Erneut ist ein Pony im Wolfsgebiet Schermbeck gerissen worden. © AG Wolf
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Viertes Pony getötet: Verein glaubt an provozierte Wolfsrisse

Wieder ist ein Pony im Wolfsgebiet Schermbeck gerissen worden. Das vierte, seit Wölfe in die Region kamen. Der Verein Wolfsschutz-Deutschland klagt an: Die Risse seien provoziert.

Spaziergänger fanden das tote Pony am Mittwochmittag auf einer Weide am Kirchhellen-Wesel-Weg in Hünxe. Ein Kehlbiss scheint die offensichtliche Erklärung für den Tod des Tieres zu sein. Die DNA-Auswertung steht allerdings noch aus. Mit auf der nicht gegen Wölfe geschützten Weide standen zu dieser Zeit ein Großpferd und ein Kleinpferd, die unverletzt blieben.

Der Zaun um die Weide dürfte für Wölfe kein Hindernis gewesen sein.
Der Zaun um die Weide dürfte für Wölfe kein Hindernis gewesen sein. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

„Damit ist dies der vierte Riss bei Ponys/Kleinpferden innerhalb eines Jahres“, so Stefan Steinkühler vom Gahlener Bürgerforum, das mit seiner AG Wolf die Geschehnisse um den Wolf kritisch begleitet.

Das Bürgerforum verstehe nicht, „wie NRW-Umweltministerin Frau Heinen-Esser beim letzten Riss die Empfehlung aussprechen konnte, dass – sofern logistisch möglich – nur einzelne kleinere Pferde nicht über Nacht auf ungeschützten Weiden gehalten werden sollten. Anscheinend machen Wölfe auch vor drei Pferden auf einer Wiese, davon ein Großpferd, nicht halt“, so Steinkühler.

Das Bürgerforum fordert verlässliche und verbindliche Vorgaben, „wie man in NRW seine Pferde schützen kann und wer dafür aufkommt“. Auch müsse der NRW-Wolfsmanagementplan von 2016 mit dem Titel „Handlungsempfehlung für das Auftauchen einzelner Wölfe“ aktualisiert werden.

Wolfrisse provoziert?

Eine komplett andere Sichtweise hat der Verein Wolfsschutz-Deutschland. Einen Tag vor dem neuen Pony-Riss, also am Dienstag, stellte er auf seiner Homepage die Frage in den Raum: „Wolfsschutz-Deutschland e. V. klagt an: Provozieren Pferdehalter*innen absichtlich Wolfsrisse, um eine Abschussgenehmigung zu erhalten?“

Bei den ersten beiden Pony-Rissen im Oktober 2020 in Kirchhellen sowie im Januar 2021 in Hünxe hatte die DNA-Untersuchung keine konkreten Rückschlüsse auf Wölfin Gloria ergeben. Beim dritten Pony-Riss Anfang Oktober 2021 hatte Umweltministerin Heinen-Esser mitgeteilt, dass bei einer genetischen Überführung Glorias die Frage eines Abschusses erneut zu stellen sei.

Verwundert über „Stimmungsumschwung“

Verwundert zeigt sich der Verein Wolfsschutz-Deutschland über den „Stimmungsumschwung der sonst so besonnenen Umweltministerin“. Die Kleinpferde seien nicht geschützt gewesen, obwohl die Wölfin seit mehreren Jahren ihr festes Revier im Wolfsgebiet habe. „Es ist inzwischen auch hinlänglich bekannt, dass Wolfsrisse jährlich ab August zunehmen.“

Weidetierhalter, die wirklich besorgt um ihre Tiere seien, müssten „ab dieser Zeit besonders auf ihre Tiere achten“, so der Verein. „Die Größe eines Ponys entspricht in etwa der eines Damhirsches oder eines großen Schafs und passt damit auch in das Beuteschema eines Wolfs.“ Es sei den Mitgliedern des Vereins nicht begreiflich, wie Ponyhalter trotzdem „ihre Tiere praktisch auf dem Präsentierteller servieren“.

„Um Wölfe zu Rissen zu animieren“

„Unserer Meinung nach ist es offensichtlich, dass wie in Niedersachsen nun auch in NRW, Pferde alleine auf einsame Weiden gestellt werden, um Wölfe zu Rissen zu animieren“, so der Verein, der vom dritten Fall spricht, in dem Halter ihre Tiere „opfern“. „Was sie damit erreichen wollen, ist nicht schwer vorzustellen. Enttäuschend ist es, dass Heinen-Esser nun wohl tatsächlich auf die Abschusswünsche eingehen könnte.“ Der Verein appelliert an die Ministerin „sich nicht dem Druck der Agrar- und Jagdlobby zu beugen“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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