Spatenstich für barrierefreie Wohnungen und 20-Millionen-Euro-Projekt

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Mit einem Spatenstich ist der Bau von 17 barrierefreien Wohnungen am Marienheim gestartet - Auftakt für ein 20-Millionen-Euro-Projekt. Die Warteliste ist lang, aber noch nicht geschlossen.

Schermbeck

, 10.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der Vorstellung der Pläne Anfang 2017 hatte Markus Bothe, Geschäftsführer der Caritas-Betriebsführung und Trägergesellschaft Marl, die das Altenpflegeheim Marienheim an der Erler Straße in Schermbeck betreibt, noch gesagt: „2021 soll alles fertig sein.“ Am Montag nannte Bothe beim Spatenstich hingegen Anfang 2025 als Ziel für den Abschluss aller Bauarbeiten. Auch liegen die Baukosten nicht mehr wie anfangs geschätzt bei 17 Millionen Euro, sondern mit 19,5 Millionen Euro kurz vor der 20-Millionen-Euro-Marke.

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Viele Umstände hatten die Umsetzung der Pläne am Marienheim verzögert. Zuletzt musste auch noch die geplante Bau-Reihenfolge geändert werden: Vorbereitende Arbeiten für den Umbau des Marienheims waren wegen der Corona-Pandemie und daraus folgenden Besuchs-Einschränkungen und Hygiene-Anforderungen nicht möglich. Handwerker müssten sich wie alle Besucher an die Regeln halten, so Bothe. Deshalb wurde der Bau der 17 Wohneinheiten vorgezogen.

Als erstes entsteht ab jetzt das Gebäude, das auf dem Luftbild mit "Service Wohnen 2" bezeichnet ist. Dann wird das Pflegeheim umgebaut und anschließend das Wohnhaus (30 Wohneinheiten) gebaut, das mit "Service Wohnen 1" bezeichnet ist.

Als erstes entsteht ab jetzt das Gebäude, das auf dem Luftbild mit "Service Wohnen 2" bezeichnet ist. Dann wird das Pflegeheim umgebaut und anschließend das Wohnhaus gebaut, das mit "Service Wohnen 1" bezeichnet ist. © Caritas

Bereits 60 Interessenten

Mit dem symbolischen Spatenstich von Bürgermeister Mike Rexforth, Markus Bothe und Architekt Ralf Badura startet nun ein Bauprojekt, auf das einige bereits ungeduldig warten. 60 Einträge auf der Warteliste für die barrierefreien Wohnungen gebe es, sagt Bothe: Interessenten könnten sich aber noch in die Liste aufnehmen lassen: unter Tel. (02365) 690873 oder info@caritas-marl.de . Das Vergabeverfahren für die ersten 17 Wohnungen starte ab Mitte 2021, sagt Bothe. Nach welchen Kriterien die Wohnungen vergeben würden, dazu könne er noch nichts sagen.

Mit dem Abriss dieses Gebäudes (frühere Hausmeisterwohnung) soll der Platz für das neue Wohnhaus geschaffen werden.

Mit dem Abriss dieses Gebäudes (frühere Hausmeisterwohnung) soll der Platz für das neue Wohnhaus geschaffen werden. © Berthold Fehmer

Bevor das erste Gebäude mit 17 barrierefreien Wohnungen auf dem Marienheim-Gelände entstehen kann, muss zunächst die alte Hausmeisterwohnung abgerissen werden. Dass dann entstehende Gebäude soll ein „KfW Effizienzhaus 55“ werden, also nur 55 Prozent der Energie eines konventionellen Wohnhauses benötigen. Neben dem Umweltaspekt kommen damit niedrigere Nebenkosten auf die Mieter zu.

17 barrierefreie Wohnungen sollen in das neue Gebäude passen.

17 barrierefreie Wohnungen sollen in das neue Gebäude passen. © Caritas

Die Wohnungen sind für Senioren und Menschen mit Betreuungs- und Unterstützungsbedarf ausgelegt. Die Größen für die Ein- bis Zwei-Personen-Wohnungen liegen zwischen 42 und 62 Quadratmetern. Mit Baukosten von 3,4 Millionen Euro rechnet die Caritas für dieses erste neue Gebäude, das ab Januar 2022 fertig sein und vermietet werden soll.

Ein Beispiel, wie eine Ein-Personen-Wohnung im neuen Gebäude aufgeteilt sein könnte.

Ein Beispiel, wie eine Ein-Personen-Wohnung im neuen Gebäude aufgeteilt sein könnte. © Caritass

Nach der Corona-Unterbrechung sollen nun auch die Arbeiten am Marienheim weitergehen. In diesem Jahr noch sollen etwa noch eine Baustraße angelegt und der Verbindungsgang zwischen Marienheim und Haus Kilian abgerissen werden. Während der Umbauarbeiten im Haus Kilian, die nach jetziger Planung im nächsten Jahr begonnen werden, wird das ehemalige Krankenhaus-Gebäude noch als Ausweichmöglichkeit für die Bewohner genutzt. Erst wenn die Arbeiten am Marienheim abgeschlossen sind, kann das ehemalige Krankenhaus abgerissen werden und Platz für ein weiteres Gebäude mit 30 Wohneinheiten und 14 Tagespflegeplätzen geschaffen werden.

So soll eine Ein-Personen-Wohnung nach Abschluss der Bauarbeiten aussehen.

So soll eine Ein-Personen-Wohnung nach Abschluss der Bauarbeiten aussehen. © Caritas

Das geplante Gebäude und die weiteren Bauten würden „ein Aushängeschild für die Gemeinde“, glaubt Bürgermeister Mike Rexforth. Er weist auf die Wichtigkeit des Projekts für Schermbeck hin. Der Ort habe den höchsten Alterungsgrad im Kreis Wesel, da seien die insgesamt 47 barrierefreie Wohnungen „für uns schon ein Quantensprung“. Einen überproportionalen Anstieg in der Bevölkerungsgruppe ab 65 Jahren erwartet der Demografie-Bericht bis 2030 in Schermbeck.

Lange Warteliste - ohne Werbung

Doch die bereits jetzt lange Warteliste der Caritas, die entstanden ist, „ohne dass wir das überhaupt beworben haben“ (Bothe), zeigt, dass noch mehr in Sachen Wohnungsbau für Ältere in Schermbeck passieren muss. Rexforth verweist unter anderem auf die über dem geplanten Rewe-Markt an der Erler Straße angedachten Wohnungen, die im Sozialen Wohnungsbau entstehen werden. Auch im Baugebiet Spechort seien Häuser mit bis zu sechs Wohneinheiten geplant.

Der Lageplan, wie nach dem Umbau das Marienheimgelände aussehen soll.

Der Lageplan, wie nach dem Umbau das Marienheimgelände aussehen soll. © Caritas

Der Bedarf wird aber auch damit nicht zu decken sein. Gerade mal eine Immobilien-Anzeige habe er in einem Internetportal zuletzt für Schermbeck gefunden, sagt Rexforth. Schermbeck habe das Problem, „dass wir am Regionalverband Ruhr hängen“ und man deshalb weniger Baugebiete ausweisen könne als etwa Raesfeld. Die Herangehensweise des RVR, bei der Planung zu schauen, welche Baugebiete einer Kommune in der Vergangenheit zugesprochen wurden, anstatt zugrunde zu legen, welcher Bedarf in Gegenwart und Zukunft vorhanden sei, hält Rexforth für falsch.

Barrierefreie Wohnungen sind teurer

Für Rexforth steht fest, dass Bund und Länder in dieser Frage in der Pflicht seien, hier umzudenken. Barrierefreie Wohnungen zu bauen. sei auch erheblich teurer, sagt Bothe. Um eine Wirtschaftlichkeit herzustellen, müssen dann die Mieten so hoch sein, dass einige ältere Bürger nicht mehr zahlen können. Für Bothe ist klar, dass es nur einen Weg geben könne, dieses Dilemma aufzubrechen: „Es müsste Zuschüsse geben.“

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