Der Angeklagte beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Christian Tünnesen-Harmes. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Verteidigung des Ex-Nottenkämper-Prokuristen: Untreuevorwurf unhaltbar

Die Verteidigung des Ex-Nottenkämper-Prokuristen hat die Untreuevorwürfe am Bochumer Landgericht als unhaltbar eingestuft. Das Provisionen-Verdienen sei üblich und erlaubt gewesen.

Im Bestechungs- und Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Prokuristen (58) der Firma Nottenkämper ist die Verteidigung am Donnerstag am Bochumer Landgericht in die Offensive gegangen. Es sei in der Firma Nottenkämper niemand vom Angeklagten hintergangen worden, hieß es.

„Die gesamte Konzeption des Vertragswerks spricht dafür, dass die Verrechnungsabrede bekannt war“, sagte Verteidiger Lars Brögeler mit Blick auf den Vorwurf, der Ex-Prokurist habe heimlich Provisionen eingestrichen. Die jüngsten (teils belastenden) Zeugenaussagen aus dem Haus Nottenkämper stufte der Verteidiger als „wenig plausibel“ ein.

Provisionen sollen „bekannt“ gewesen sein

Er verwies explizit auf ein vorheriges Direktgeschäft, bei dem der Angeklagte intern kritiklos völlig ähnlich gehandelt habe. „Die äußeren Umstände zeigen, dass den Beteiligten bewusst und bekannt war, dass der Angeklagte Provisionen verdienen würde“, so Brögeler.

Laut Anklage soll der Abfallmakler bei einer Lieferung von 181.000 Tonnen Eisensilikatsand verdeckt eine Provision in Höhe von 5,50 Euro pro Tonne eingestrichen und auf seine (aus einem Alt-Urteil herrührende) Millionenschuld bei dem Lieferanten anrechnen lassen haben. Der umweltrechtliche Vorwurf, 30.000 Tonnen Ölpellets in der Tongrube in Schermbeck entsorgt zu haben, ist im aktuellen Verfahren ausgeklammert. Der Prozess wird fortgesetzt.

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