Treffsichere Schützen erlegten Hühner - Schützenfest vor 90 Jahren

dzUefte-Overbecker Schützenfest

Nur alle fünf Jahre wird das Uefte-Overbecker Schützenfest gefeiert. An diesem Wochenende ist es wieder so weit. Wie es vor 90 Jahren zuging und warum Hühner um ihr Leben fürchten mussten.

Schermbeck

, 05.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Uefte-Overbecker Trachtenschützengilde besteht seit 290 Jahren. Die älteste Darstellung der Geschichte dieser Gilde erschien anlässlich der 200-Jahrfeier im Jahre 1929 im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck. Der Uefter Lehrer Franz Grunewald schrieb vor 90 Jahren:

Das Programm des Schützenfests (7.-9. September): Samstag: 20 Uhr Eröffnungsfeier im Festzelt am Schulweg.
Sonntag: Festumzug ab 15 Uhr. Nach der Parade zeigen Tanzgruppen ihre Tänze. 20 Uhr: Klumpenball.
Montag: 9 Uhr Gottesdienst in der Ludgeruskirche, anschließend Kranzniederlegung am Ehrenmal; 11.30 Uhr Vogelschießen am Schulweg; 16 Uhr Parade und Tänze; 20 Uhr Krönungsball.

„Die Bauerschaft Uefte hat in diesem Jahre ihr Volksfest, ihr Heimatfest im wahrsten Sinne des Wortes, gefeiert, wie es sich schöner kaum denken läßt. Es erhielt seine Weihe durch die Einigkeit, mit der alle, groß und klein und alt und jung ohne Ausnahme daran tätig teilnahmen. Es war darum zu tun, der heutigen, rastlosen Welt die Sitten und Bräuche unserer Altvordern wieder sinngefällig nahezubringen, ihr gleichsam zuzurufen: Laß dich vom Trubel der Neuzeit nicht ganz einfangen!

Über die Entstehung des Uefter Schützenfestes ist urkundlich nichts bekannt, es sind keinerlei schriftliche Aufzeichnungen vorhanden, doch weiß die mündliche Überlieferung mancherlei zu berichten. Ursprünglich war es nur ein Fest für die junge Welt aus Uefte und dem anschließenden Teile von Overbeck, die verheirateten Männer hatten nichts dabei verloren.

Flitzebogen

Die Vogelstange stand auf der Wiedau. Das Königsschießen war sonntagnachmittags um 15 Uhr, und zwar lange Zeit hindurch noch mit selbstgeschnitztem Pfeil und Bogen. Danach kam der sogenannte Flitzebogen in Gebrauch, von dem heute noch einige erhalten sind.

Verhältnismäßig spät hat man sich erst an den Gebrauch von Feuerwaffen gewöhnen können, und auch da sind die ältesten Modelle lange im Gebrauch gewesen, wahrscheinlich auch schon aus dem Grunde, keine unnötigen Ausgaben zu machen.

Der blaue Kittel und die Holzschuhe waren bei der letzten Feier des Schützenfestes im Jahre 1892 noch allgemein üblich. Anstelle eines großen Apparates von höheren und niederen Offizieren hatte man nur einen Hauptmann, der über seine gewöhnliche Tracht nur einen schweren Säbel trug. Und statt eines weitläufigen Vorstandes hatte man zwei „Räckmesters“.

Zwei Liter Schnaps

Schützenkönig konnte jeder ruhig werden, wenn er auch arm war, brauchte er doch nur an die weniger glücklichen Schützen einen Tribut in Form von zwei Liter Schnaps zu leisten, eine Plakette für die Königskette war nicht üblich, daher kommt es, dass heute noch der schöne silberne Vogel fast ganz ohne Schmuck ist.

Dagegen versäumte man es nicht, den Majestäten ein Angebinde zu überreichen. Er bekam eine lange Pfeife und sie ein Gebetbuch. Zwei Ehrendamen bildeten den ganzen Hofstaat. Dann zog man entweder nach Brüggemann oder zum Loofkamp, Besitzer Wicking, jetzt Möllmann. An beiden Stellen war früher eine Schnapsbrennerei, wo also vom ollen Münsterländer genug zu haben war.

Bei einer drei Mann starken Hornmusikkapelle wurde bis spät in die Nacht hinein getanzt, dass die langen Röcke nur so flogen. Gerade hier wurden die alten und ältesten Tänze zum besten gegeben und die jungen Burschen und Mädchen der ganzen Bauerschaft – auswärtige waren ausgeschlossen – hatten hier ihre beste Tanzschule, und ein jeder freute sich darauf.

Hennen mussten ihr Leben lassen

Am Montag morgen frühzeitig ging die zweite Schießerei und Knallerei los, auf jedem Bauernhofe mussten ein oder zwei ahnungslose Hennen ihr Leben lassen unter den wohlgezielten Schüssen der übermütigen Burschen. Der Hausherr und die Hausfrau sahen dem Schauspiele zu, es spielte die Musik, und er und sie mussten ein Tänzchen im Freien vorführen, dann, aber nur dann bekam der Vater seinen großen Schnaps und die Mutter ihre Handvoll Kaffeebohnen.

Meist nicht ganz nüchtern kehrte dann die lustige Gesellschaft mit dem eroberten Federvieh im Sack zum Loofkamp zurück, und nach einigen Stunden folgte das gemeinschaftliche Festmahl: Das Hühneressen. Tanz, Spiel und Scherz, zum Teil in der freien Gottesnatur, wenn die Witterung es zuließ, beschloss auch diesen zweiten Festtag und damit das ganze Fest.“

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