Durch die Eskalation am Sybergshof geraten Campingplatz-Betreiber und Dauercamper unter Druck. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft sagt, was er Betroffenen rät.

Schermbeck

, 18.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einer rechtlichen Grauzone stecken die meisten Campingplatz-Betreiber mit ihren Dauercampern. Eigentlich dürften dort laut Vorschrift für Campingplätze nur Wohnwagen oder Wohnmobile stehen - oft sieht man aber Holzhütten wie die von Hartmut Lück auf dem Campingplatz Sybergshof.

Die Familie Strauch, Betreiberin des Campingplatzes Sybergshof in Gahlen, wollte mit einer Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans den Schritt in die Legalität machen, wurde zwischenzeitlich aber von einem ehemaligen Bewohner des Platzes verklagt.

„Damit wehrt man Ansprüche ab“

Der Kreis ordnete daraufhin, nach Übermittlung einer langen Mängelliste, die Stilllegung des Platzes an - die Familie Strauch reagierte mit einer Gegenklage. Die Campingplatz-Betreiber kündigten zudem vorsorglich allen Bewohnern zum 30. Juni. „Damit wehrt man Ansprüche ab“, sagt Christian Günther, Geschäftsführer des „Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland“, der 1200 Campingplätze vertritt.

Zum konkreten Einzelfall und zur Stilllegungs-Verfügung in Schermbeck kann und will Günther nichts sagen: „Das entscheidet das Gericht.“ Was rät der Bundesverband aber den vielen Campingplatz-Betreibern, die rechtlich ebenfalls in der Grauzone sind? Günther: „Es ist sicherer, einen Bebauungsplan zu haben. Wenn man diesen erst nachträglich bekommen kann, ist das oft mit Auflagen verbunden.“ Den Betreibern rät der Verband, selbst tätig zu werden. Der Kreis Wesel hatte bereits angekündigt, Campingplätze überprüfen zu wollen.

Wie konnte es soweit kommen?

Wie konnte es deutschlandweit überhaupt zu dieser Situation kommen? Die Campingplatzbetreiber hätten sich zu Beginn „über Dauercamper gefreut“, sagt Günther. Diese hätten „planbare Einnahmen“ mitgebracht und in den „ersten Jahren haben die Betreiber auf ihren Plätzen für Ordnung gesorgt“. Weil das gut lief, hätten sich manche Betreiber auch „auf andere Dinge konzentriert“.

Wenn dann ein Bewohner beispielsweise seinen Vorplatz gepflastert habe, hätten Betreiber womöglich nicht oder zu spät reagiert, so Günther. Andere Bewohner hätten nachgezogen. „Denen kann man ja nicht verbieten, was man dem anderen erlaubt hat.“ Gemeinden und Kreise, die über Luftbilder verfügten, hätten dem Ganzen ebenfalls keinen Riegel vorgeschoben.

Wer hat also Schuld? Am Ende, so Günther, werde vor Gericht wohl entschieden, „was davon war kausal?“ Derjenige, der den Vorplatz gepflastert habe, hätte sich vergewissern müssen, dass dies nicht erlaubt sei. „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

Brandschutz liegt im Eigeninteresse

Dass Campingplatz-Betreiber den vorgeschriebenen Brandschutz einhalten, sei schon aus Eigeninteresse Pflicht - auch habe der Betreiber die Verkehrssicherungspflicht einzuhalten. Derzeit, so Günther, habe er allerdings das Gefühl, dass nach vielen Jahren der Duldung durch die Behörden nun das Pendel wieder in Richtung Überregulierung ausschlage.

So würden beim Thema Brandschutz beispielsweise Vorzelte so eingestuft, dass sie ebenfalls einen Mindestabstand um sich herum haben müssten. Dabei würden diese „bei einem Feuer schmelzen“, so Günther: „Die sind aus Kunststoff. Da bleibt nur ein kleiner Klumpen.“

„Nach zwei, drei Minuten kann man nur noch das Fahrgestell löschen“

Für die Feuerwehr wichtig sei die Frage, ob sie im Brandfall an die Wagen und Hütten rankomme. Dass bei einem Wohnwagenbrand die Feuerwehr noch etwas retten kann, bezweifelt Günther. „Dazu gibt es Videos: Nach zwei, drei Minuten kann man nur noch das Fahrgestell löschen.“ Wagen sollten aber mit der Deichsel in Fahrtrichtung zum Weg aufgestellt werden, sodass man im Brandfall Schneisen bilden könne, so Günther.

Und was ist mit den Dauercampern? „Das ist ein schwieriger Punkt“, sagt Günther. Er rät allen Betreibern, in Verträgen mit ihren Bewohnern auszuschließen, dass sich diese mit ihrem Erstwohnsitz auf dem Campingplatz anmelden. Dauercampern mit Erstwohnsitz könne man nicht so einfach kündigen, da diese dann womöglich obdachlos würden.

Kündigung aller Dauercamper ist keine Lösung

Insgesamt 200 Menschen haben ihren Erstwohnsitz in Schermbeck auf Campingplätzen angemeldet. Eine Kündigung von Dauercampern werde das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern, prophezeit Günther. „Die gehen dann woanders hin. Die Menschen sind ja nicht weg.“ Entweder würden sie auf anderen Plätzen unterkommen, in anderen Kreisen oder sich illegal irgendwo hinstellen.

Was würde Günther in dieser scheinbar verfahrenen Situation raten? Alle Beteiligten sollten wieder schnell an einen Tisch. In der Regel, so Günthers Erfahrung, seien die Positionen „eher beieinander als auseinander“. „Parallele Wohnformen“, wie man sie etwa in den USA beobachten könne, wolle auch der Bundesverband nicht.

Für die Campingplatzbetreiber sieht Günther durchaus eine gute Zukunft: „Das Thema Camping boomt.“ Naherholung liege im Trend, sagt Günther. Und: „Naherholung ist nachhaltig.“

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