Schulen sind auf Hilfe angewiesen Verwaltung plant, Schulsozialarbeiter einzustellen

Redakteur
Eine Schulsozialarbeiterin führt ein Gespräch mit einer Schülerin.
Eine Schulsozialarbeiterin führt ein Gespräch mit einer Schülerin. (Symbolbild) © Canva
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Auffällige Verhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – genauso wie familiäre, kulturelle sowie strukturell bedingte Probleme. Diese veränderten Entwicklungsbedingungen erschweren das Miteinander im Klassenverband, schreibt die Verwaltung der Gemeinde Schermbeck in einer Vorlage für den nächsten Schulausschuss (31. Januar). „Die Schule alleine kann den Erziehungs- und Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen und ist daher auf begleitende Systeme, wie die Schulsozialarbeit, angewiesen.“

Eine Schulsozialarbeiter-Stelle soll nun für die Gemeinschaftsgrundschule in Schermbeck geschaffen werden. Auf Rückfrage beim Kreis-Jugendamt am 1. Dezember 2022 habe eben dieses bestätigt, dass in Schermbeck ein anhaltender hoher Bedarf an Beratung und Unterstützung von Kindern und Eltern besteht.

Aktuell besuchen ungefähr 440 Schüler die Gemeinschaftsgrundschule Schermbeck mit katholischem Teilstandort. 35 Lehrer unterrichten sie. Im kommenden Schuljahr gibt es 18 Klassen an den beiden Standorten.

Für die Schuleingangsphase steht der Schule eine sozialpädagogische Fachkraft zur Verfügung. Insgesamt gibt es 24 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Zwei Sonderpädagogen fördern diese Kinder. Außerdem werden vier Kinder durch eine Integrationshilfe unterstützt.

An der Grundschule gibt es zudem aktuell 35 Kinder, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und kein Deutsch sprechen. Sie befinden sich in der sogenannten Erstförderung und werden von zwei DAZ-Lehrern („Deutsch als Zweitsprache“) beim Deutschlernen unterstützt. Diese Kinder mit Fluchterfahrung sind zum Teil auch traumatisiert.

Drei Säulen

Eine Schulsozialarbeiterstelle soll helfen, all diese Kinder zusätzlich zu unterstützen. Dabei beruht die Schulsozialarbeit auf den drei Säulen Prävention, Intervention und Vernetzung. Oberstes Ziel ist die soziale Integration junger Menschen. Konflikte sollen vermieden werden, indem die Lebens- und Entwicklungsbedingungen unterstützt und verbessert werden.

Ebenso kann ein Schulsozialarbeiter den Kindern und Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, Konflikte zu lösen. Bei akuten Problemen kann er intervenieren und Hilfestellungen geben, um zu einer Lösung zu finden. Der Schulsozialarbeiter koordiniert zudem die Hilfeangebote zwischen Schule, sozialem Umfeld und der Familie.

Die Schulsozialarbeit soll dazu beitragen, „individuelle und gesellschaftliche Benachteiligungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch besondere sozialpädagogische Maßnahmen ausgleichen“. Grundsätzlich richtet die Schulsozialarbeit ihr Angebot aber an alle Schüler.

Verschiedene Möglichkeiten

Der Gemeinde Schermbeck stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um einen Schulsozialarbeiter in der Gemeinschaftsgrundschule zu etablieren:

  • Die erste Möglichkeit ist, eine Lehrstelle an der Grundschule in eine Stelle der Schulsozialarbeit umzuwandeln.
  • Die zweite Möglichkeit ist, eine eigene kommunale Stelle zu schaffen.
  • Die dritte Möglichkeit ist, die Stelle in eine Trägerschaft zu vergeben.

Wie aus dem Antrag hervorgeht, befürwortet die Schulleitung der Gemeinschaftsgrundschule Schermbeck die dritte Möglichkeit. „Dies hat zum Vorteil, dass die Schule auf einen großen Erfahrungspool des Trägers zurückgreifen kann und auch für den Vertretungsfall wäre der Träger in der Zuständigkeit für Ersatz zu sorgen“, heißt es in dem Antrag. Bei einer kommunal geschaffenen Stelle wäre das nicht der Fall.

Anspruch auf Fördermittel

Die Umwandlung einer Lehrstelle kommt für die Schulleitung vor dem Hintergrund des bestehenden Lehrermangels nicht in Frage. Zwar würde in diesem Fall das Land NRW die Stelle finanzieren, die Vertretungsregelung läge aber allein bei der Schule.

Beim trägerorientierten sowie beim kommunalen Modell besteht die Möglichkeit, eine Förderung von Land zu erhalten. Auf Grundlage des Schulsozialindex hat die Gemeinde Schermbeck den Anspruch auf 16.000 Euro, wenn die Förderung bewilligt würde. Die Kosten für die Stelle würden sich dem Antrag nach auf maximal 86.250 Euro pro Jahr belaufen. Aus dem kommunalen Haushalt blieben somit Kosten in Höhe von rund 70.250 Euro jährlich zu tragen. Frühestens würde ein Schulsozialarbeiter in Schermbeck zum kommenden Schuljahr 2023/24 einsteigen.