SPD-Ratsfrau erhält anonyme Drohbriefe

Staatsschutz ermittelt

Ein ungeheuerlicher Skandal überschattet das politische Leben in Schermbeck. Es geht um anonyme Drohbriefe, um ein Leck im Rat oder der Verwaltung gar. Angriffsziel des unbekannten Schreibers ist Eva-Maria Zimprich, Ratsfrau der SPD. Sie hat den Staatsschutz eingeschaltet.

Schermbeck

, 21.12.2017, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Rathaus Schermbeck könnte es ein Leck geben, vielleicht aber auch im Gemeinderat: Ein Maulwurf hat einem anonymen Briefeschreiber Interna gesteckt, die er in seinen Drohbriefen gegen Eva-Maria Zimprich verwendet. Foto: Helmut Scheffler

Im Rathaus Schermbeck könnte es ein Leck geben, vielleicht aber auch im Gemeinderat: Ein Maulwurf hat einem anonymen Briefeschreiber Interna gesteckt, die er in seinen Drohbriefen gegen Eva-Maria Zimprich verwendet. Foto: Helmut Scheffler

Fünf Drohbriefe hat die Schermbecker Ratsfrau Eva-Maria Zimprich (SPD) von einem anonymen Schreiber in diesem Jahr erhalten. Der Staatsschutz ist eingeschaltet. Zudem gibt es ein Leck in Rat oder Verwaltung.

Mit einem Brief, in schlechtem Englisch verfasst, ging es Mitte 2017 los. Unter dem Titel „The Schermbeck Correctiv“ wird darin der Rücktritt Zimprichs aus allen öffentlichen Ämtern gefordert, wenn sie als Vorsitzende den Antrag des Tanzclubs Grün-Weiß Schermbeck auf einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro nicht zurückziehe. Dies sei eine „Lobby Spende“.

Weitere vier Briefe folgten. „Der letzte kam in der vergangenen Woche“, sagte Zimprich am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung. Hinzu kommt, dass der Unbekannte versuchte, den Tanzclub bei der Rentenversicherung, beim Finanzamt sowie beim Zollamt anzuschwärzen. „Da hat jemand notiert, wann unsere Trainer kommen, und Strichlisten geführt“, sagte Zimprich.

Bürgermeister: Eine Unverschämtheit


Bürgermeister Mike Rexforth sagte am Mittwoch in der Ratssitzung, es sei eine „Unverschämtheit, was der TC GW derzeit erlebt“. Aufgrund der anonymen Schreiben habe der Tanzclub Besuch von Behörden erhalten, „bei denen aber nichts gefunden wurde, was derjenige versucht hat, den Behörden unterzujubeln“.

Rexforth wies zudem darauf hin, dass es eine undichte Stelle in Rat oder Verwaltung geben muss. Denn der unbekannte Briefeschreiber zitierte aus nichtöffentlichen Verwaltungsvorlagen, die nur Ratsmitgliedern oder Verwaltungsmitarbeitern bekannt sein dürften. „Aus meiner Sicht ist das kriminell.“

Persönliche Konsequenzen angekündigt


Zimprich hat den Staatsschutz eingeschaltet, der derzeit ermittelt. Rexforth, der selbst in der Flüchtlingskrise auf ähnliche Weise bedroht wurde, hofft auf einen Fahndungserfolg. Dann werde man „mit aller Härte des Gesetzes“ reagieren, so Rexforth. Sollte der „Maulwurf“ aus der Verwaltung kommen, werde dies persönliche Konsequenzen bis hin zum Rauswurf haben. Falls die undichte Stelle bei den Politikern gefunden würde, schließt Rexforth einen Ausschluss aus dem Rat nicht aus.

Da die Politik dem Tanzclub die beantragten 10.000 Euro nur als Darlehen gewähren will, das gleichzeitig für das Grundstück des Tanzclubs am Hufenkamp ins Grundbuch eingetragen werden soll, verzichte der TC, so Zimprich. Dass sie enttäuscht ist, verhehlt sie nicht. Etwa darüber, dass die Tanzclub-Gruppe „Dancing Rebels“ aus Geldmangel nicht zur Weltmeisterschaft nach Polen fahren konnte. Schlaflose Nächte habe sie, sagt Eva-Maria Zimprich. „Bei jedem Geräusch, das man draußen hört, hat man Angst.“

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