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So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

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Das Abrahamhaus ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. Bürgermeister Mike Rexforth sprach über Fehler der Vergangenheit und Pläne für die Zukunft. So sieht es im neuen Treffpunkt aus.

Schermbeck

, 15.05.2019 / Lesedauer: 3 min

An die zehn Sekunden Stille am Telefon konnte sich Mike Rexforth noch gut erinnern. Ende 2016, Hochphase der Flüchtlingskrise, war ein Aufruf für das „Sonderprogramm Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ per Mail im Rathaus eingegangen. Nur acht Wochen Zeit blieben, um ein Konzept einzureichen. Rexforth rief Johannes Brilo, Vorsitzender des SV Schermbeck, an und teilte ihm seine Idee mit. Nach kurzer Bedenkpause sagte Brilo: „Das schaffen wir!“

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Ein Blick von der Nordseite auf das neue Abrahamhaus. Um das Haus herum sind noch einige Arbeiten erforderlich. © Berthold Fehmer

Dass zweieinhalb Jahre später am Mittwoch das Abrahamhaus mit vielen Gästen eröffnet werden konnte, war nur aufgrund vieler Helfer möglich. Architekt Brilo erstellte die Pläne. Viele Ehrenamtliche packten mit an. Banken und Unternehmen legten sich ins Zeug. Rexforth lobte vor allem auch den Mut des SV-Vorstands: Als die Gemeinde den Zuwendungsbescheid weitergereicht habe, sei die Verantwortung und auch das Risiko für eine Millionensumme in die persönliche Haftung des Vorstands übergegangen.

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Mit vielen Gästen wurde das Abrahamhaus am Mittwoch eröffnet. © Berthold Fehmer

Jennifer Rockel, Technische Dezernentin für Städtebauförderung der Bezirksregierung Düsseldorf, erklärte am Mittwoch, warum das Konzept die Jury überzeugte, 960.000 Euro zur Verfügung zu stellen: „Besonders ist, dass das Haus allen Bürgern zur Verfügung steht. Sport verbindet, Sport überwindet Grenzen.“ Ein wichtiger Punkt sei auch gewesen, dass Bürger und Geflüchtete gemeinsam am Abrahamhaus aktiv geworden seien.

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Eine gemütliche Sitzecke im neuen Vereinsheim © Berthold Fehmer

Um das Haus herum sind noch einige Arbeiten zu erledigen. Die Laufbahn ist durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Rasenfläche des Spielfelds soll nach dieser Saison sowieso erneuert werden. In der 12 mal 20 Meter großen Bewegungshalle müssen noch Fußleisten und Abdeckungen für die Stahlträger angebracht werden. Mit dem Parkettboden bietet der Raum auch Möglichkeiten für Tanzgruppen - Fußball könne dort nicht gespielt werden, allenfalls Futsal, sagt Michael Steinrötter, zweiter Vorsitzender des Vereins.

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Etwas karg ist noch in vielen Räumen die Inneneinrichtung, aber das Vereinsheim konnte bereits mit der Hilfe von Paul Underberg (Injoy) ansprechend gestaltet werden. © Berthold Fehmer

Im Fitnessraum steht erst ein Gerät. Im Haus wirkt vieles noch karg, sodass Brilo schätzt, dass es noch etwa ein Jahr dauern werde, bis alles eingerichtet sei. Dass der große Raum im mittleren Geschoss bereits einladen wirkt, ist der Hilfe von Paul Underberg (Injoy) zu verdanken. Barrierefrei ist das Haus mit seinem Aufzug und auch Sehbehinderte sollen sich dank taktiler Fußbodenmarkierungen und Schriften im Haus zurechtfinden können. Per „Betonkernaktivierung“ wird das Haus geheizt, sagt Brilo, was bedeutet, dass die Betondecken erwärmt werden, die die Wärme langsam aufnehmen und tagelang abgeben.

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Sogar den Technik-Raum ließen sich die Damen der Bezirksregierung Düsseldorf von Moritz Brilo zeigen. © Berthold Fehmer

Integration soll laut Förderbedingungen im Haus geleistet werden. Was ist in dieser Hinsicht geplant? Brilo verweist darauf, dass dies im Verein täglich passiere. „Bei der Versammlung der Fußball-Abteilung waren von 80 Anwesenden 30 bis 35 mit Migrationshintergrund.“ Zum Teil natürlich auch solche, die schon länger in Deutschland lebten. „Sie wollen sich einbringen“, hat Brilo beobachtet und das geschehe auch im Jugendbereich und im Vorstand.

So sieht es im neuen Abrahamhaus in Schermbeck aus

Die neue Geschäftsstelle des SV Schermbeck. © Berthold Fehmer

Brilo ist auch klar, dass nach der gewaltigen Kraftanstrengung (innerhalb eines Jahres musste das Haus fertig sein) nun ein Durchschnaufen unvermeidlich ist. Mike Rexforth sagte in Richtung Brilo anerkennend: „Ich habe dich noch nie so hart arbeiten sehen.“ Brilo habe sich mit dem Haus ein Denkmal gesetzt.

Der Gelobte wehrte ab: „Das ist kein Denkmal für mich, sondern soll seinen Zweck erfüllen.“ Was Integrationsangebote in den zwei Seminarräumen betreffe, sei man in Gesprächen mit Caritas und VHS, so Rexforth. Während der Flüchtlingskrise in den 90er-Jahren habe man Flüchtlinge nur verwaltet. Aus diesem Fehler müsse man lernen. „Es gibt viele Frauen, die sich nicht trauen, in einen Verein zu gehen oder das Kopftuch abzulegen.“ Er hoffe, dass ihnen solche Ängste im Abrahamhaus genommen würden.

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