Schlacht von Sedan: Bei Wortelkamp feierte die Schuljugend den Sieg

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Große Ereignisse der Geschichte sind oft an den Schermbeckern nicht spurlos vorbeigegangen. Die Schlacht bei Sedan etwa lieferte noch Jahrzehnte später Grund zum Feiern in den Schulen.

Schermbeck

, 15.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Ohne große Vorbereitungen griff die Bereitschaft zum bewaffneten Kampf zwischen den benachbarten Völkern auf beide Länder über. Unter Leitung des Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard von Moltke formierten sich die deutschen Truppen wesentlich schneller als die französischen. So wurden die Erfolge in den ersten Grenzschlachten verständlich.

Das wohl wichtigste militärische Ereignis war die Kapitulation der französischen Stadt Sedan am 2. September 1870. Über ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Kriegsende zeichnete sich der Sieg der Deutschen im Deutsch-Französischen Krieg ab. Napoleon III. geriet damals in Gefangenschaft.

Paris wurde zur Kapitulation gezwungen

Im Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel musste Napoleon miterleben, wie in Paris die Republik ausgerufen wurde und wie Paris im Verlauf der nächsten Monate von deutschen Truppen zur Kapitulation gezwungen wurde. In Deutschland war der Jubel groß. Der „Vorfriede von Versailles“ am 26. Februar 1871 und der endgültige „Friede von Versailles“ am 10. Mai 1871 waren für die Bevölkerung nur noch rein formale Akte.

Sedanfest zur Erinnerung

Nicht Versailles, sondern Sedan wurde fortan jährlich gefeiert. Die Feste am 2. September ziehen sich wie ein roter Faden durch die zweibändige Dammer Schulchronik. Mit Gesang, Deklamationen und einer Ansprache des Lehrers wurde das Sedanfest zur Erinnerung an die entscheidende Kapitulation alljährlich gefeiert. 1888 wurde die Feier um „kleine dramatische Festspiele“ ergänzt. 1889 schloss sich ein gemeinsamer Spaziergang mit Lehrer Kaiser an. In den Jahren 1902 und 1904 fand am Sedantag der Jahresausflug nach Gartrop statt.

Vor 125 Jahren, am 2. September 1895, wurde das Sedanfest als 25-Jahrfeier besonders festlich gestaltet. „Feierte doch“, so heißt es in der Schulchronik, „ganz Deutschland die Wiederkehr jenes Heldentages von Sedan, an welchem französischer Stolz und Übermut durch deutsche Einigkeit und Tapferkeit gebrochen wurde.“

Auch die Veteranen waren eingeladen

Die gemeinschaftliche Schulfeier beider Klassen fand in dem festlich geschmückten ersten Klassenraum statt. Der Nachmittag war dem Spiel und Vergnügen gewidmet. „Um 3 Uhr versammelte sich“, heißt es in der Dammer Chronik, „die Schuljugend auf dem Festplatze beim Wirte Wortelkamp, wo sich auch die Angehörigen der Schule zahlreich eingefunden hatten. Jedes Schulkind wurde daselbst bewirtet und beschenkt, wozu unsere patriotisch gesinnte Gemeindevertretung reichliche Mittel zur Verfügung gestellt hatte.“

Zu der Jubiläumsfeier hatte der Gemeinderat auch die Veteranen der Kriege von 1864, 1866 und 1870/712 eingeladen und bewirtet. Der Abend rückte der Jugend gar zu schnell heran“, endet die Eintragung in der Schulchronik, „und ein Fackelzug beschloss die schöne und erhabene Feier.“

Uneingeschränkte Begeisterung für den Kaiser

Am Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts fehlen die Hinweise auf ein Sedanfest. Die Feiern von Kaisers Geburtstag am 27. Januar rückten stärker in den Vordergrund. Wenn die Schuljugend an Wilhelm II. Geburtstag am 27. Januar 1859 in Potsdam erinnerte, wurden die Schulzimmer festlich geschmückt. Selbst im Jahre 1914, als der Erste Weltkrieg begann, zeigten Lehrer und Dammer Schuljugend eine uneingeschränkte Begeisterung für den Kaiser.

Vielleicht trug die über Jahrzehnte gepflegte Siegesfeier in den Schulen dazu bei, dass ganze Generationen den Krieg als ein feierspendendes Ereignis verinnerlichten. Nur so lässt sich der – gleichfalls in der Schulchronik belegte – Hurra-Patriotismus begreifen, mit dem die ehemaligen Dammer Teilnehmer an den Sedanfesten auf den Kriegsausbruch im Jahre 1914 reagierten. „Die stattliche Zahl von 47 Kriegern“, berichtet die Chronik, „eilt gleich in den ersten Mobilmachungstagen aus der Gemeinde Damm zu den Waffen.“ Der größte Teil davon wurde später auf den Tafeln des Ehrenmals als Tote oder Vermisste verewigt.“

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