Die Konkurrenz aus dem Internet ist auf dem Reisemarkt groß. Sind die traditionellen Reisebüros also ein Auslaufmodell? Christoph Wrobel macht sich aber keine Sorgen um sein Geschäft.

Schermbeck, Kirchhellen

, 17.03.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Griechenland oder Spanien? Oder ist Italien doch die beste Wahl? Mit nur wenigen Klicks können Reiseangebote im Internet verglichen und das beste rausgesucht werden. So bucht man den Sommerurlaub bequem vom Sofa aus. Sind Reisebüros also überhaupt noch nötig?

Die Fakten sprechen gegen das Reisebüro. Laut der Reiseanalyse 2019 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. buchten 2018 mehr Leute eine Reise online (42 Prozent) als im persönlichen Gespräch (40 Prozent). Einige wenige Reisen wurden zudem telefonisch (16 Prozent), per Mail (12 Prozent) oder per Brief/Fax (2 Prozent) gebucht.

Und auch die Anzahl der Reisebüros wird weniger: Immer öfter schließen Anbieter ihre Türen. 2018 gab es laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) 11.029 Reisebüros deutschlandweit. Zwei Jahre zuvor waren es mit 11.422 noch 393 mehr. Das liege laut dem Sprecher des DRV, Thorsten Schäfer, vor allem daran, dass in den vergangenen Jahren eine Konzentration stattgefunden habe: Reisebüros, die in der Vergangenheit auf einfache Trips oder Hotel- und Flugbuchungen gesetzt hätten, seien auf der Strecke geblieben.

Christoph Wrobel macht sich keine Sorgen

Christoph Wrobel vom Reisebüro BOKA-Tours mit Sitz in Schermbeck-Gahlen und Bottrop-Kirchhellen macht sich trotz der stärker werdenden Konkurrenz keine Sorgen: „Natürlich ist das Online-Geschäft ein großer Konkurrent. Aber wir können uns trotzdem wirklich nicht über fehlende Kundschaft beklagen.“ Seit 29 Jahren gibt es den Reiseshop an der Kirchstraße 89 in Gahlen. Seit drei Jahren ist Christoph Wrobel der Leiter. Gemeinsam mit zwei Angestellten berät er seine Kunden.

Und die könnten nicht unterschiedlicher sein. Dem landläufigen Vorurteil, es würden nur Senioren in Reisebüros buchen, widerspricht Wrobel: „Da sind von dem älteren Ehepaar, das sich den Wunsch nach einer Kreuzfahrt erfüllt, bis zu den Jugendlichen, die sich ihre Abireise leisten wollen, alle dabei.“ Und wenn sie einmal da waren, kommen sie oft für die nächste Reise wieder. Viele Gahlener sind bereits Stammkunden bei Christoph Wrobel.

Die Deutschen buchen im Reisebüro

Auch wenn immer mehr Deutsche ihre Reisen online buchen, wird ein Großteil des Umsatzes der Branche immer noch in den Reisebüros gemacht.. Das sagen die Zahlen des DRV, der führenden Interessenvertretung der Reisebranche in Deutschland. Demnach hat die stationäre Reisebranche 57 Prozent (38,6 Mrd. Euro) des Umsatzes 2018 gemacht. Online wurden 29,3 Mrd. Euro eingenommen.

Und auch mit dem Vorurteil, im Reisebüro sei es teurer, kann Christoph Wrobel aufräumen: In der Regel gibt es zwischen Reisebüro und Online-Plattform keine Unterschiede. „Viele denken, dass es im Reisebüro einen Aufschlag gibt und sie es online günstiger bekommen. Das ist in den meisten Fällen aber ein Irrtum“, erklärt Wrobel.

Abhilfe schaffen für die Bequemen

Warum also online buchen, wenn der Preis im Reisebüro nicht höher ist? Für viele Reisende ist die Bequemlichkeit das schlagende Argument. Schließlich ist ein Klick auf dem Sofa bequemer als der Gang zum Reisebüro. Doch auch für alle Faulpelze schafft das Reisebüro Abhilfe. So müssen die Kunden heute für ein Angebot nicht mehr unbedingt am Schreibtisch gegenüber von Christoph Wrobel sitzen. Er erklärt: „Man muss nicht unbedingt hierhin. Wir schicken bei Bedarf auch eine Übersicht über die Angebote per E-Mail.“ Erst für das abschließende Gespräch und die Buchung müsse ein Kunde persönlich erscheinen.

Die Online-Branche hat für den Kunden aber noch einige weitere Vorteile: große Angebotsvielfalt, Transparenz, Vergleichbarkeit, 24-Stunden-Kundenservice und die Ortsunabhängigkeit sind nur einige wenige davon. Doch trotz so vieler Faktoren, die für die Online-Branche sprechen: Christoph Wrobel macht sich keine Sorgen. Die Erfahrung des Reisebüroleiters zeigt: „Die Menschen, die online nicht klarkommen oder ein Problem haben, kommen dann oft doch lieber zu uns.“

Er sieht besonders eine Kompetenz der Reisebüros, mit der das Online-Geschäft nicht mithalten kann: die Individualität. „Wir können im Service auf jeden Kunden gesondert eingehen, ganz wie er möchte. Da kann man sich zum Beispiel auch um die Extrawünsche der Kunden kümmern und bei Bedarf einfach mal im Hotel anrufen. Das macht unsere Arbeit noch mal besonders aus“, erklärt Wrobel.

Anbieter halten große Stücke auf die Reisebüros

Und auch bei den großen Anbietern stehen die Reisebüros immer noch Hoch im Kurs. „Die Reisebüros spielen für Alltours beispielsweise eine zentrale Rolle. Rund 70 Prozent der Reisen werden bei Alltours über Reisebüros verkauft, der Onlineverkauf macht 30 Prozent aus“, erklärt Thomas Daubenbüchel, Pressesprecher von Alltours. Gleichzeitig treibe der Reiseanbieter den Ausbau seines digitalen Angebots voran und stelle sich so zeitgemäß auf das veränderte Nutzungsverhalten der online-affinen Zielgruppen ein.

Alexandra Ruthardt, Pressesprecherin der TUI-Reiseunternehmen, sagt ebenfalls: „Für TUI gibt es bei der Frage nach den Vertriebskanälen kein Entweder-oder. Die Reisebüros nehmen wir auf unserem Weg in die Zukunft mit und zwar durch eine intelligente Verknüpfung von online und offline. Um da zu sein, wo unsere Kunden sind, müssen wir sicherstellen, dass wir ihnen ein durchgängiges, müheloses Kauferlebnis bieten – egal auf welchem Kanal und auch im Wechsel der Kanäle. Unsere aktuell 8300 Vertriebspartner sind für TUI Deutschland sehr wichtig.“

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