die Senioren. Fast alle lagen falsch. Es ist die Vorderradbremse.

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