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Schermbecker wegen Exibitionismus zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt

dzGerichts-Prozess

Ein Rentner aus Schermbeck ist wegen Exhibitionismus zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Im Prozess stellte er eine junge Dorstenerin als Lügnerin hin.

Schermbeck/Dorsten/Essen

, 03.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Kaum war das Urteil gesprochen, schüttelte der 75-Jährige den Kopf und verzog das Gesicht zu einem gequälten Grinsen. Doch die Richter am Essener Landgericht hatten keinen Zweifel. Laut Urteil hat sich der Angeklagte vor rund einem Jahr in Dorsten vor einer 23-Jährigen entblößt. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass es dabei um sexuelle Dinge ging“, sagte Richter Andreas Labentz bei der Urteilsbegründung am Donnerstag.

„Seine Hose war immer noch offen.“

Es war der Abend des 4. Dezember 2017, als es auf dem Lippetalparkplatz zu einem Polizeieinsatz kam. Die Beamten trafen den Rentner mitten auf dem Parkplatz an. „Seine Hose war noch immer offen“, erinnerte sich eine Beamtin vor Gericht.

Eine 23-Jährige, die gleich in der Nähe wohnte, hatte kurz zuvor den Notruf gewählt und den Angeklagten bis zum Eintreffen der Polizei nicht mehr aus den Augen gelassen. „Ich kam aus den Mercaden“, sagte sie im Prozess. „Er stand direkt vor meiner Haustür, an die Briefkästen gelehnt und guckte mich genau an.“ Weil es schon dunkel war, war ihr mehr als unwohl. Doch der Schock sollte erst noch folgen. „Als ich die Haustür aufgeschlossen habe, habe ich gesehen, dass er mit offener Hose dastand – direkt neben mir.“

„Eine Frau habe ich nicht gesehen.“

Genau davon wollte der 75-Jährige jedoch nichts wissen. Er wollte angeblich nur zu einem Geschäft, das er jedoch nicht gefunden habe. Daraufhin sei er zurück zu seinem Auto gegangen. Mehr sei nicht passiert. „Eine Frau habe ich nicht gesehen – weil auch keine da war“, sagte er den Richtern. Dass er bei Eintreffen der Polizei die Hose geöffnet hatte, wollte er dagegen nicht bestreiten. „Ich wollte nur noch mal schnell urinieren“, so seine Erklärung. Bis zu der Hecke, zu der er angeblich wollte, waren es allerdings noch ein paar Meter.

Der verheiratete Angeklagte war in einem ersten Prozess bereits vom Amtsgericht Dorsten verurteilt worden. Weil er die Bestrafung jedoch nicht akzeptieren wollte, hatte er Berufung eingelegt. Allerdings ohne Erfolg.

Jacke im Reisekoffer mitgenommen

Da half es auch nicht, dass er auf Anraten seines Verteidigers Michael Schwankl extra mit einem Reisekoffer ins Essener Landgericht gekommen war, in dem sich angeblich genau die Jacke befand, die er damals getragen haben will. Durch die Länge der Jacke sollte demonstriert werden, dass die 23-Jährige eigentlich gar nicht viel gesehen haben könne. „Außerdem ist unklar, ob sie sich überhaupt belästigt gefühlt hat“, so Schwankl. Schließlich sei sie damals wortlos im Haus verschwunden.

Ihr Freund, der in der Wohnung war, hatte den Angeklagten damals sofort vertrieben, wobei er auch noch einen Schraubenschlüssel in der Hand gehalten hat. "Zur Selbstverteidigung", wie er vor Gericht sagte. Der Angeklagte blieb trotz der belastenden Aussagen bei seinen Unschuldsbeteuerungen. Er hatte bis zuletzt auf einen Freispruch gehofft.

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